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Festivalbericht: Im letzten Jahr wurde die Dokumentale – International Documentary and Media Festival – in Berlin ins Leben gerufen und konnte da schon mit einer Bandbreite an Filmen u.a. „Sisterqueens“ von Clara Stella Hünecke auf sich aufmerksam machen. Anfang Juni fand nun die zweite Auflage mit neuen Namen als Doxumentale in Berlin statt und wurde mit der Ballett-Performance „Glanz und Widerstand“ der Berlin Ballet Company eröffnet. Ihr Repertoir wurde erweitert und bestand in diesem Jahr nicht nur aus Dokumentarfilmen, sondern es gab auch Buchvorstellungen (auch für Kinder), Podcasts, Vorträge, Events und Virtual Experiences. Als Bestes Buch wurde „Berauscht der Sinne beraubt – Eine Geschichte der Ekstase“ von Racha Kirakosian ausgezeichnet, „Behind Science“ von Marie Eickhoff und Luisa Pfeiffenschneider als Bester Podcast und „Soul Paint“ von Sarah Ticho und Niki Smit als Beste Virtual Experience.
Im Filmbereich konnte man 44 Lang- und 7 Kurzfilme sehen. Gewonnen hat die mexikanische Dokumentation „The Age of Water“ von Alfredo und Isabel Alcántara, die von einem mexikanischen Dorf berichtet, in dem viele Kinder an Leukämie erkrankt sind und wie eine Gruppe von Frauen darum kämpft, das aufzuklären. Einen ganz anderen Kampf führt Eichi in der Dokumentation „Im Osten Was Neues“, der den Publikumspreis erhielt. Mit einer Vergangenheit als Rechtsradikaler trainiert Eichi nun eine Fußballmannschaft, in der alle Mitglieder Geflüchtete sind. Doch sich damit finanziell über Wasser zu halten, ist nicht leicht. Das Publikum begleitet ihn bei seinem Alltag und lernt das ländliche Deutschland genauso kennen wie die Menschen, die dort leben. Zusätzlich zu den beiden Preisen wurden noch zwei lobende Erwähnungen ausgesprochen.
Zum einen wurde Tadashi Nakamura für seinen Film „The Third Act“, in dem er seinen Vater Robert A. Nakamura, einen bekannten japanischen Independent-Regisseur, portraitiert, lobend erwähnt. Die Zweite ging an den Film „The Dialogue Police“ von Susanne Edwards. In Schweden wurde nach Ausschreitungen beim EU-Gipfel in Göteborg 2001 die Dialog-Polizei gegründet. Diese sind dafür da bei Demonstrationen und Kundgebungen durch Gespräche Situationen zu entschärfen. Die Zuschauer:innen begleiten sie über mehrere Monate hinweg bei ihrer Arbeit.
Doch im Wettbewerb konnten man noch viele weitere Dokumentationen mit einer großen thematischen Spannbreite entdecken. Darunter waren auch Natur- und Umweltdokumentationen u.a. „Oceania: Journey to the Center“ von Natalie Zimmerman, das von dem Land und den Einwohner:innen erzählt, die durch den steigenden Meeresspiegel bedroht sind. Die kanadische Dokumentation „Animal Pride“ von Rio Mitchell beschäftigt sich mit Homosexualität unter Tieren und wie häufig diese doch vorkommt. Der mexikanische Film „Flamingos: Life after the Meteorite“ bietet dagegen fantastische Einblicke in das Leben dieser bunten Vögel. Ganz klassisch mit Interviews und vielen Konzertmitschnitten ist die Musikdoku „Block Party“ gehalten: In dieser begleitet der Regisseur David Seeberg den Musiker Peter Fox bei seinem Projekt, kostenlose Kiezkonzerte in Berlin auch mit Nachwuchstalenten auf die Beine zu stellen. Drei weitere Filme stachen aus dem Wettbewerb hervor. Die schwedisch-norwegische Dokumentation „After Work“ von Erik Gandini beschäftigte sich anhand von Interviews mit sehr unterschiedlichen Gesprächspartner:innen mit Fragen rund um den Stellenwert von Arbeit und regte damit zum Nachdenken an.
Die deutsche Dokumentation „Der Tod ist ein Arschloch“ von Michael Schwarz, der auch im Herbst in den Kinos startet, ist ein sympathischer Film über ein Berliner Bestattungsinstitut, das einen neuen, nicht klassischen Weg mit einem Fokus auf viel Menschlichkeit und Nähe geht. Wir lernen die Bestatter:innen genauso kennen, wie manche Beerdigungen und auch Menschen, die sich im Vorfeld oder in ihrer Trauer an das Team wenden. Das ist berührend und man ist danach glücklich, dass der Tod nicht seelenlos sein muss. Ebenfalls stark berühren konnte die Dokumentation von Alina Cyranek: In „Fassaden“ lässt sie vier Frauen zu Wort kommen, welchen anonym von ihren Erfahrungen mit häuslicher Gewalt und Misshandlung erzählen. Auf visueller Ebene unterstreicht die Regisseurin die Worte mit (architektonischen) Stillleben und Ausdruckstanz. Auch ein Polizist, eine Sozialarbeiterin, eine Anwältin sowie eine Psychologin kommen zu Wort. Damit liefert sie einen starken Film zu einem Thema, das zu oft verschwiegen wird und mehr Beachtung erfahren muss.
Fazit: Die zweite Doxumentale, das neue Dokumentarfilm- und Medienfestival in Berlin, zeigte elf Tage lang mit einem erweiterten Streaming-Programm eine gelungene Auswahl an Dokumentationen, so dass jeder etwas für seinen Geschmack finden konnte. 30 Prozent mehr Zuschauende in diesem Jahr zeigten auch, wie gut das Festival angenommen wird und wirft einen optimistischen Blick in die Zukunft des Festivals. So kann man jetzt schon gespannt sein auf die nächste Ausgabe der Doxumentale im kommenden Sommer.
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Website der Doxumentale
- Wikipedia-Artikel über die Dokumentale
- Dokumentale 2025 startet morgen in Berlin, in Podcast: Radio 3, Film Aktuell, 12.06.2025.
- Karolina Domagalska und Adalbert Siniawski: Auf der „Doxumentale“: Film über das „Abortion Dream Team“ aus Polen, in Podcast: Deutschlandfunk, Corsa, 13.05.2025.