“United Interest” (2016)

Kurzfilm / Deutschland & USA / Fiktion / 2016

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Filmkritik: Der deutsche Filmemacher Tim Weidmann (*1976) war schon an einigen Hollywood-Produktionen wie “Spy Games” (1999) als Animator beteiligt. Sein eigener, zweiter Kurzfilm “United Interest”ist nun eine Abrechnung mit dem amerikanischen Kapitalismus. Weiterlesen

“Jugend ohne Gott” (2017)

Filmkritik: Der deutsche Genrefilm “Jugend ohne Gott” (OT: “Jugend ohne Gott”, Deutschland, 2017) nahm sich den 1937 erschienen, gleichnamigen Roman von Ödön von Horvath als Grundlage und schuf einen dystopischen Science-Fiction, der in der nahen Zukunft angesiedelt ist und der inhaltlich wie optisch überzeugen kann. Weiterlesen

“The Party” (2017)

Filmkritik: Seit Jahren liefert uns die britische Regisseurin Sally Potter (*1949) Filme aus verschiedensten Epoche wie der auch im viktorianischen England spielende “Orlando” (1992) und den in den 60er Jahren angesiedelten “Ginger & Rosa” (2012). Dabei erzählt sie persönliche Geschichten und stellt diese gern in einen historischen Kontext. So auch in ihrem neuesten Film “The Party” (OT: “The Party””, Großbritannien, 2017), der nicht nur mit seiner Kürze überrascht, sondern mit seiner wunderbaren Mischung aus Emotionen und wichtigen, aktuellen Themen. Weiterlesen

Herman Melville: Bartleby der Schreiber

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Tolles Büchlein! (c) Suhrkamp Insel Verlag

Buchkritik: Die Urform des passiven Helden ist Bartleby, dessen Geschichte 1853 erstmals gelesen werden konnte. Moby-Dick-Autor Herman Melville erzählt die Geschichte des seltsamen Typen auf 74 vergnüglichen Seiten. Bartleby wurde zum Vorbild für Figuren wie Yvonne, die Burgunderprinzessin und andere, deren wichtigstes Merkmal das Nichtstun ist.

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Im Theaterhaus Rudi: Yvonne, die Burgunderprinzessin

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(c) H. O. Theater

Aufführungsbericht: Yvonne, die Burgunderprinzessin beginnt als Märchenstück á la Cinderella: Der von allen Hofdamen umschwärmte Prinz Philipp verlobt sich mit der bürgerlichen Yvonne. Sie ist hässlich, träg, einfach nicht an den Mann zu bringen. Dass Philipp sie erwählt, geschieht nicht aus Mitleid, sondern aus purer Langeweile. Eine Verlobung mit einem so grässlichen Mädchen ist da ein spannender Scherz, der den ganzen Hofstaat in Aufruhr bringen könnte. Philipps Rechnung geht auf. Dummerweise besser, als er gewollt hat.

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Rainald Goetz: Johann Holtrop

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Rainald Goetz @Suhrkamp Verlag

Buchkritik: Es tut mir leid, ich war zu langsam. Ich wollte einen Roman des aktuellen Büchnerpreisträgers vorstellen, und zack! bekommt der Nächste den Preis. Marcel Beyer ist es diesmal. Und trotzdem, jetzt geht es um Rainald Goetz und seinen Johann Holtrop. Und deshalb: Volker Braun.

Ja, ich bin schon wieder bei einem anderen Autor. Volker Braun schrieb den Hinze-Kunze-Roman, ein Ding, das trotz schärfster DDR-Kritik die Zensur passierte. Es zeigt die Gesellschaft, die verrohten Mächtigen und die recht gleichgültigen Untergebenen. Dafür nutzt es einen Stil, der erst einmal abschreckend verschwurbelt, verschachtelt und verwirrend ist. Die ersten zehn Seiten verstand ich wenig und überlegte viel, ob ich wirklich weiterlese. Ein Glück, dass ich es tat! Beim Johann Holtrop ist der Leser etwas schneller drin, doch Stil und Thematik sind seelenverwandt mit dem Hinze-Kunze-Roman. Nur: Der Holtrop, Jahrgang 2012, packt die neuesten, brennendsten Themen an. Da geht es um einen erfolgsgeilen Manager, der zockt, was das Zeug hält. Die Firma geht pleite? Tja, schade, aber ich habe meine Leistung erbracht und bekomme dafür bitteschön noch die zehn Millionen Euro. Also, ein Bitteschön kommt dem Manager natürlich nicht über die Lippen.

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