„Heiliger Knall“ (2018)

Filmkritik: Der griechische Film „Heiliger Knall“ (OT: „Holy Boom“, Griechenland, 2018) besitzt eine spannende Mischung aus Thrillerelementen und Gesellschaftskritik. Die Regisseurin Maria Lafi vereint alles gekonnt miteinander und zeigte ihren Film auf dem 29. Filmfestival Cottbus im Programm ‚Spectrum‘.

Als eine Gruppe von Jugendlichen einen Briefkasten in die Luft jagt, ändert sich das Leben für eine kleine Gruppe von Menschen in der Nachbarschaft dramatisch. Lena (Anastasia Rafaella Konidi) und ihr Freund Manou (Samuel Akinola) erhalten so nicht ihr erwartetes Päckchen und geraten deshalb in Zahlungsschwierigkeiten bringt. Adia (Luli Bitri) steckt als illegale Einwandererin in noch größeren Schwierigkeiten. Ihr Mann ist gestorben und mit dem Briefkasten ging auch die Geburtsurkunde ihres neugeborenen Babys in Flammen auf. Unter dem strengen Auge von Thalia (Nena Menti) bricht langsam Chaos in der Nachbarschaft aus und jeder versucht seine eigene Haut zu retten.

Armando Dauti und Luli Bitri

Die griechische Regisseurin Maria Lafi (*1967) hat schon bei einigen Kurzfilmen Regie geführt und bringt nun ihren ersten Langfilm in die Kinos. Für den Film „Holy Boom“, der seine Weltpremiere im November 2018 auf dem 59. Thessaloniki International Film Festival feierte, schrieb sie zusammen mit Elena Dimitrakopoulou das Drehbuch. Für den 79-minütigen Spielfilm ersannen sie eine verschachtelte Geschichte, die sich anfänglich wie ein Episodenfilm durch die einzelnen Handlungsstränge bewegt und diese dann alle zusammenführt. Die Tragweite wird erst nach und nach bewusst und steigert sich so ins Dramatische. Anfänglich besitzt der Film eine gewisse Leichtigkeit, bedient sich bei Thrillern und Gangsterfilmen, doch nach und nach rückt das Drama ins Zentrum. So unterschiedlich die einzelnen Geschichten auch sind, geht es im Kern immer um die eigene Existenz oder Lebensgrundlage. Der Film schafft es so, einem ganzen Milieu – den verarmten Gebieten Athens und anderer Städte – ein Gesicht zu geben. Der Film macht die Atmosphäre von Unsicherheit, Verzweiflung und auch Gefahr deutlich und auch wenn er den einen oder anderen Handlungsstrang überspitzt, bleibt er seiner Authentizität treu. Das verdankt er auch seiner Umsetzung. Nicht nur, dass die Charaktere und ihre Darsteller wie aus dem Leben gegriffen sind, sondern vor allem die Inszenierung selbst überzeugt. Es wurde in den Straßen der Gegend und mit natürlichem Licht gedreht. Dabei hatten sie einen Teil eines Wohnblocks für sich, um die Geschichte perfekt an einem Ort spielen zu lassen. Im Gesamten schmiegt sich die Inszenierung wunderbar an den Film an, der von Realismus lebt. Maria Lafi gelingt es einen spannenden, nicht schwermütigen Film zu machen, der unterhalten kann, aber gleichzeitig Missstände anprangert. Diese Qualitäten sollte ein guter Spielfilm mitbringen, so dass er von einer größere Masse angenommen wird. 

Nena Menti und Anastasia Rafaella Konidi

Fazit: Der griechische Spielfilm „Heiliger Knall“ bringt mehrere Einzelgeschichten in einem Film zusammen. Dabei erzeugen die einzelnen Handlungsstränge viel Spannung, obwohl diese tief im Realismus und Drama verhaftet sind. Authentizität und Unterhaltung gehen hier wunderbar Hand in Hand und so liefert Lafi perfekte Kinounterhaltung und gleichzeitig eine berührende und treffsichere Milieustudie und ein Portrait der Gesellschaft.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Heiliger Knall“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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