„Kawauso“ (2023)

Martin Jahn
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Kurzfilm / Japan / Animation / 2023

Filmkritik: Der japanische Kurzfilm „Kawauso“ (OT: „カワウソ“) von Akihito Izuhara, der im ‚Berlinale Shorts‘-Programm der 74. Berlinale 2024 lief, ist eine melancholische und mysteriöse Gesellschaftskritik.

Ein Mädchen läuft über einen Feldweg durch eine scheinbar postapokalyptische, menschenleere Landschaft und wird dabei von einem Fischotter begleitet. Nur noch Reste der Zivilisation erinnern daran, was einmal gewesen ist und deuten an, was noch kommen wird.

In nur 15 Minuten schafft es der Regisseur Akihito Izuhara, der 1964 in Japan geboren wurde, ein Gefühl des Abschieds von der Welt zu vermitteln. In einzelnen Tableaus werden wir daran erinnert, was unsere Welt bisher ausgemacht hat. Dabei wird das Mädchen symbolhaft von einem inzwischen ausgestorbenen japanischen Fischotter begleitet. Sprache spielt in dem Kurzfilm keine Rolle, denn selbst wenn das Mädchen redet, können die Zuschauer:innen sie nicht hören, denn ihre Worte bleiben stumm. Die detaillierten 2D-Zeichnungen und der Verzicht auf jegliche Sprache schaffen eine mysteriöse und bedeutungsschwangere Atmosphäre. Der Regisseur Izuhara webt nicht nur den ausgestorbenen Fischotter und die japanische Landesgeschichte mit ein, sondern schafft einen universellen gesellschaftskritischen Blick auf unseren Umgang mit der Welt, in der wir leben, der problemlos auch über Landesgrenzen hinweg funktioniert. Dabei verzichtet er auf eine Holzhammer-Moral und schafft es so, dass sich die Zuschauer:innen mit den Figuren des Mädchens und des entzückend gezeichneten Fischotters trotz der ernsten Botschaft gerne auf Reisen begeben.

Fazit: Der Regisseur Akihito Izuhara hat mit „Kawauso“ einen fantastisch gezeichneten Kurzfilm realisiert, der seine ernste Botschaft in detailreichen und leicht zugänglichen Bildern, die aber nachhaltig in Erinnerung bleiben, vermittelt.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Kawauso“:

geschrieben von Martin Jahn

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