- „Citizen-Inmate“ (2025) - 16. Oktober 2025
- „Koki, Ciao“ (2025) - 16. September 2025
- „Ordinary Life“ (2025) - 26. August 2025
Kurzfilm / Iran / Dokumentation / 2025
Filmkritik: Der iranische Kurzfilm „Citizen-Inmate” (OT: „Dar band“) von Hesam Eslami feierte auf der 75. Berlinale 2025 im Rahmen des Berlinale-Shorts-Programm seine Weltpremiere und dokumentiert das iranische Fußfessel-Programm.
Der Kurzfilm zeigt einen Tag in der Behörde für Strafverfolgung und das Publikum wohnt der Arbeit an den Überwachungsmonitoren bei. Der Blick der Kameras fängt die Straßen und Plätze in Teheran ein und verfolgt einzelne Menschen. Vor über fünf Jahren hat die Stadt sich dafür entschieden, Menschen, die leichte Straftaten begangen haben, mit Fußfesseln auszustatten und nicht ins Gefängnis zu schicken. Das erfordert eine gut funktionierende Maschinerie dahinter, damit die Straftäter:innen permanent überwacht werden können.
Der iranische Filmemacher Hesam Eslami bietet mit seinem 15-minütigen Dokumentarfilm „Citizen Inmate“ einen Einblick in das Überwachungssystem mit Hilfe von elektronischen Fußfesseln und Überwachungskameras. Da die Behörde selbst stolz auf diese Art der Strafe ist, gewährten sie dem Filmemacher für zwei Tage Zutritt, so dass er mit seiner Kamera die Arbeit dort festhalten konnte. Der iranische Staat wollte damit vermutlich auch sein Programm der elektronischen Fußfessel promoten. Mit diffus unheimlichen Schwarzweiß-Aufnahmen von Überwachungskameras wird die permanente Kontrolle der iranischen Bevölkerung durch den totalitären Staat eingefangen. Statt also die Selbstpromo rein zu stützen, macht Eslami auch auf die düstere Ebene aufmerksam: Der einzelne Bürger des Landes ist jederzeit in Gefahr, dass es möglich ist, dass man auf Schritt und Tritt (auch ohne Fußfessel) überwacht werden kann. Mit der Fußfessel wird zudem noch der Bewegungsradius eingeschränkt. Wir sehen Aufnahmen aus einer Zentrale zur Vergabe und Überwachung der Fußfesseln. Die ausführenden Personen erscheinen als kleine unbedeutende Zahnräder in einem mächtigen System der staatlichen Überwachung. In den Nahaufnahmen der Überwachungskameras wurden durch Eslami die überwachten Personen mit Emojis, die ausdruckslos schauen oder schreien, charakterisiert und auf so auch irgendwie personalisiert. Die Musik unterstützt die Aufnahmen mit sphärischen Klängen und vermittelt so ein bedrückendes Gefühl der Kontrolle und Allgegenwärtigkeit.
Fazit: In seinem Kurzfilm „Citizen Inmate“ zeigt der Dokumentarfilmer Hesam Eslami einen Ausschnitt aus dem Überwachungssystem des Staates Iran. Mit beobachtenden Bildern und einer sphärischen, musikalischen Kulisse wird den Zuschauer:innen die Allmacht der Überwachung deutlich gemacht.
Bewertung: 7/10
Trailer zum Kurzfilm „Citizen-Inmate“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Berlinale Shorts‘)
- Redmond Bacon, ‚Berlinale Shorts Review Part One‘, journeyintocinema.com, 2025