Musical „Ab in den Wald (Into the Woods)“

Aufführung am 11.05.2018, Theater für Niedersachsen, Hildesheim

© TFN / Foto: J. Quast

Theaterkritik: Der Komponist Steven Sondheim schafft einzigartige Musicals, welche mit ihren ungewöhnlichen Geschichten faszinieren und so selbstverständlich auch Verfilmungen wie Tim Burtons “Sweeney Todd – Der tödliche Barbier aus der Fleet Street” (2007) und “Into the Woods” (2014) von Rob Marshall nach sich zogen. Am Theater für Niedersachsen in Hildesheim wird das Musical “Into the Woods” unter dem Titel “Ab in den Wald” zur Zeit in deutscher Übersetzung aufgeführt. Stimmlich gut gewappnet und mit passender Ausstattung ausgerüstet, konnte eigentlich nichts schief gehen, bis eine der Hauptrollen krank wurde.

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Im Staatsschauspiel Dresden: Parole Kästner!

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Ein halbes Dutzend kleiner Kästner, großartig © Sebastian Hoppe

Aufführungsbericht: Nach Karl May in der letzten Spielzeit wird nun das Leben von Erich Kästner auf der Theaterbühne ausgebreitet. Regisseur Jan-Christoph Gockel nutzt dafür ein Ensemble aus sechs Kindern. Mit Matthias Reichwald kommt nur ein einziger Profi-Schauspieler auf die Bühne – aber der Richtige. Als vierfacher Familienvater stimmt die Chemie zwischen ihm und den kleinen Darstellern.

Los geht es mit sechs kleinen Kästnern, die trinken und paffen und darüber sinnieren, wie und wer Erich Kästner ist. Das könnten wohl Feuilletonisten oder Literaturwissenschaftler am besten beantworten, einigen sie sich. Weiterlesen

“ECHSTASY”-Tour

17.02.2018, Chemnitz Stadthalle

Plakat der ECHSTASY-Tour

Plakat der Echstasy-Tour © Michael Hatzius

Veranstaltungsbericht: Der Kleinkünstler Michael Hatzius tourt schon seit einigen Jahren mit seiner Puppe, der Echse, durch Deutschland und war darunter auch schon einige Mal zu Gast auf dem Dresdner Schaubudensommer. Neben diesen kleineren Shows und Auftritten im Fernsehen veranstalten Hatzius und sein Begleiter abendfüllende Shows meist in renommierten Kulturhäusern. Diesen Februar besuchte er Sachsen, genauer gesagt Chemnitz wieder, und brachte neben der Echse auch die Zecke, den Märchenprinz, das Huhn und viele Enten mit.

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Im Staatsschauspiel Dresden: In seiner frühen Kindheit ein Garten

Aufführungsbericht: Christoph Hein schreibt nicht nur tolle Romane und Erzählungen, sondern auch Dramen. Trotzdem entscheidet sich Regisseurin Friederike Heller dazu, einen Roman von ihm für die Bühne umzuarbeiten. „In seiner frühen Kindheit ein Garten“ erzählt von den Eltern eines RAF-Terroristen, der erschossen wurde. Unter welchen Umständen, ist unklar. Die Eltern nehmen den Kampf um die Wahrheit auf.

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Birte Leest; als Ehepaar Zurek: Hans-Werner Leupelt, Christine Hoppe; Moritz Kienemann; Philipp Grimm (v.l.n.r.) © Sebastian Hoppe

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Im Staatsschauspiel Dresden: Der gute Mensch von Sezuan

Aufführungsbericht: Ein Stück von Bertolt Brecht hat sich die junge Regisseurin Nora Schlocker für ihren Einstand in Dresden gewählt. Das ging damals bei Tilmann Köhler richtig gut (Heilige Johanna der Schlachthöfe 2009, preisgekrönt). Funktioniert es ein zweites Mal?

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Was kann man tun, um ein guter Mensch zu sein? Was muss man tun, um dabei selbst nicht unterzugehen? Eine famose Betty Freudenberg als Shen Te © Sebastian Hoppe

Die Bühne ist karg. Nur ein schmaler Streifen vorn bleibt anfangs zum Bespielen. Denn viel Platz wird den Armen, die dieses Stück bevölkern, von der Welt nicht eingeräumt. Es reicht für den Wasserverkäufer (Thien Phuoc Nguyen, im Wechsel mit Anton Petzold). Anton Petzold kennen einige vielleicht als Rico aus den „Rico, Oskar und …“-Verfilmungen. Der jüngere Thien Phuoc Nguyen steht ihm in nichts nach.

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Im Staatsschauspiel Dresden: Secondhand-Zeit

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Ein knappes Dutzend Laienschauspieler bringt uns die ehemalige Sowjetunion kurz vor und nach dem Zusammenbruch näher. © Matthias Horn

Aufführungsbericht: Die Bürgerbühne bearbeitet Texte von Swetlana Alexijewitsch und bringt sie ins Kleine Haus. Menschen, die aus der ehemaligen Sowjetunion stammen, tragen die Berichte der 2015er Literaturnobelpreisträgerin vor. „Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ lautet der Untertitel der Regiearbeit von David Benjamin Brückel.

Es dauert ein wenig, bis man sich hineingehört hat. Bis auf einen Darsteller haben sie alle einen deutlichen Akzent. Tschaikowskis „Schwanensee“ läuft am Anfang und bleibt als musikalische Untermalung präsent. Weiterlesen

Im Theaterhaus Rudi: The Importance of Being Earnest

Aufführungsbericht: Die Laienspieltruppe „Eclectic Theatre“ bringt Oscar Wildes Komödie in englischer Originalsprache auf die Bühne. Die Dialoge sind rasant, Wildes Sprache geschliffen schön. Oscar Wilde selbst hielt „The Importance of Being Earnest“ für sein bestes Drama. Wer im Englischen nicht topfit ist, setzt sich besser so, dass er die Übertitel mitlesen kann.

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Langeweile im feinen Zwirn: Christoph Kunckel als Algernon (Algy). © Eclectic Theatre

England um 1900. Die saturierte Oberschicht langweilt sich gegenseitig. So ist der Londoner Algernon Moncrieff ganz froh, dass vor seiner Tante Augusta (herrlich streng: Luise Walter) und seiner Nichte Gwendolen noch ein alter Freund ins Haus geschneit kommt. Weiterlesen