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Eine neue Karaoke-Komödie von Christian Kühn (Uraufführung) / Termine bis einschließlich 12.10.2025, sowie vom 30.12.2025 – 11.01.2026 (jeweils außer Montags, sowie am 01.01.26) / Eintritt ab 23€
Theaterkritik: 2011 legte Comödiens Tausendsassa Christian Kühn (Intendant, Regisseur, Buch, Darsteller) den Grundstein für das Genre der Karaokekomödie in seiner Laufbahn. Vier Männer die in einem Kühlhaus eingeschlossen sind, vertreiben sich die Zeit mit Karaokegesang. Das Konzept ging auf, das Publikum war begeistert. 3 Jahre später ersonn Kühn daraufhin den „Tussipark“, dieses mal mit vier Frauen aber nicht weniger Witz und Gesang. Und mit einem mal kannte die Karaokekomödie das ganze Land, denn viele verschiedene Theater in ganz Deutschland lizenzierten sich die Rechte an der Geschichte und inszenierten ihren ganz eigenen Tussipark. Auch die kühnsche Inszenierung in Dresden und später auch in Karlsruhe waren ein stetiger Inhalt im Jahresprogramm der Häuser. Es folgte das Spin-Off „Zickenzirkus“, in dem die beliebte Figur der Jennifer weiteren Frauen begegnet und die „Spielplatzhirsche“, in dem noch einmal die Männer ans Mikrofon mussten. Und nach 11 Jahren ist sie nun da, die Fortsetzung auf die alle gewartet haben: „Tussitrip“.
Dieses Mal treffen sich also die Ur-Tussis Jennifer, Pascaline und Grit zu einem Trip nach Mallorca, um dort den JGA der vierten im Bunde, Wanda, vorzubereiten. Diese scheint sich nun endgültig binden zu wollen, nachdem sie in Teil eins noch vor dem Altar weggerannt ist. Auf dem Dach eines verlassenen Hotels soll alles stattfinden. Doch Wanda taucht nicht auf und plötzlich ist auch die Tür zum Dach verschlossen, so dass die Mädels gefangen sind. Aber warum liegt den da ein Mikrofon auf dem Boden, fragt sich Jennifer alsbald und die Mallorca-Party kann beginnen…
Nun sind sie also wieder vereint: Das Dummchen Jennifer, immer noch naiv bis zum Himmel aber mit dem Herz auf dem rechten Fleck, äußerst Wortgewand aber nicht immer sicher in der Aussprache ihrer Textverdreher. Pascaline die sexssüchtige Diva, die von ihren Abenteuern mit den jungen Männern nur allzu gerne ausführlich und bildlich berichtet und Grit, immer noch Mutter Dreier Kiddies, jetzt im Teenageralter und weiterhin geplagt mit allerlei Sorgen und Nöten, die das Ehe- und Mutterleben so mit sich bringt. Mehr als ein Jahrzehnt ist das Erlebnis im Parkhaus nun schon her, so dass sich Figuren natürlich weiter entwickelt haben, doch allesamt ihrem Grundtypen treu bleiben. Jennifer ist nun selber Mutter, Pascalines Mann ist gestorben und Grit wurde verlassen. Und das sorgt für Zündstoff in der Handlung, die Kühn mit Bravour ersonnen hat und damit seinem Publikum genau das liefert was es verlangt: Eine Fortsetzung die noch höher und weiter geht als der Vorgänger.
Und man kommt nicht aus dem Lachen heraus. Schon mit Grits Monolog zu Beginn des Stück, bei dem sie einmal mehr mit ihren Kids am Telefon spricht, läßt den geneigten Zuschauer an den Vorgänger denken und gleichzeitig über Neues lachen. Dann die junge Mutter Jennifer, die erst einmal mit der neuen Situation zurecht kommen muss und in der Whats App-Gruppe der Eltern ihrer Schulklasse eine ganz neue Art von Social Media-Horror erleben muss. Viele junge Mütter im Publikum dürften ihr da wohl zustimmen und aus dem Lachen nicht mehr herauskommen. Und natürlich Pascaline, die einmal mehr ihre Libido mit einem wohl besonders attraktiven Exemplar des männlichen Geschlechts befriedigt und damit Grit um den Verstand bringt. Auch wenn der Humor diesesmal die Grenze zum Slaspstick nicht selten überschreitet, so bleibt letztlich doch kein Auge trocken, bei dieser Kombi aus den verschiedensten Richtungen des Humors.
Dazu werden natürlich, wie es sich für eine Karaoke-Komödie gehört, wieder einmal eine ganze Menge an Songs geschmettert, mit Übertiteln für den geneigten Zuschauer zum mitsingen. Und welche Hits passen bei einem Stück das auf Mallorca spielt am besten und verlocken am meisten zum Mitgrölen? Natürlich Malle-Hits. Und so beginnt alles mit „Wackelkontakt“ (Wär ich ein Möbelstück…) und schon fängt das Publikum an zu eskalieren. Neben vielen anderen Ballermann-Songs dürfen aber auch Party-Klassiker wie „Cotton Eye Joe“ oder „We’re going to Ibiza“ nicht fehlen. Kurz gesagt, die Auswahl hätte bei der Thematik nicht passender sein können.
Doch „Tussitrip“ wäre nicht „Tussitrip“, wenn nicht auch ein paar ernstere Töne zwischen den Zeilen zu finden wären. So ist Grits Unglück mit ihrem Ehemann, der sie nach langer Ehe verlassen hat, doch ein kleiner Gänsehaut-Moment. Und auch die anderen beiden Figuren haben so ihr Leid zu tragen. Das Freundschaft dabei immer der wichtigste Kit ist, um wieder alles ins Lot zu kommen, wird dabei auf wunderbare Weise aufgezeigt, ohne das dabei der Vorschlaghammer geschwungen wird, wie sonst nicht selten in so einem Theater- oder Filmmoment. Hier ist die Balance perfekt und passt bestens für ein Stück dieser Art.
Ansonsten seien auch einmal mehr Inszenierung und Darstellerleistung hervorgehoben. Das Bühnenbild von Nina Aufderheide, ein verlassenes Hoteldach, passt blendend zum Geschehen und wird wunderbar in die Handlung einbezogen. Sowieso erinnert hier alles auch immer ein bisschen an „Hangover“, wenngleich die Handlung natürlich eine andere ist. Die Choreos von Sarah Fleige sind schmissig und bringen die Darstellerinnen hier und da auch durchaus zum schwitzen. Und bei ihnen wurde natürlich wieder auf die beliebtesten Gesichter des Vorgängers zurückgegriffen, ohne die „Tussitrip“, bei aller Genialität hinter der Bühne, wohl doch nur halb so toll geworden wäre. Das sind Beatrice Kaps-Zurmahr in der Rolle der Grit, die Einzige die übrigens nicht schon bei der Uraufführung auf der Bühne stand, mittlerweile die Rolle aber mit Abstand am meisten performierte. Dann Tanja Wenzel, einige kennen sie vielleicht noch aus „Der Wixxer“, als Pascaline und natürlich Comödien-Stern Dorothea Kriegl, die ihre Rolle der Jennifer in ausnahmslos allen Aufführungen an der Comödie und in Karlsruhe zum besten gegeben hat. Dieses Damentrio gehört zu den Tussis wie Puderzucker auf den Christstollen und ist daher mittlerweile nahezu unersetzbar.
Unterm Strich ist Christian Kühn mit „Tussitrip“ wirklich die Fortsetzung gelungen, die sich jeder gewünscht hat. Noch einmal kann das Publikum mit den geliebten Figuren mitlachen, mitfiebern und mitsingen, ohne sich dabei auf Einschränkungen einstellen zu müssen. Es gibt wieder Sprüche und Diaologe, die einem zum kaputtlachen animieren, Songs die das Goldkehlchen in jedem von uns wecken und auch leise Töne die einem kurz inne halten lassen. Alles vereint in drei Damen, die man einfach aus ganzem Herzen lieb haben muss, auch wenn sie – oder gerade weil sie – so manches manchmal von sich geben, was einem die Ohren schlackern lässt. Einfach Comödien-Entertainment der besten Sorte.
Geschrieben von David Hilbert





