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Filmkritik: Die Dokumentation „Moria Six“ von Jennifer Mallmann, die auf dem 67. DOK Leipzig 2024 ihre Weltpremiere feierte und gleich zwei Preise (DEFA-Förderpreis und den Filmpreis Leipziger Ring) gewinnen konnte, erzählt über einen persönlichen Briefwechsel und Vor-Ort-Aufnahmen von den Nachwirkungen des Brands in dem Geflüchtetenlager.
Mitten in der Pandemie brannte im September 2020 das Geflüchtetenlager in Moria komplett nieder. In diesem Lager waren zu dem Zeitpunkt 12.600 Geflüchtete untergebracht, die über das Meer auf die Insel Lesbos gelangt sind. Schnell waren aufgrund eines Zeugenberichts sechs Schuldige ausgemacht, die teilweise noch immer auf ihre finale Urteilsbesprechung warten. Die damaligen Jugendlichen sollten die Brandstifter sein. Darüber und über die nachfolgende Haftstrafe tauscht sich einer von ihnen, Hassan, mit der Filmemacherin aus. Darüber hinaus begibt sich das Team direkt vor Ort, besucht das neue Geflüchtetenlager, spricht mit dem vergessenen Bewohner des früheren Lagers und mit Menschen, die sich für die eingesperrten Jugendlichen einsetzen.
Nach einer Katastrophe schaut die Welt irgendwann nicht mehr an den Ort des Geschehens. Jennifer Mallmann und ihr Team tun das dagegen schon. Sie blicken auf die Insel, wie sie sich seit dem Brand verändert hat und schaut sich die Folgen und Spuren dessen an. Der wichtigste Anknüpfungspunkt sind die sechs Jugendlichen, von denen immer noch einige in Haft sind. Ihr Briefwechsel führt in die Dokumentation ein und offenbart auch gleich den persönlichen Ausgangspunkt der engagierten Regisseurin. Die Worte der Briefe, welche die Regisseurin selbst einliest, werden begleitet von Aufnahmen von Moria. Für diese arbeitete die Kamerafrau Sina Diehl viel mit statischen, menschenleeren Aufnahmen. Eindrücke, die friedlicher scheinen, als es die Wirklichkeit ist. Aber die Bilder zeigen auch wunderbar den Blick, welche die Menschen auf die Geschehnisse werfen – das Nicht-Sehen-Können und -Wollen. Auch das neue Geflüchtetenlager versucht unsichtbar zu sein. Das Nicht-Hinschauen-Müssen wird hier durch die Architektur ermöglicht. Das Menschliche verliert sich darin. Mallmanns Appell ist ein anderer. In Zeiten vieler Krisen dürfen wir uns trotzdem nicht abwenden. Der Film ruft dazu auf, nicht wegzuschauen, auch wenn das meiste jetzt außerhalb unserer medialen Aufarbeitung und Wahrnehmung passiert.
Fazit: „Moria Six“ ist eine Dokumentation von Jennifer Mallmann, die den Blick dorthin hinlenkt, wo viele nicht mehr hinschauen. Mit stimmigen Bildern, gut ausgewählten Gesprächspartner:innen und auch einer persönlichen Bezugnahme blickt sie nach Moria und hinter die Strukturen vor Ort und bringt das Thema dahin zurück, wo es hingehört: in das Licht der Aufmerksamkeit.
Bewertung: 7,5/10
Kinostart: 22. Mai 2025
Trailer zum Film „Moria Six“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
„Moria Six“ läuft ab 22. Mai 2025 u.a. in folgenden Kinos:
Augsburg Liliom, Bad Krozingen Joki, Bamberg Lichtspiel,Berlin FSK, Bonn neue Filmbühne, Bremen City 46, Düsseldorf Metropol, Frankfurt Mal Sehn Kino, Freiburg Koki, Hamburg 3001 Kino, Heidelberg Gloria, Köln Odeon, Ludwigsburg Caligari,Mannheim Odeon, München Monopol, Nürnberg Filmhaus, Stuttgart Atelier am Bollwerk, Titisee Krone Theater, Tübingen Museum
Außerdem wird es eine Kinotour der Regisseurin Jennifer Mallmann in folgende Kinos und zu folgenden Terminen geben (fehlende Uhrzeiten und Ticketlinks werden noch aktualisiert):
- Augsburg Liliom (Am 29.05.25 in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann)
- Bad Krozingen Joki Kino (Am 31.05.25 in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann)
- Berlin FSK (Am 24.05.25 um 18 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann & der Seebrücke Berlin)
- Bonn Neue Filmbühne (Am 26.05.25 in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann)
- Bremen City 46 (Am 22.05.25 um 20 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann)
- Düsseldorf Metropol (Am 25.05.25 um 19 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann & der Seebrücke Düsseldorf – Tickets)
- Frankfurt Mal Sehn Kino (Am 03.06.25 um 20.15 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann & MEDICO)
- Freiburg Koki (Am 04.06.25 um 19.30 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann)
- Hamburg 3001 Kino (Am 23.05.25 um 19 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann & zusammen mit der Seebrücke Hamburg)- Tickets)
- Heidelberg Gloria (Am 01.06.25 um 18 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann & der Seebrücke Heidelberg)
- Köln Odeon (Am 26.05.25 in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann & zusammen mitd er Seebrücke Köln)
- Ludwigsburg Caligari (Am 21.05.25 zusammen mit dem Filmteam & dem Haus des Dokumentarfilms Stuttgart)
- Mannheim Odeon (Am 02.06.25 um 20.15 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin Jennifer Mallmann & der Seebrücke Man
Quellen:
- 67. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2024 – Katalog (Programm ‚Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Neun Fragen an Jennifer Mallmann‘, testkammer.com, 2025
- Eintrag des Films „MORIA SIX | Jennifer Mallmann“ auf der Website der Reigsseurin Jennifer Mallmann
- Anne Küper, ‚Moria Six – Kritik‘, critic.de, 2024
- MFG, ‚MFG-geförderter Dokumentarfilm „Moria Six“ gewinnt zwei Preise beim Festival DOK Leipzig‘, mfg.de, 2024
- DOK Spotters, ‚ „Ich wollte Hassans Geschichte sichtbar machen“‘, dok-spotters.de, 2024