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Filmkritik: Der Familienfilm „Die Legende von Ochi“ (OT: „The Legend of Ochi“, USA, Finnland, UK, 2025) ist das Spielfilmdebüt von Isaiah Sacon, der vorher vor allem durch Musikvideos aufgefallen ist. Er entscheidet sich in seinem ersten Langfilm für handgemachte, klassische Effekte und erzählt so eine Geschichte, die nicht aus dieser (cineastischen) Zeit zu stammen scheint.
Yuri (Helena Zengel) lebt mit ihrem Vater Maxim (Willem Dafoe) und dem Ziehsohn Petro (Finn Wolfhard) auf einer abgelegenen Insel im Schwarzen Meer. Zusammen mit einigen Jungs des Dorfes gehen sie gemeinsam auf die Jagd nach dem berüchtigten und gefürchteten Wesen, die seit Ewigkeiten die Bewohner:innen in Angst und Schrecken versetzen. Die Ochis leben tief in den Wäldern, die alles umgeben, doch man kann ihnen auch genauso gut aus dem Weg gehen. Doch Maxim sinnt schon lange auf Rache, da er vermeintlich durch sie seine Frau Dasha (Emily Watson) verloren hat. Bei einer Jagd findet Yuri ein verletztes Junges und beschließt, ihm zu helfen und wird dadurch selbst zur Ausgestoßenen ihrer Familie.
In Zeiten von CGI-Spektakeln und Superhelden-Filmen fällt ein Film, der ruhiger erzählt und mit manuellen Effekten inszeniert wird, aus der Masse der Familienfilme auf. Das Spielfilmdebüt des Musikvideo-Regisseurs Isaiah Saxon ist eine beinahe düstere Geschichte und erinnert im Stil, aber auch in der Erzählweise an Filme der 80er Jahre wie „E.T. – Der Außerirdische“ (1982) von Steven Spielberg. Dabei nimmt sich die Geschichte Zeit, die Figuren und ihr Leben einzuführen. Auch die abenteuerliche Reise dieser zwei ungewöhnlichen Weggefährten ist nicht temporeich inszeniert. Der Film erzählt von dem fragilen Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur. Die Menschen, die versuchen, die Wildnis zu kontrollieren, um zu zeigen, dass sie über allem stehen. Das Symbol für das Wilde sind die Ochis, Fantasiewesen wie aus einem Kinder- oder Jugendbuch. Gleichzeitig geht es in dem Film auch um familiäre Bande, Erziehung und Prägung und wie Liebe sich auf verschiedene Wege ausdrücken kann. Dabei verzichtet der Film auf den klassischen Kitsch solcher Filme, schafft es aber trotzdem, Emotionalität zu erzeugen, besonders beim Publikum, welches sich auch in den Figuren wiedererkennen kann.
Den besonderen Charme verdankt der Film neben seiner ungewöhnlich ruhigen Erzählart, die gerade der jüngeren Generation, die einen größeren und schnell geschnittenen Bilderreigen gewöhnt ist, auch etwas Geduld abverlangt, der Machart und dem schweifenden Blick. Der Film zeigt die Natur – gedreht wurde in Rumänien – in seiner vollen Pracht von tiefen Wäldern bis zu weiten Hügelketten. Ohne es jemals aussprechen zu müssen, ist der Film ein Plädoyer für eine Rückbesinnung auf die Natur, deren Schönheit und dafür, mit den möglichen Gefahren umzugehen, die damit einhergehen. Danach hat man selbst Lust, die eigene Umgebung, urwüchsige Wälder und Berge kennenzulernen. Hinzu kommt der Verzicht auf CGI-Effekte. Schon lange hat man nicht mehr so entzückende, manuell zum Leben erweckte Wesen auf den Kinoleinwänden gesehen. Zuschauende, die vor der Jahrhundertwende geboren sind, werden sich an viele Sci-Fi- und Fantasy-Erzählungen erinnert fühlen und das auch gleichzeitig für ein wohliges Gefühl sorgt. So kann der Familienfilm das erwachsene Publikum mit Sicherheit abholen, aber funktioniert der Film auch für Jüngere? Können sie diese Art der Erzählung würdigen? Besitzen sie die Geduld und das Sitzfleisch dafür? So kann man gespannt sein, wen der Film ansprechen wird und wer sich für diese Geschichte begeistern kann. Ein weiterer Grund sich den Film anzuschauen ist der fantastische Cast mit Helena Zengel („Systemsprenger“ (2019)), Finn Wolfhard („Stranger Things“ (seit 2016), Emily Watson („Breaking the Waves“ (1996)) und Willem Dafoe („Tiefseetaucher“ (2004)) in den Hauptrollen, die eine ungewöhnliche Familie darstellen und die man gern auf ihren Abenteuerpfaden und auch in Sackgassen folgt.
Fazit: „Die Legende von Ochi“ ist der Debütspiefilm von Isaiah Saxon und erzählt mit berauschenden Naturaufnahmen und handgemachten Effekten eine klassische Familien-Abenteuer-Geschichte, bei der das Kind am Ende der Reise ein Stück erwachsener geworden ist. Doch aufgrund seiner für heutigen Zeiten ungewöhnlichen Optik und langsamen Erzähltempo ist der Film ein Unikat, das so leider vermutlich keine klare Zielgruppe besitzt, aber definitiv den Kinobesuch wert ist.
Bewertung: 7,5/10
Kinostart: 1. Mai 2025
Trailer zum Film „Die Legende von Ochi“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über den Film „Die Legende von Ochi“
- Lida Bach, ‚Die Legende von Ochi – Kritik‘, moviebreak.de
- Eintrag des Films „The Legend of Ochi“ bei der Produktionsgesellschaft A24

