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Das legendäre Fantasyabenteuer von Michael Ende, für die Bühne bearbeitet von Moritz Seibert und Timo Rüggeberg / Termine bis einschließlich 27.07.2026 / täglich, außer Mittwochs / Eintritt ab 27€
Theaterkritik: „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende gehört immer noch zu einem der wertvollsten Fantasy-Romane überhaupt. Die Abenteuer von Bastian Bux, der sich beim Lesen eines Buches tief in die Welt von Fantasien, seiner eigenen Fantasie begibt, begeistern seit Generationen seine Leser und auch die Filmfreunde. Gehört doch auch Wolfgang Petersens Verfilmung zum Kulturerbe in der Filmlandschaft, obwohl dieser nur einen Teil des Buches beinhaltet. Der Rest wurde dann in zwei weiteren, mehr oder weniger gelungenen, Fortsetzungen behandelt. Nun also kommt das Werk als Theaterstück von Moritz Seibert und Timo Rüggeberg auf die Bühne der Comödie Dresden, bzw. auf dessen Open Air Bühne am Elbschloss Übigau. Und das in einer fabelhaften Inszenierung von Nina Damaschke, welche kaum Wünsche offen lässt.
Die Geschichte hält sich dabei an die Buchvorlage, sprich behandelt sowohl Bastians Einstieg in die Welt von Fantasien, wo er sich mit dem mutigen kindlichen Kämpfer Atreju auf ein spektakuläres Abenteuer begibt, um die Welt der Fantasien vor dem Nichts zu retten und der kindlichen Kaiserin einen neuen Namen zu geben. Anschließend wird erzählt, wie er von der bösen Macht dazu verführt wird die Herrschaft über Fantasien an sich zu reißen und wie er davor gerettet wird. Im Vergleich zum Buch erscheint dies hier ein bisschen wie im Zeitraffer erzählt, muss das 480 Seiten dicke Buch doch auf 135 Minuten Bühnenzeit gequetscht werden. Somit werden Puristen des Buches hier und da sicher das eine oder andere Detail schmerzhaft vermissen. Und auch die ungewöhnliche Tiefe der Geschichte, eben der Appell an die Fantasie der Menschheit, kann zumindest nicht in der vollen Gänze zum Tragen kommen, wie es vor allem beim Lesen des Buches der Fall ist. Fakt ist aber das die Bühnenadaption für sich gestanden dennoch sehr gut funktioniert und auch Buchunkundige gut und verständlich durch die Welt von Fantasien führen.
Bei der Inszenierung wurde dabei auf eine gelungene Mischung von eigenen Ideen und Anlehnungen an die erste Verfilmung gesetzt, die voll ins Herz trifft. So dürfen wir auch hier an zwei Stellen Klaus Doldingers atmosphärischen Klängen lauschen, wenn beim Eintritt Bastians nach Fantasien die berühmten Klänge des Main-Themes erklingen und beim Drachenflug das Ikonische Stück „Der Flug auf dem Glücksdrachen“ zum tragen kommt. Und selbst Limahls Pop-Hymne „Neverending Story“ hat es, in abgewandelter Form, in die Applausordnung geschafft. Des weiteren sind z.B. die Figuren des Wissenschaftlers Engywuck und seiner Gefährtin Urgl von der Gestalt her den Figuren im Film stark nachempfunden, was einfach bestens passt.
Und auch sonst überzeugt die Umsetzung voll und ganz. Das Bühnenbild und die Ausstattung, welche Ella Späte einmal mehr für die Comödie gezaubert hat, ist wunderschön und fantasievoll zugleich und bringt die Welt von Fantasien wunderbar auf die Bühne. Dazu wird, neben den schon erwähnten Originalklängen von Doldinger, auch ein sehr aufwändiger eigener Soundtrack eingebunden, arrangiert von Lukas Hartmann. Abgerundet von einer passenden Lichtstimmung durch Franz Engelhardt, die vor allem zum Ende hin gut zum Tragen kommt, wenn die Kulisse langsam aber sicher in einen abendlichen Glanz gehüllt wird. Man möchte gar nicht mehr fort, aus dieser wunderbaren Welt, die hier von den Künstlern hinter der Bühne geschaffen wurde.
Dazu kommt das Ensemble auf der Bühne. Neben dem sehr beliebten Daniel Tille, der in diesem Jahr in sämtlichen Produktionen am Elbschloss Übigau mitwirkt und der hier unter anderem als Glücksdrache Fuchur zu erleben ist, begeistern auch sechs neue Gesichter das Publikum. Ob nun Philipp Rahn und Joachim Stehle, die jeweils eine Einzelrolle spielen (Rahn als Bastian Bux und Stehle als Atréju) oder Hannah Jaitner, Larissa Grosenick, Linda Neuschulz und Philipp Andriotis, welche jeweils eine ganzen Riege von Figuren zum leben erwecken, ein jeder ist bestens besetzt worden und überzeugt auf ganzer Linie.
Somit hat es „Die unendliche Geschichte“ geschafft, seine Mission als Theaterstück zu erfüllen, einem der erfolgreichsten und besten Werke über die menschliche Fantasie, so gerecht zu werden wie nur möglich. Die Geschichte ist zwar merklich gekürzt, doch die wichtigsten, besten und notwendigsten Szenarien der Handlung sind enthalten und werden durch eine großartige Inszenierung und wunderbare Darsteller so zum Leben erweckt, wie man es sich als Buch- und Filmkenner gewünscht hat. Somit ist auch hier der Hochgesang auf die menschliche Fantasie letztlich zu etwas geworden, dem man sich nicht entziehen kann.





