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Ein neues Musical von Christian Kühn, mit der Musik aus dem Album „Leichtes Gepäck“ von Silbermond. / Termine bis einschließlich 10.08.2025, außer Mittwochs und am 17.07.2025) / Eintritt ab 34,50€
Theaterkritik: Caspar David Friedrich ist, fraglos, der wohl bedeutendste Maler der deutschen Romantik. Der 1774 in Greifswald geborene Künstler, welcher von 1798 an als Wahl-Dresdner in der heutigen sächsischen Hauptstadt lebte, schuf weltweit bekannte Gemälde wie „Das Eismeer“, „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ und natürlich „Der Wanderer über dem Nebelmeer“. Einem Künstler der Gegenwart – Regisseur, Schauspieler, Intendant und Buchschreiber Christian Kühn – schwebte schon lange die Umsetzung eines Theaterstücks über Friedrich vor und als er vor einiger Zeit mal wieder das Album „Leichtes Gepäck“ von Silbermond hörte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Es muss ein Musical mit genau dieser Musik sein.
„Der Wanderer über dem Nebelmeer“, das am 11.07.2025 nun seine Uraufführung am Elbschloss Übigau erfuhr, erzählt also die Geschichte Caspar David Friedrichs in Form eines Musicals, das zudem Gegenwart und Vergangenheit verknüpft. Die Handlung dreht sich um den jungen Klimaaktivisten Edgar, der mit seinem Kumpel Lasse ein großes Ding plant, das mit Friedrichs berühmten Wanderer-Gemälde eng verknüpft ist. Dabei verliert er sich immer wieder in Gedanken rund um Friedrich und findet sich plötzlich selbst in dessen Zeitepoche wieder. Es scheint eine enge Verbindung zwischen Edgar und Caspar zu geben, die ein tragisches Geheimnis hütet…
Und wer sich jetzt denkt, dass die Geschichte auf den ersten Blick recht komplex wirkt, der liegt damit absolut richtig. Ist man es von der Comödie sonst eher gewohnt, mit locker leichten Geschichten verwöhnt zu werden, ist die Wanderer-Geschichte in seiner Gestaltung doch einmal etwas völlig anderes. Das Verknüpfen der Biografie eines heutzutage hoch angesehenen Künstlers aus dem 17 Jahrhundert, mit den Problemen der Gegenwart, ist gewagt, da sie doch ein gewisses Wissen und Mitdenken erfordert, um die komplette Bandbreite des Stücks erfassen zu können. Und wenn man eigentlich auf Boulevard-Unterhaltung aus ist, überrascht einem diese Herausvorderung vielleicht erst einmal. Doch schon nach wenigen Minuten befindet man sich mittendrin, in einer Handlung die perfekt die Waage zwischen heute und damals hält. Auch wenn man sich sicher immer wieder nach einer Erleichterung sehnt.
Glücklicherweise macht es Kühn einem damit jedoch nicht allzu schwer, schließlich sind wir hier immer noch bei einem Stück der Comödie. Und somit sind es dann auch vor allem zwei Dinge, die dem Zuschauer immer wieder das geben, was er als Besucher des Hauses gerne haben möchte: Unterhaltung durch Musik und Humor. Das die Songs von Silbermond perfekt zu Friedrich passen kann einem schon beim Hören der Lieder auffallen, doch hier entfaltet sich die geniale Verbindung beider Elemente aufs Trefflichste. Vor allem das allseits bekannte „Leichtes Gepäck“ reißt einen schon beim ersten Mal von den Sitzen. Und wenn aus dem leichten Gepäck, dann durch die tief sächselnde Schwiegermutter Friedrichs – Friederika Bommer – „leichtes Gebäck“ wird, welches sie später vor allem Johann Wolfgang von Goethe immer wieder anbietet, dann kommt auch das Lachen in diesem sonst durchaus bedächtigem Stück nicht zu kurz.
Für Begeisterung sorgt zudem die Inszenierung in seiner gesamten Vielfalt. Das fängt beim Bühnenbild an, das einem beim betreten des Schloß-Areals fast ein bisschen vor Wucht erschlägt. Friedrichs berühmtes „Eismeer“ wurde gewählt, um die Geschichte durch die verschiedenen Zeitebenen zu tragen. Diese wiederrum werden durch perfekte Sound- und Lichteffekte greifbar gemacht, wenn Edgar von der Gegenwart in die Vergangenheit springt und wieder zurück. Hinzu kommt die perfekte Arbeit der Ausstattung, der Maske und des Kostüms, welche die Zeit der Romantik mit Bravour zum Leben erweckt. Und nicht zu vergessen die Choreografie der Musical-Passagen, die dann jedes mal eine perfekte Schneise zurück in die Gegenwart schlagen.
Und natürlich darf auch der Cast nicht unerwähnt bleiben. Mit einer Mischung aus Dresdner Mimen, bekannten Gesichtern des Boulevard und deutschlandweit bekannten Musical-Stars, hat Kühn hier wirklich eine wunderbare Riege an Darstellern für sich und sein Stück gewinnen können. Hauptdarsteller Daniel Tille, den vor allem Fans des Dresdner Boulevardtheater schon tief ins Herz geschlossen haben, mimt Caspar David Friedrich als wäre es ein Alter Ego von ihm. Dessen bessere Hälfte, Caroline Friedrich, stellt Florentine Beyer, bekannt z. Bsp. aus „Kuhdamm 56“, dar. Ebenfalls vom Kuhdamm zurück nach Dresden ist Lucille-Mareen Mayr, die den Dresdnern vor allem als Jaqueline Strutzs bekannt sein dürfte, aus „Go Trabi Go“, einem weiteren Musical der Comödie. Dazu Timo Stacey als zweite Hauptfigur Edgar, Kathi Damerow als herrlich sächsische Friederika, Sebastian Lohse als Goethe, Felix Heller als Carus und Edward R. Serban, der in seiner Rolle als Aktivist Lasse nun schon seine viertes Engagement, innerhalb eines Jahres, an der Comödie Dresden präsentiert und von dieser Bühne nun, in seiner Vielfältigkeit, nicht mehr wegzudenken ist. Und last but not least dürfen auch die Kinderdarsteller Levy, Moritz, Julius und Aurelio nicht vergessen werden, denen bei der Premiere zurecht der wohl größte Applaus zu teil wurde.
Alles in allem ist „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ nicht weniger als eines der absoluten Musical- und Theaterhighlights der letzten Jahre. Ein Musical das komplex und berührend ist, zum Nachdenken anregt und dabei dennoch nicht vergisst großartig zu unterhalten und zum lachen animiert. Ein absoluter Höhepunkt in Christian Kühns Repertoire, vielleicht sogar der Höhepunkt überhaupt und ein Beweis dafür, das auch heutzutage noch große Künstler existieren, die wissen wie sie ihr Publikum begeistern können. Mit Anspruch, einer guten Geschichte, Herzblut, toller Musik und viel Humor. Ein Muss!
geschrieben von David Hilbert






