„Alles in allem“. Eine Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Ausstellungsbericht: Dieses museale Ereignis hat einen echt sperrigen Untertitel. „Die Gedankenwelt des mystischen Philosophen Jacob Böhme“ lautet er. Vielleicht ist das ein Grund, warum man nur allzu leicht diese wahre Perle übersieht. Die Schau wartet noch bis 19.11. darauf, euch zu begeistern. Worum geht’s und was ist daran so toll?

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Ein Grund für die Begeisterung ist diese Location! © SKD, Oliver Killig

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Im Staatsschauspiel Dresden: Hexenjagd

Aufführungsbericht: Man nehme einen Text von Arthur Miller, der perfekt zur aktuellen Lage passt. Dazu ein 16 Mann starkes (und wirklich starkes) Schauspielteam und zweieinhalb Stunden Zeit. Was erhält man? Dank der neuen Homepage-Gestaltung des Staatsschauspiels Dresden weiß das wirklich nur, wer sich das Stück ansieht. Oder diese Rezension liest.

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Ganz links: Ursula Hobmair als verleumderische Abigail Williams. In der Mitte die Rückansicht von Torsten Ranft als Richter. © Sebastian Hoppe

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Carl von Ossietzky. Lesebuch

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Viele Artikel aus dem Lesebuch erschienen zuerst in der Zeitung „Die Weltbühne“, welche Ossietzky zeitweise leitete

Buchkritik: Er war Friedensnobelpreisträger und wurde zum Opfer der Nazis. Ist das Grund genug, wertvolle Lesezeit für hundert Jahre alte Zeitungsartikel von Carl von Ossietzky einzusetzen? Auf jeden Fall!

Aber nicht wegen des Preises und nicht wegen des Opferstatus. Sondern weil der Mensch schreiben konnte. Weil er einen lebendigen Einblick in die Weimarer Republik gewährt. Und weil viele Erkenntnisse bis heute aktuell sind. Leider: Dass die Polizei öfter mal auf dem rechten Auge blind ist, das bemerkte man schon in den 1920ern. Nur ein Beispiel von vielen.

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Der Autor Thomas Rosenlöcher

Buchkritik: In gewohnter Manier gibts Geburtstagsglückwünsche von mir: verspätet. Dabei hatte Karin Grossmann pünktlich am 29.07. einen mit Herzblut geschriebenen Artikel über Thomas Rosenlöcher in der Sächsischen Zeitung gebracht. Der Dresdner mit Fusselbart und Bäuchlein wurde 70 Jahre alt und ist ansonsten Autor.

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Thomas Rosenlöcher (c) dpa/Frank Rumpenhorst

Rosenlöcher schreibt Lyrik, die gut klingt, schöne Bilder entwirft, aber in der Realität verwurzelt ist. Kein salbungsvoller Kitsch und daher eine absolute Empfehlung für alle, denen es graust vor rosiger Romantik oder modernen Gedichten, die einen ratlos zurücklassen und so elegant sind wie ein Einkaufszettel. Nee, der kanns! Wenn er in seinem Gedichtband „Am Wegrand steht Apollo“ beschreibt, wie eine Frau geht und dabei ihren Kopf wie eine teure Vase trägt, dann weiß man, welchen Typ Mensch er meint (bei ihm klingt das besser als bei mir). Und das Bild vergisst man nicht – witzig und warmherzig.

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Felix Salten: Bambi. Komplette Lesung zum entspannten Hören

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Felix Salten: Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde. (c) Verlag Alb Müller. Digitalisat der Zentralbibliothek Zürich

Buchkritik und Tipp: Wer „Bambi“ sagt, meint meistens Kitsch. Logisch, kennt doch der Großteil der Menschheit den Disney-Film. Beschaulich, aber lesen braucht man das ja nicht noch mal. Vollkommen falsch. Denn das Original von Felix Salten kommt ohne klebrige heile Welt-Kulisse aus. Es zeigt die Natur, wie sie ist: bezaubernd schön, manchmal. Grausam und blutig, manchmal. Auf der Seite des MDR Kultur kann man derzeit die komplette Lesung in 13 feinen Häppchen hören.

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Joseph Heller: „Rembrandt war 47 und sah dem Ruin ins Gesicht“ (1988)

© C. Bertelsmann

Buchkritik: Wer Joseph Heller (1923-1999) kennt, der kennt ihn als Autor des irrwitzigen Romans „Catch-22“ (deutsch: „Der IKS-Haken“, später ebenfalls „Catch-22“). Das Antikriegsbuch wurde verfilmt, auch eine ziemlich lustige amerikanische Ska-Band hat sich danach benannt. Im englischen Sprachgebrauch hat sich „Catch 22“ als geflügeltes Wort für eine eingefahrene, paradoxe Situation eingebürgert.

27 Jahre nach dem Megaerfolg brachte Heller ein Buch heraus, mit dem er sich ins Gebiet der Kunstgeschichte vorwagte. Der Originaltitel lautet „Picture This“ (1988) und dreht sich um Rembrandt, Aristoteles, die Gegenwart und vor allem die Ökonomie. Klingt geil, oder?

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Ludwig Renn: Adel im Untergang

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Neue, ordentliche Ausgabe aus dem (c) Aufbau Verlag

Buchkritik: Aus dem Nähkästchen plaudert im Memoirenbuch „Adel im Untergang“ keine alte Dame. Sondern ein gestandener General, Adliger der letzten Stunde und früher Kommunist . Erst ab 1930 hieß der Autor Ludwig Renn. Seine 41 Lebensjahre davor verbrachte er als Arnold Vieth von Golßenau, Spross des sächsischen Uradels.

 

Zuerst verließ er die Armee, nachdem er in den Wirren des Kapp-Putsches den Befehl verweigert hatte, auf aufständige Arbeiter schießen zu lassen. Später schrieb er das erste Mal ein Erinnerungsbuch über seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg: „Krieg“. Schon das veröffentliche er unter dem Pseudonym Ludwig Renn. Feuilleton und Leser konnte „Krieg“ gleichermaßen überzeugen. So stellte Carl von Ossietzky es auf einen Rang mit Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“. Weiterlesen