31. Filmfestival Cottbus 2021

2.-7. November 2021 / Kammerbühne, Weltspiegel, Glad-House, Staatstheater, Obenkino, Planetarium, Altes Stadthaus & online

Festivalbericht: Nachdem das letzte Cottbuser Filmfestival ein reines digitales Event werden musste, fand die 31. Ausgabe dual statt und hielt ein kleineres Angebot für das Online-Publikum parat. Die ganze Packung mit 170 Kurz- und Langfilmen aus 44 Ländern bekam man als Live-BesucherIn an sieben Standorten in der brandenburgischen Stadt zu sehen. 

Im Spielfilm-Wettbewerb traten 12 Filme aus 19 Ländern gegeneinander an. Den mit 25.000€ dotierten Hauptpreis gewann der Film „107 Mothers“ von Peter Kerekes und konnte sich so gegen Filme wie das schwarz-weiße Drama „Sughra’s Sons“ von Ilgar Najaf durchsetzen, der aus dem aserbaidschanischen Hinterland berichtet, wie dort alle Männer und auch Jungen zum Kriegsdienst gezwungen wurden. Der Regiepreis ging an Jan P. Matuszyński für seinen Film „Leave no Traces“. Der Spielfilm „Brighton 4th“ konnte gleich drei Preise abräumen – für die ‚herausragende darstellerische Einzelleistung‘ für Levan Tediashvilis, den ‚FIPRESCI-Preis‘ und den ‚Preis der Ökumenischen Jury‘. Zum Publikumsliebling wurde der Film „Abteil Nr. 6“ gekürt. 

Auch in diesem Jahr wurde einige Langfilme von Kurzfilmen als Vorfilme begleitet und zudem fand auch wieder die lange Nacht der Kurzfilme statt. Dort gewann der visuell starke „Techno, Mama“ von Saulius Baradinskas den Hauptpreis. Wie viele andere Filme im Programm erzählt dieser von der Aufbruchsstimmung der Jugend. So auch „Growing Pains“, welches die Geschichte einer schwangeren 15-jährigen erzählt und wie sie gegen sehr viel Widerstand ankämpfen muss. Zahlreiche Filme waren auch gesellschaftskritisch, ob nun eher humorvoll wie „Comrade Policeman“, der den Spezialpreis in der Sektion erhielt, oder im Mockumentary-Stil wie „Russian Cyberpunk Farm“ oder auf sehr persönliche Weise wie „Ein Jahr im Exil“ von Malaz Usta. Feinfühlig waren auch Dramen wie „The Criminals“ von Serhat Karaaslan. Besonders in Erinnerung geblieben ist der Genrefilm „Views“, der mit Perspektiven in vielfältiger Hinsicht spielt, sowie das Drama „Anatomy of a Czech Afternoon“, das beinah dokumentarisch von einem tragischen Zwischenfall an einem Badesee berichtet.

Auch in diesem Jahr war der Jugendfilm auf dem Cottbuser Filmfestival stark vertreten. Den mit 5.000€ dotierten Hauptpreis gewann der Schweizer Film „Youth Topia“, der sich eine Welt ausmalt, in der nicht das biologische Alter, sondern das Verhalten darüber entscheidet, ob man erwachsen oder jugendlich ist. Den Preis für den Besten Debütfilm gewann der türkisch-deutsche Film „Geranium“ von Çağil Bocut, der eine Geschichte von Familie, Verlust und Erwachsenwerden erzählt. Unter den Jugendfilmen stach außerdem der polnische Film „Love Tasting“ hervor, der sich in einer gelungenen Mischung aus artifiziellen Bildern und dokumentarischen Stil exemplarisch und intensiv mit der polnischen Jugend auseinandersetzt. Auch in anderen Reihen waren zahlreiche Perlen zu entdecken. Im ‚Spotlight Slovensko‘ konnte man den Film „Der Auschwitz Report“ sehen, welcher es als slowakischer Beitrag in die Auswahl für den Besten fremdsprachigen Film zu den diesjährigen Oscars geschafft hatte. Unter den Hits stachen die Aussteiger-Geschichte „Escape“ aus Bulgarien sowie der finnische Spielfilm „Nimby“ hervor, der sich mit gesellschaftlichen Abgründen beschäftigt und das an einem Ort konzentriert. „Hive“, der ebenfalls in dieser Reihe lief, wurde mit dem ‚Dialog-Preis‘ ausgezeichnet. Im Programm ‚Spectrum‘ konnte man im Film „#dogpoopgirl“ beobachten, wie ein Shitstorm viral wurde, und die persönliche Schilderung in „The War of Raya Sinitsina“ in der ‚Spezial‘-Reihe sensibilisierte für das Thema jüdische Kriegsveteranen, die im Zweiten Weltkrieg für Russland gekämpft haben.  

Fotoatelier Goethe

Fazit: Zurück in den Kinos konnte die 31. Ausgabe des Cottbuser Filmfestival 10.000 BesucherInnen mit einer bunten und vielfältigen Auswahl begeistern und vergab Preise im Gesamtwert von 70.000€. Auch in diesem Jahr gab es viele Beiträge zu entdecken, die historische wie aktuelle Themen in den Fokus nahmen und ein buntes, aber meist ernstes Panoptikum des osteuropäischen Filmschaffens zeigten.

Trailer vom 31. Filmfestival Cottbus 2021

geschrieben von Doreen Matthei

Alle im Bericht erwähnten Filme

  • „#dogpoopgirl“ (OT: „#dogpoopgirl“, 2021, Rumänien, Regie: Andrei Huțuleac)
  • „107 Mothers“ (OT: „Cenzorka“, 2021, Slowakei/Tschechische Republik/Ukraine, Regie: Peter Kerekes)
  • „Abteil Nr. 6“ (OT: „Hytti nro 6“, 2021, Finnland/Deutschland/Estland/Russland, Regie: Juho Kuosmanen)
  • „Anatomie eines tschechischen Nachmittags“ (OT: „Anatomie ceského odpoledne“, 2020, Tschechische Republik, Regie: Adam Martinec)
  • „Brighton 4th“ (OT: „Brighton 4th“, 2021, Georgien/Russland/Bulgarien/Monaco, Regie: Levan Koguashvili)
  • „Comrade Policeman“ (OT: „Towarischtsch polizjejskij“, 2020, Kasachstan, Regie: Assel Aushakimova)
  • „Der Auschwitz Report“ (OT: „Správa“, 2021, Slowakei/Tschechische Republik/Deutschland, Regie: Peter Bebjak)
  • „Ein Jahr im Exil“ (OT: „A Year in Exile“, 2020, Türkei, Regie: Malaz Usta)
  • „Escape“ (OT: „Byagstvo“, 2021, Bulgarien, Regie: Victor Bojinov)
  • „Geranium“ (OT: „Geranium“, 2021, Türkei/Deutschland, Regie: Çağil Bocut)
  • „Growing Pains“ (OT: „Growing Pains“, 2020, Russland, Regie: Ellen Rodnianski)
  • „Hive“ (OT: „Zgjoi“, 2021, Kosovo/Schweiz/Nordmazedonien/Albanien, Regie: Blerta Basholli)
  • „Leave no Traces“ (OT: „Żeby nie było śladów“, 2021, Polen, Regie: Jan P. Matuszyński)
  • „Love Tasting“ (OT: „Ostatni komers“, 2020, Polen, Regie: Dawid Nickel)
  • „Nimby – Not in my Backyard“ (OT: „Nimby“, 2020, Finnland, Regie: Teemu Nicki)
  • „Russian Cyberpunk Farm“ (OT: „Russkaja Kiberderevnja“, 2020, Russland, Regie: Sergey Vasiliev)
  • „Sughra’s Sons“ (OT: „Sugra ve ogullari“, 2021, Aserbaidschan/Frankreich/Deutschland, Regie: Ilgar Najaf)
  • „Techno, Mama“ (OT: „Techno, Mama“, 2021, Litauen, Regie: Saulius Baradinskas)
  • „The Criminals“ (OT: „The Criminals“, 2021, Türkei, Regie: Serhat Karaaslan)
  • „The War of Raya Sinitsina“ (OT: „Milchamta shel Raya Sinitsina“, 2020, Israel, Regie: Efim Graboy)
  • „Views“ (OT: „Pohlady“, 2021, Slowakei, Regie: Roman Pivovarník)
  • „Youth Topia“ (OT: „Youth Topia“, 2021, Schweiz/Deutschland, Regie: Dennis Stormer and Marisa Meier)

Rezensionen zu Filmen, die auf dem 31. Filmfestival Cottbus 2021 gelaufen sind

Quellen:

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