71. Berlinale 2021 – Open Air

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  1. – 20. Juni 2021 / Open Air

Festivalankündigung: In diesem Jahr wurde die Berlinale wegen der Corona-Pandemie in den Sommer verlegt. Vom 9. bis 20. Juni 2021 steht dem Publikum ein vielfältiges Programm mit über 130 Beiträgen aus 54 Ländern zur Verfügung. Auch in diesem Jahr ist das ‚Berlinale Shorts‘-Programm eine Entdeckung wert. Neben den 20 Kurzfilmen in dem Programm kann man auf der Berlinale über 90 Langfilme, zahlreiche weitere Kurzfilme und drei Serien sehen. Damit die Qual der Wahl nicht so schwer fällt, kommen hier unsere persönlichen Empfehlungen. 

Wettbewerb

Bad Luck Banging or Loony Porn“ ist der Gewinner des Goldenen Bär für den ‚Besten Film‘ überzeugt als bissige Satire auf die rumänische Gesellschaft, prangert klar Missstände an und ist darüber hinaus noch sehr unterhaltsam. 

Hier geht es zur Kritik: „Bad Luck Banging or Loony Porn“ in der Testkammer.

Herr Bachmann und seine Klasse“: Der Silberne Bär der Jury ging an die Dokumentation, die einen engagierten Lehrer in seinem Alltag porträtiert und zeigt wie Integration funktionieren kann. Dabei wird die fast vierstündige Dokumentation nie langweilig oder schwer, sondern bleibt sehr unterhaltsam.

Ich bin dein Mensch“: Die romantische Komödie von Maria Schrader erzählt von einer Liebe zwischen Maschine und Mensch. Die Hauptdarstellerin Maren Eggert wurde dafür mit dem ‚Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle‘, welche in diesem Jahr zum ersten Mal geschlechtsneutral vergeben wurde, ausgezeichnet.

Hier geht es zur Kritik: „Ich bin dein Mensch“ in der Testkammer

Der französische Spielfilm „Petite Maman“ der Regisseurin Céline Sciamma („Porträt einer jungen Frau in Flammen“ (2019)) erzählt eine sanfte Geschichte eines jungen Mädchens, das die Möglichkeit bekommt, sich mit ihrer Mutter, als sie im selben Alter war, anzufreunden.

Wheel of Fortune and Fantasy“ ist der japanische Beitrag im Wettbewerbs und stammt aus der Hand von Ryusuke Hamaguchi. In drei Geschichten erzählt er mit einem außergewöhnlichen, erzählerischen Gespür von Begegnungen und der Gefühlswelt seiner ProtaginistInnen und gewann damit den Silbernen Bären ‚Großer Preis der Jury‘.

Generation

Sommerflirren“ erhielt den ‚Großen Preis der Internationalen Jury für den Besten Film im Wettbewerb Kplus‘. Eine sanfte Geschichte über die Schwierigkeiten des Erwachsenswerdens.

Una escuela en Cerro Hueso“: Der argentinische Film beschäftigt sich mit der Integration einer autistischen Schülerin. Aus ihrer Sicht und mit ruhigen Bildern wird hier die neue Situation geschildert. 

Der koreanische Beitrag „Fighter“ erzählt von einer jungen Frau, welche nach ihrer Flucht aus Nordkorea Zuflucht im Boxsport findet und sich dadurch besser in Südkorea einleben kann. 

Bis ans Ende der Welt“ stammt ebenfalls aus Südkorea und erzählt von vier jungen Mädchen, welche für ein Fotoprojekt bis ans Ende der Stadt fahren und sich dort verlaufen und so auf ihre Weise die ländliche Umgebung erkunden. 

Der Animationsfilm „Cryptozoo“, der eine Lobende Erwähnung im Wettbewerb ‚Generation 14plus‘ erhielt, ist vermutlich der schrägste Beitrag, den die Berlinale zu bieten hat und wartet mit vielen Fabelwesen, Action, Brutalität und Sex auf.

Ninjababy“ – der norwegische Spielfilm erzählt von einer ungewollten Schwangerschaft und dem Gefühl nicht Muttersein zu wollen, aber auf sehr witzige und leichtfüßige Art. 

Die Dokumentation „From the Wild Sea“ zeigt in berührenden Bildern von dem Schaden, den die Menschheit an dem Meer und ihren Bewohnern anrichtet. Dabei braucht der Film kaum Worte, um zum Handeln aufzufordern.

Mission Ulja Funk“ ist der erste Langfilm der Regisseurin Barbara Kronenberg („Die Ballade von Ella Plummhoff“ (2015)), der vor allem junge ZuschauerInnen mit seinem amüsanten Roadtrip, ein paar durchgeknallten Ideen und zwei liebenswürdigen Charakteren auf seine Reise mitnimmt.

The Fam“ erhielt den ‚Großen Preis der Internationalen Jury für den Besten Film im Wettbewerb 14plus‘ und erzählt die Geschichten von jungen Frauen, welche in einem Heim zusammenleben. Dabei hat der Regisseur Fred Baillif die Darstellerinnen selbst ihre Geschichte formen lassen. 

Berlinale Special

Je suis Karl“ ist ein deutscher Spielfilm von Christian Schwochow, der sich mit dem Rechtsruck in der Jugend beschäftigt und diese Spirale bis zur bitteren Konsequenz zu Ende denkt. Prominent besetzt ist er mit Jannis Niewöhner und Luna Wendler. 

Berlinale Series

Auch Serien kann man seit 2015 auf der Berlinale sehen. Dabei stachen vor allem die beiden Serien „Ich und die Anderen mit Tom Schilling in der Hauptrolle und die britische Serie „It’s a Sin“ hervor. In der ersten Serie, von der die ersten drei Folgen zu sehen sein werden, erwacht der Protagonist eines Tages und alle Menschen wissen alles über ihn. In der zweiten Serie, von der ebenfalls die ersten drei Folgen zu sehen sind, geht es um queere Menschen in den 80er-Jahren in London, die zu sich selbst finden, aber gleichzeitig auch mit der neuen Aids-Pandemie konfrontiert werden. 

Encounters

Im Encounters-Wettbewerb wurde Denis Côté für seinen ungewöhnlichen, coronakonformen und theaterhaften Spielfilm „Sozialhygiene“ mit dem Preis für die ‚Beste Regie‘ ausgezeichnet.

Das Mädchen und die Spinne“: Der schweizer Film gewann ebenfalls den Preis für die Beste Regie und darüber hinaus auch den FIPRESCI-Preis. In 98 Minuten berichtet der Film von störrischen Charakteren, deren Leben sich durch einen Umzug verändern. 

Vị“, der den Spezialpreis der Jury erhielt, ist eine der surrealistischsten Beiträge der diesjährigen Berlinale. In kahlen, dunklen Räumen leben ein Mann und vier Frauen ein bescheidenes Leben ohne viele Worte zu verlieren, dafür lassen sie ihren animalischen Instinkten freien Lauf.

Panorama

Brother’s Keeper“, der auch einen FIPRESCI-Preis gewann, stammt von dem türkischen Regisseur Ferit Karahan, entfaltet im Kleinen ein Drama und beleuchtet dadurch Schwächen im gesellschaftlichen Miteinander und all das ist angesiedelt in einer winterlichen Lernanstalt.

„Glück“: Ebenfalls im Panorama-Programm zu sehen, das einen Schwerpunkt auf den queeren Film gelegt hat, ist ein deutscher Film, der von der Beziehung zweier Prostituierten berichtet und wie schwierig es in dieser rauhen Welt und vor allem aufgrund gesellschaftlicher Widerstände ist, sein Glück zu finden.

Forum / Forum Expanded

A River Runs, Turns, Erases, Replaces“: der starke, träumerische Film von Shengze Zhu zeigt Aufnahmen des großen Flusses Jangtsekiang in Wuhan und unterlegt diese Bilder mit vier Briefen an Menschen, welche aufgrund der Corona-Pandemie gestorben sind. Ein starker, aufwühlender Film im ungewöhnlichen Gewand.

Night Nursery“ ist eine Dokumentation von Moumouni Sanou, welche eine Frau portraitiert, die sich seit Jahrzehnten um die Kinder von Sexarbeiterinnen kümmert, wenn diese nachts arbeiten gehen. Einfühlsam und mit einem wachen Blick wird hier der Alltag dieses Berufstandes aus einer anderen Perspektive heraus geschildert.

Trailer der 71. Berlinale 2021

geschrieben von Doreen Matthei

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