Sieben Fragen an Studio Brute Beesten

Doreen Kaltenecker
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Jurgen de Smit, Arjen van der Plas, Melle Windig, Hidde Alberts und Miguel Reyes

Interview: Im Gespräch mit Melle Windig, der zusammen mit Hidde Alberts, Miguel Reyes, Jurgen de Smit und Arjen van der Plas das Studio Brute Beesten bildet, konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Cell Buddies“ (OT: „Celmaatjes“) erfahren, der im Programm des 41. interfilm Berlin 2025 zu sehen war, wie sie unterschiedliche Ideen in den Film einbrachten, was ihnen dabei visuell wichtig war und ob sie als Team weitere Filme zusammen realisieren werden.

The original english language interview is also available.

Wie ist die Idee zu dem Kurzfilm entstanden? Warum habt ihr euch für einen Waschbär und eine Rundschwanzseekuh entschieden?

Melle: Die Idee entstand in einer Teamarbeit – wir wollten alle unterschiedliche Dinge umsetzen. Ich wollte eine charaktergetriebene Geschichte, ein anderes Teammitglied wollte eine Komödie, und jemand anderes wollte Tiere einsetzen. Wir einigten uns auf ein Gefängnisausbruch-Szenario und entwickelten die Geschichte von dort aus. Wir hatten großes Glück, dass sich diese Ideen so gut miteinander verbanden, ohne dass sie sich gegenseitig widersprachen.

Wir haben uns für einen Waschbären entschieden, weil wir eine Diebesfigur brauchten. Wir diskutierten zwischen einem Waschbären und einem Fuchs, entschieden uns aber für den Waschbären, um zu viele Ähnlichkeiten mit „Fantastic Mr. Fox“ zu vermeiden. Außerdem sind Waschbären niedlich und sympathisch. Die Leute mögen sie.

Die Rundschwanzseekuh war eine interessante Wahl. Wir brauchten eine Figur, die freundlich und ungefährlich ist, aber gleichzeitig körperlich groß. Die meisten großen Tiere – wie Elefanten mit Stoßzähnen oder Bären mit Krallen – wirken, als könnten sie sich wehren. Da Bob sich eigentlich nicht verteidigen können sollte, wenn er bedroht wird, passte die passive Natur des Manatees perfekt.

An welche Filme lehnt ihr euch an und gibt es direkte Zitate im Film?

Melle: Es gab keine bestimmten Filme, auf die wir uns bezogen haben, aber wir wussten genau, welche Stimmung wir wollten. Es musste witzig und herzerwärmend sein – eine Mischung aus dem Stil von Aardman und Disney. Ich bin wirklich zufrieden damit, wie uns diese Balance gelungen ist.

Der Film ist ein Studienfilm, richtig? Wie viel Zeit hattet ihr? Und welche Mittel standen euch zur Verfügung?

Melle: Cell Buddies entstand im Rahmen des 3. Studienjahres des Bachelor-Nebenfachs Stop-Motion an der Sint Joost School of Art & Design. Unser Team bestand aus Studierenden mit unterschiedlichen Hintergründen: Melle Windig und Miguel Reyes (Sint Joost Illustration & Animated Storytelling), Jurgen de Smit (Sint Joost New Design and Attitudes), Arjen van der Plas (HKU) und Hidde Alberts (HU Multimedia Design).

Wir hatten insgesamt etwa sechs Monate Zeit, um zu recherchieren, Stop-Motion zu erlernen und den Film zu produzieren. Diese Zeit gliederte sich wie folgt:

  • 3 Monate: Drehbuch, Storyboard und Animatic
  • 1,5 Monate: Setgestaltung, Puppen und Produktion
  • 1,5 Monate: Animation

Es war stressig, besonders als die Schule über die Weihnachtsferien schloss – genau dann, als wir am Meisten zu tun hatten! Wir nutzten die Kamera der Schule und einen sehr kleinen Studioraum, bezahlten die Materialien jedoch aus eigener Tasche – etwa 100€ pro Person. Das Gesamtbudget des Films belief sich damit auf rund 500€.

Könnt ihr mehr zu den Animationen selbst erzählen: Was lag euch visuell am Herzen?

Melle: Wir wollten eine dunkle, schmutzige Umgebung schaffen, in der die Figuren den Raum wirklich zum Leben erwecken können. Um den Fokus auf sie zu lenken, statteten wir Sam und Bob mit leuchtend orangefarbenen Gefängnisanzügen aus – anstelle der klassischen schwarz-weißen Streifen. Der Kontrast lässt sie wirklich hervorstechen. Außerdem legten wir großen Wert auf eine starke, dramatische Beleuchtung, um die Stimmung zu unterstreichen.

Die Musik und auch die Synchronisation sind wunderbar. Könnt ihr mehr dazu sagen?

Melle: Miguel Reyes war für den Ton zuständig. Während die anderen animierten, besuchte er einen Workshop mit einem Audiodesigner. Da wir kein Budget hatten, suchte Miguel nach Open-Source-Musik aus der Public Domain. Sobald er sie eingebaut hatte, wussten wir: Sie passt perfekt.

Da es sich um ein benotetes Schulprojekt handelte, mussten wir die Stimmen selbst einsprechen. Nach internen Proben übernahm Hidde die Rolle des Bob, und ich sprach Sam.

Wie habt ihr als Studio Brute Beesten zusammengefunden?

Melle: Im Rahmen des Nebenfachs wurden wir ermutigt, einen Studionamen zu wählen. Uns gefiel der Klang von Brute Beesten (Brutale Bestien). Auch wenn das Studio eigens für dieses Projekt gegründet wurde, hat das Team wunderbar zusammengearbeitet. Jeder brachte andere Talente ein, und wir hatten das Glück, dass unsere Persönlichkeiten und Stile so gut harmonierten.

Gibt es bereits neue Projekte? Und werdet ihr dem Stop-Motion-Film treu bleiben?

Melle: Aktuell haben wir keine gemeinsamen Projekte geplant, da wir alle unser Abschlussjahr absolvieren. Vier von uns arbeiten an ihren Abschlussprojekten, und Hidde absolviert ein Praktikum. Ich hoffe, dass wir in Zukunft wieder zusammenarbeiten können – aber das hängt davon ab, wohin uns unsere Karrierewege führen.

Persönlich bleibe ich dem Stop-Motion treu. Ich mag es sehr, weil es so handwerklich und praxisnah ist. Ich bereite gerade meinen Abschlussfilm in Stop-Motion vor. Hidde liebt alle Animationsformen (2D, 3D und Stop-Motion) und wird seinen Abschluss mit einem Auftragsprojekt machen. Miguel, Arjen und Jurgen hingegen haben breitere künstlerische Interessen und werden sich möglicherweise nicht strikt auf Animation beschränken.​​​​​​​​​​​​​​​​

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Cell Buddies


Interview: In our conversation with the filmmakers from Studio Brute Beesten, consisting of Melle Windig, Hidde Alberts, Miguel Reyes, Jurgen de Smit, and Arjen van der Plas, we learned more about their short film „Cell Buddies“ (OT: „Celmaatjes“), which was shown in the program of the 41st interfilm Berlin 2025. We also learned how they brought different ideas to the film, what was important to them visually, and whether they will continue to make films together as a team.

How did the idea for the short film come about? Why did you choose a raccoon and a manatee?

The idea was a collaborative effort; we all wanted to explore different things. I wanted a character-driven story, another team member wanted a comedy, and someone else wanted to use animals. We settled on a prison break scenario and went from there. We got really lucky that these ideas merged so well without clashing.

We chose a raccoon because we needed a thief character. We debated between a raccoon and a fox, but we went with the raccoon to avoid too much similarity to Fantastic Mr. Fox. Plus, raccoons are cute and relatable. People like them.

The manatee was an interesting choice. We needed a character who was kind and non-threatening but also physically large. Most large animals, like elephants with tusks or bears with claws, look like they can fight back. Since Bob isn’t supposed to be able to defend himself when threatened, the manatee’s passive nature worked perfectly.

Which films did you draw inspiration from? Are there any direct references?

There weren’t specific films we pointed to, but we definitely knew the „vibe“ we wanted. It needed to be funny and heartwarming—a mix between the styles of Aardman and Disney. I’m really happy with how that balance turned out.

As a student film, what was your timeline and what resources did you have?

Cell Buddies“ was created for the 3rd-year Bachelor minor in Stop Motion at Sint Joost School of Art & Design. Our team was a mix of students from different backgrounds: Melle Windig and Miguel Reyes (Sint Joost Illustration & Animated Storytelling), Jurgen de Smit (Sint Joost New Design and Attitudes), Arjen van der Plas (HKU), and Hidde Alberts (HU Multimedia Design).

We had about six months total to research, learn stop motion, and produce the film. That broke down into:

  • 3 months: Writing, storyboarding, and creating the animatic.
  • 1,5 month: Set design, puppets, and production.
  • 1,5 month: Animation.

It was stressful, especially when the school closed for the Christmas holidays right when we had the most work to do! We used the school’s camera and a very small studio space, but we paid for materials out of pocket—about €100 each. So the total budget of the film was around 500 euros. 

What was visually important to you regarding the animation?

We wanted a dark, grungy environment where the characters could really liven up the space. To keep the focus on them, we gave Sam and Bob bright orange jumpsuits instead of traditional black-and-white stripes. The contrast really makes them stand out. We also prioritized strong, dramatic lighting to set the mood.

The music and dubbing are wonderful. How did those come together?

Miguel Reyes handled the audio. While the rest of us were animating, he attended a workshop with an audio designer. Since we had no budget, Miguel found open-source, public-domain music. As soon as he put it in, we knew it was perfect.

Because it was a graded school project, we had to do the voices ourselves. After some internal tryouts, Hidde took the role of Bob and I voiced Sam.

How did you form Studio Brute Beesten?

For the minor, we were encouraged to create a studioname. We liked the sound of Brute Beesten (Brutal Beasts). Even though the studio was formed for this specific project, the team worked together beautifully. We all brought different talents to the table, and we got lucky that our personalities and styles meshed so well.

Are there any new projects planned? Will you stick with stop motion?

We don’t have any joint projects planned right now as we are all finishing our graduation year. Four of us are on final projects, and Hidde is doing an internship. I hope we can collaborate again in the future, but it depends on where our careers take us.

Personally, I am sticking with stop motion. I like it very much because it’s so hands-on and practical. I am now preparing my graduation film in stop motion. Hidde loves all forms of animation (2D, 3D, and stop motion) and will be graduating with a commissioned graduation project. Meanwhile, Miguel, Arjen, and Jurgen have broader artistic interests and may not stick strictly to animation.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Cell Buddies

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