„Sting“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Gleich zwei Spinnen-Filme bereichern das Horrorgenre in diesem Jahr. Als Erster startete „Sting“ (OT: „Sting“, Australien, USA, 2024) von Kiah Roache-Turner in den deutschen Kinos und geht dieses Subgenre, das in vielen Menschen große Ängste hervorruft, mit einer gehörigen Portion Humor an.

Charlotte (Alyla Browne) schleicht durch die Lüftungsschächte des Hauses, in der ihr Stiefvater Ethan (Ryan Corr) Hausmeister ist. Während die Mutter Heather (Penelope Mitchell) mit dem neuen Baby beschäftigt ist, bemüht sich Ethan um eine Beziehung zu der doch eher rebellischen Charlotte und findet mit einem gemeinsamen Comic-Buch einen Anknüpfungspunkt. Eines Tages findet sie in der Wohnung ihrer Oma (Noni Hazlehurst) und Tante (Robyn Nevin) eine kleine Spinne. Sie beschließt, sie als Haustier zu halten und tauft sie auf den Namen Sting. Fasziniert von dem Tier füttert sie es und staunt nicht schlecht über ihre Jagdtechniken. Was sie nicht ahnt: die Spinne stammt aus dem All und wird sehr schnell viel größer, so auch ihr Appetit.

Alyla Browne und Ryan Corr

Spinnen gehören oft zu Alpträumen vieler Menschen. Wenn es gruselig werden soll in Spielen, Filmen und Serien, werden oft Spinnen aller Art eingesetzt. Zwei Filme haben den Spinnenhorror wesentlich geprägt: Zum einem der ernste „Arachnaphobia“ aus dem Jahr 1990 sowie die Horrorkomödie „Arac Attack“ (2002). Der nun erschienene „Sting“ kennt beide Vorbilder gut, weiß aber nicht so richtig, in welche Richtung er sich entwickeln möchte. Anfänglich kommt er als überspitzte Komödie daher. Das macht viel Laune, doch als die Bedrohung auf die Kleinfamilie von Mutter, Vater, Kind und Baby überschwappt, wird der Film ernsthafter. Auch die familiären Probleme geben dem Film eine andere Richtung, als es am Anfang wirkt. Denn das Setting, das der Regisseur Kiah Roache-Turner, der sich mit „Wrymwood“ (2014) einen Namen gemacht hat, nach einem eigenen Drehbuch erschuf, ist perfekt. Ein altes Haus, in dem alle Wohnungen mit Lüftungsschächten verbunden sind, eine defekte Müllverbrennungsanlage und ein Schneesturm, der sie alle zwingt, Zuhause zu bleiben. Auch die Figuren außerhalb der Kernfamilie sind wunderbar schrullig angelegt. So haben wir den witzigen, exaltierten Kammerjäger, die fiese Alte, die liebe demente Oma und einen introvertierten Biologiestudenten. Natürlich überleben davon nur die wenigsten und erleiden

Ryan Corr

den einen oder anderen garstigen Tod. Die Effekte sind dabei überzeugend und zeigen eine klitzekleine bis riesengroße Spinne, die bestimmt dem Einen oder Anderen Alpträume beschert. Doch im Allgemeinen ist der Film nicht besonders unheimlich. Die Schockmomente sind vorhersehbar und nur wenige. Spannend sind eher manche Ideen und Umsetzungen, als dass man sich vor Furcht unter dem Kinositz verkriechen will. 

Besetzt ist der Film mit einem mehrheitlich australischen Cast, den man eher weniger kennt. Außer vielleicht die junge Charlotte, welche zuletzt Furiosa als junges Mädchen in „Furiosa: A Mad Max Saga“ (2024) sehr gut verkörpert hat. Im Gesamten ist ein solider Film entstanden, der mit seinen 92 Minuten Laufzeit auch schnell voranschreitet. Doch es hätte ihm gut getan, sich auf sein komödiantisches Potential – was er vor allem in den ersten zehn Minuten ganz wunderbar beweist – zu verlassen und die eher ernsten, familiären Aspekte unter den Teppich zu kehren. Dann wäre es ein Fun-Horror-Film geworden, der in seinem Genre ein Klassiker hätte werden können. 

Robyn Nevin, Noni Hazlehurst und Jermaine Fowler

Fazit: „Sting“ ist ein Spinnen-Horrorfilm von Kiah Roache-Turner, der sich schwer zwischen Humor und ernstem Angehen entscheiden kann. Gut besetzt und gut gemacht hat der Film alle Voraussetzungen für einen rein amüsanten Horrorfilm, der mit Urängsten spielt. Doch auch so kann der Film gut unterhalten und Menschen, die Riesenspinnen nicht mögen, werden sich hier bei der einen oder anderen Szene bestimmt etwas gruseln. 

Bewertung: 6,5/10

Kinostart war am 20. Juni 2024

Trailer zum Film „Sting“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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