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Interview: Im Gespräch mit der deutsch-schweizerischen Regisseurin Kim Gabbi konnten wir mehr über ihren 29-minütigen Film „Wie war Dein Tag?“ erfahren, der im Wettbewerb des 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 seine Premiere feierte, durch welche Ideen und Fragen die Geschichte geformt wurde und wie sie das auch visuell greifbar umsetzte.
Wie kam die Idee zu Deinem Kurzfilm? Welche Kritik steckt darin?
Das Thema ist mir immer wieder auf mehreren Wegen begegnet. Zum einen gab es eine ähnliche Geschichte in meinem entfernten Freundeskreis, zudem bin ich auf eine Geschichte des Doppellebens in der Recherche für einen Langspielfilm gestoßen. Zum anderen gab es in meiner Familie eine Person, die zum ersten Mal in ihrem Leben von Arbeitslosigkeit betroffen war und sich damit konfrontiert sah, wiederholt aufgrund von Überqualifikation abgelehnt zu werden. Das war für mich schon immer ein faszinierendes Konzept. Und auch die Scham, die mit diesen Themen einhergeht, war etwas, was sich in dem Film ergründen wollte. Und was passiert mit ihrem Tag, womit füllen sie ihre Zeit und wie verändert sich dadurch die Wahrnehmung dieser? In einer Gesellschaft, die unseren Wert überwiegend an unseren Erfolgen misst, ist unsere Berufsbezeichnung Teil unserer Identität geworden. Was passiert mit unserem achtstündigen Arbeitstag, wenn er plötzlich leer ist?
In welchem Rahmen ist Dein Kurzfilm entstanden?
„Wie war Dein Tag?“ ist mein Abschlussfilm, mit dem ich meinen Master in Spielfilmregie an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen habe.
Was lag Dir visuell und bei der Kameraarbeit am Herzen?
Mir war es wichtig, visuell den apathischen Zustand ihrer Krise, zwischen der aufgezwungenen Passivität und dem Versuch daraus auszubrechen, zu unterstreichen. Wir wechseln zwischen den Nahaufnahmen zu weiten, beobachtenden Tableaus. Oftmals ist die Hauptfigur am Rand kadriert, oder sie fällt aus dem Bild – sie passt nicht richtig hinein in diese Welt. Auch bleiben wir die meiste Zeit auf ihr, die Menschen, mit denen sie im öffentlichen Raum agiert, erleben wir nur im Off. Wie zum Beispiel in der Szene des missglückten Jobinterviews: hier bleibt die Kamera auf Selma, wir hören nur die Stimme der Interviewerin. Die Zuschauer:innen müssen gemeinsam mit Selma die Demütigung aushalten, allgemein müssen sie sehr viel mit ihr aushalten: Die Zeit, das Warten. Erst als sie zu Hause ankommt, gibt es auch andere Gesichter, denn dort sieht sie sich konfrontiert mit ihrer Familie, die sie belügen muss, um den Anschein einer Anstellung aufrechtzuerhalten. Das klaustrophobische und begrenzte 4:3-Format unterstreicht die Isolation sowie die Gefangenheit unserer Protagonistin – in ihrer Lüge, aber auch in den gesellschaftlichen Strukturen und Erwartungen.
Der Film lebt auch von dem präzisen Spiel Deiner Hauptdarstellerin. Wie hast Du Lale Yavaş für diese Rolle gefunden?
Lale YavaşIch habe den Film tatsächlich für Lale geschrieben. Wir haben uns in einem Schauspielführungsseminar im Rahmen meines Studiums kennengelernt. Ich sah sie spielen, und war so fasziniert von ihr, dass ich schon während des Kurses zu grübeln begann – ich musste einen Film mit ihr machen. Zudem Zeitpunkt war ich gerade ein bisschen verloren mit meinem Abschlussfilm, da mein eigentliches Vorhaben nicht möglich war. Mir schwirrte zwar schon das Thema zu „Wie war Dein Tag?“ im Kopf herum, allerdings noch nicht sehr konkret. Nachdem ich Lale kennengelernt hatte, begann ich also das Treatment zu schreiben mit ihr als Besetzung. Ich hatte wahnsinnige Angst, dass sie nicht zusagen würde und dann der Castingprozess zu meiner persönlichen Hölle werden würde. Als ich dann mit dem Treatment zu ihr kam eröffnete sie mir, dass sie ganz überrascht sei, dass ich sie anfrage. Da erzählte sie mir, wie sie in dem Kurs gespielt hatte, und ich hätte sie mit so einem Blick angeschaut, der sie fragen ließ, was sie mir denn getan hat. Ich musste lachen – denn ich erinnerte mich an den Moment, da es genau dann bei mir im Kopf zu rattern begann und ich beschlossen hatte, eine Rolle für sie zu schreiben. Das war der Anfang einer ganz wunderbaren Zusammenarbeit.
Kannst Du mir mehr zu Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
In der Grundschule habe ich in meiner Freizeit immer handschriftlich Bücher geschrieben und damals war es mein Traum, Schriftstellerin zu werden. Als Teenager habe ich dann die Fotografie für mich entdeckt, doch das als Karriere zu verfolgen habe ich mich dann später nicht getraut. Ich habe mit Anfang 20 angefangen, Fashion Branding zu studieren, war aber ganz unglücklich in dem Studium. Dort hatte ich aber eine tolle Filmdozentin, die mir das Medium als Ausdrucksform eröffnet hat. Sie hat mir Mut gemacht, diesen Weg zu gehen und ich setzte dort meine ersten filmischen Arbeiten und auch Videoinstallationen um. Mir wurde dort vorwurfsvoll gesagt, dass ich nicht an einer Filmschule sei. Ich habe dann trotzdem mit einem Film meinen Bachelor abgeschlossen und danach drei Jahre Erfahrung in einer Produktionsfirma gesammelt und einen weiteren Film auf eigene Faust gemacht. Danach folgte mein Masterstudium an der ZHdK.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Derzeit drehe ich meinen ersten (langen) Dokumentarfilm, ein Projekt, das ich in einem kleinen Zweierteam mit meinem Kameramann Sam Röösli über einen längeren Zeitraum drehe. Zudem schreibe ich an meinem ersten Langspielfilm, den ich schon seit einigen Jahren recherchiere; da befinde ich mich momentan in der frühen Treatment-Phase.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Wie war Dein Tag?“