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Interview: Im Gespräch mit den beiden Filmemacherinnen Amor Schumacher und Sonja Ortiz konnten wir mehr über ihre einstündige Dokumentation „Mutantin“ erfahren, die im Programm des 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 lief, warum sie sich dafür entschieden haben, diese persönliche Geschichte zu erzählen und welche Vorteile und Hürden das Drehen mit einem Smartphone mit sich brachte.
Wie schnell stand der Entschluss fest, dass ihr Amors Weg filmisch festhalten wolltet?
Eigentlich sofort nach der Diagnose.
Amor, wie leicht fiel es Dir, Dich vor der Kamera zu öffnen?
Da es sich gar nicht angefühlt hat, als ob ich mich vor der Kamera befinde, wobei es sich hier ja um mein Smartphone handelte, sondern mit meiner Freundin Sonja spreche, fiel mir dies sehr leicht.
Über welchen Zeitraum habt ihr gedreht? Und bestand euer Team nur aus euch beiden?
Wir haben über drei Jahre lang gedreht, wobei das letzte Jahr Nachdrehs parallel zur Postproduktion waren. Das Kernteam waren wir beide, in der Postproduktion haben wir dann dank der Postproduktionsförderung der Saarlandmedien mit einem größeren Team zusammenarbeiten können.
Ihr habt den Film mit Smartphones gedreht. Wie wart ihr dadurch eingeschränkt? Was lag euch visuell am Herzen?
Der Film hätte ohne die Entscheidung, mit Smartphones zu drehen, gar nicht zustande kommen können. Zu Anfang in der Pandemie wurden in der Charité sämtliche Dreharbeiten gestoppt, auch in Arztpraxen und anderen Kliniken
war ein Zugang mit Filmteam zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Daher kann ich sagen, dass es erst einmal keine Einschränkung war, sondern erst der Möglichmacher für das ganze Projekt. Natürlich hatten wir dadurch nicht die ästhetischen Mittel zur Verfügung, die mit einer traditionellen Filmkamera möglich sind, insbesondere, was Tiefenschärfen und Schärfeverschiebungen angeht. Umso dankbarer sind wir für unser tolles Postproduktionsteam, das erstaunlich viel möglich gemacht hat und nochmal viel mehr aus dem Material herausholen konnte, als wir dachten.
Visuell war uns wichtig, dass es ein energetischer Film wird, dessen Aktivität und auch Absurdität durch zum Beispiel eine kräftige Farbgebung unterstützt wird. Wir haben uns bewusst gegen Animationen, was bei Dokumentarfilmen ja sehr häufig eingesetzt wird, entschieden und versucht analoge Formen zu finden, um die Selbstbestimmtheit der Protagonistin hervorzuheben und dem Film künstlerisch visuell eine weitere Ebene hinzuzufügen.
Und so kam es zu den surrealen Szenen?
Ja,wir wollten neben dem kalten medizinischen Umfeld, in dem wir uns zumeist bewegt haben, einen Kontrapunkt setzen, der das Gefühlschaos vermittelt, das mit der Diagnose verbunden ist.
Wann und wo kann man euren Film sehen?
Noch sind wir auf Verleihsuche und hoffen, dass wir da bald fündig werden.
Könnt ihr mir noch ein bisschen mehr zu euch erzählen und wie ihr zum Film gekommen seid?
Sonja: Ich habe direkt nach der Schule angefangen, Assistenzen bei Produktionen der Filmhochschule zu machen und habe so die erste Set-Luft geschnuppert. Mir wurde dann schnell klar, dass mich mein Weg in den kreativen künstlerischen Bereich führen wird und ich vor allem Eigenproduktionen machen will. Ich habe dann Schauspiel und szenisches Inszenieren an der Theaterakademie La Casona in Barcelona, Spanien studiert und Filmwissenschaften an der FU Berlin, wo ich inzwischen auch unterrichte. 2018 habe ich an einer Masterclass mit Werner Herzog. Außerdem wurde ich 2019 für die UFA Serienschule ausgewählt, wo uns das Schreiben im Writers Room vermittelt wurde.
Amor: Vor meiner Schauspielausbildung an der Berliner Schule für Schauspiel und am Method Studio London spielte ich in zwei Kinofilmen mit und drehte später eigene Kurzfilme mit Ensemblekollegen u. a. mit Jakob Lass Von 2009 bis 2011 war ich in Nicaragua als Schauspielerin Teil einer internationalen Fernsehserie und coachte zudem das Ensemble – eine bereichernde Erfahrung, die mir zeigte, welche Bedeutung Film und Fernsehen in Zentralamerika haben. Darüber hinaus habe ich meine filmische Arbeit auf Videoinstallationen ausgeweitet, die in Ausstellungen präsentiert wurden und neue erzählerische und ästhetische Perspektiven eröffnen. Seit meiner Zeit in Nicaragua widme ich mich in meinen Filmen inhaltlich u. a. der Rolle der Frau, was zu Einladungen auf das Busan Film Festival und Screenings bei der UNESCO Film City Potsdam führte.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Sonja: Ich habe mich im letzten Jahr auf meine Tätigkeit im Theater konzentriert und werde in diesem Jahr viel mit meinem Duo „Chicha Express“ touren. Außerdem bin ich in der Recherchephase für mein erstes fiktionales Langfilmprojekt, das ist aber noch Top-Secret.
Amor: Auch ich bin derzeit stark in meine Theaterarbeit eingebunden, insbesondere mit der Performance Heated Conversations gemeinsam mit meiner Kollegin Summer Banks. Dennoch gibt es bereits ein Konzept für ein weiteres, sehr persönlich angelegtes Dokumentarfilmprojekt – dieses Mal jedoch ohne mich als Protagonistin, wie es bei „Mutantin“ der Fall war.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Films „Mutantin“