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Interview: Im Gespräch mit dem niederländischen Regisseur und Drehbuchautor Tim Ewalts konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Astro“ erfahren, der beim 37. Filmfest Dresden 2025 den Goldenen Reiter für Filmton gewann, was ihn zu seinem Kurzfilm inspiriert hat, wie er den stimmigen Look kreierte und ob er selbst an Übernatürliches glaubt.
The original english language interview is also available.
Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?
Ich habe früher gerne eine Hellseher-Sendung im niederländischen Fernsehen namens Astro TV gesehen. Zuerst war es nur lustiges und kitschiges Fernsehen, aber als ich später darüber nachdachte, wurde mir klar, dass viele Menschen wirklich etwas davon hatten. Ich begann zu recherchieren und versuchte herauszufinden, wie Menschen dazu kommen, an übersinnliche Kräfte zu glauben und wie sie Menschen helfen können, wobei ich auch bedachte, dass viele Aspekte des Geschäfts Betrug sind. So entstand die Idee für diesen Film. Ich wollte den schmalen Grat zwischen einem Betrüger und einem aufgeklärten Wahrheitssprecher erkunden.
Glaubst Du selbst an übersinnliche Kräfte?
Ich glaube, ich bin eher ein Skeptiker, aber gleichzeitig möchte ich wirklich, dass es etwas gibt. Außerdem wäre die Welt ohne ein paar Geheimnisse sehr langweilig. Also bin ich wohl Agnostiker… Ich hatte während der Recherche und der Dreharbeiten zu diesem Film einige seltsame Erlebnisse, die ich mir allerdings nicht rational erklären konnte.
Warum hast Du Dich für ein doch eher ein positives Ende entschieden?
Ich habe vermutet, dass die meisten Zuschauer des Films einem Hellseher-Callcenter mit Skepsis begegnen würden. Es gibt so viele Geschichten über betrügerische Unternehmen wie dieses. Deshalb wollte ich versuchen, ihre Erwartung umzukehren und mit der positiven Seite der hellseherischen Beratung zu enden. Ich wollte zeigen, dass man, ob man nun daran glaubt oder nicht, nicht leugnen kann, dass manche Menschen tatsächlich etwas davon haben. Ich wollte, dass die Leute mit einem Gefühl der Empathie für Figuren gehen, die sie in ihrem normalen Leben vielleicht nicht ernst nehmen würden.
Ich finde den Look des Films ganz stark – irgendwo zwischen old-fashioned, zeitlos und trüber Büro-Atmosphäre. Wie hast Du den Look erzeugt? Was war Dir wichtig?
Zunächst einmal: Danke! Der Film basiert auf einem ganz bestimmten Zeitrahmen, in dem diese Art von Diensten sehr beliebt war. Irgendwann in den späten 90er und frühen 00er Jahren. Mein Produktionsdesigner hat sich intensiv mit dem Aussehen der Büros zu dieser Zeit beschäftigt. Der Drehort selbst war ein verlassenes Bürogebäude, das irgendwie in der Zeit stecken geblieben war. Auch das hat geholfen. Außerdem hat das Drehen auf Film das Ganze zusammengehalten. Wir haben versucht, etwas zu machen, das vertraut ist, aber auch nicht. Etwas im Grenzbereich, denke ich.
Wo habt ihr gedreht und wie viel Zeit hattest du für die Umsetzung des Kurzfilms?
Wir drehten in einem sehr seltsamen Gebäude in meiner Heimatstadt ’s-Hertogenbosch. Gegenüber von meiner weiterführenden Schule, um genau zu sein. Wir hatten ziemlich viel Zeit, um den Film zu machen, aber auch nicht. Ich glaube, die eigentliche Produktion des Films (einschließlich Vor- und Nachbereitung) dauerte vielleicht ein Jahr. Die Finanzierung und alle anderen Dinge zusammengenommen dauerten zwei Jahre, vielleicht auch mehr.
Die Besetzung funktioniert sehr gut – das liegt an den sichtbaren, aber auch den nur hörbaren Darsteller:innen – wie verlief der Castingprozess? Was war Dir wichtig?
Vielen Dank dafür! Das Casting für diesen Film hat sehr viel Spaß gemacht. Im Film ist alles improvisiert, deshalb haben wir beim Casting eine Menge Tarot-Lesungen gemacht. Die Arbeit mit diesen Karten ist ein guter Weg, um die Sensibilität eines Schauspielers zu testen. Ich habe versucht, Schauspieler zu finden, die den Ton des Projekts verstehen: irgendwo zwischen einem Drama und einer Komödie, aber niemals herablassend. Ich habe auch versucht, Schauspieler mit bestimmten lokalen Dialekten zu finden, aber ich denke, das geht für das internationale Publikum in der Übersetzung verloren.
Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Was soll ich sagen? Ich habe einfach von klein auf Filme geliebt. Meine Geschichte ist – denke ich – typisch für viele Regisseure. Angefangen habe ich mit dem Camcorder meiner Eltern. Ich habe mit meinen Freunden James-Bond-Filme nachgedreht. Ich wollte schon sehr früh auf die Filmschule gehen, aber man sagte mir, dass ich mit Filmen kein Geld verdienen könnte, also habe ich Literatur und Philosophie studiert, um ein normaler Erwachsener zu werden. Aber als ich merkte, dass ich damit auch kein Geld verdienen würde, ging ich einfach meiner ersten Liebe nach. Ich ging nach Belgien (das war billiger für ein zweites Studium) und studierte dort Film.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ja! Ich arbeite gerade an einem Dokumentarfilmprojekt und schreibe auch an meinem ersten Spielfilm. Beide Projekte sind ganz anders als „Astro“. Ich möchte bei jedem Film etwas Neues ausprobieren.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Astro“
Interview: In our conversation with Dutch director and screenwriter Tim Ewalts, we found out more about his short film „Astro„, which won the Golden Horseman for Film Sound at the 37th Dresden Film Festival 2025, what inspired him to make his short film, how he created the coherent look and whether he himself believes in the supernatural.
How did the idea for your short film come about?
I used to love to watch a psychic program on dutch tv called Astro TV. At first it was mostly just fun and cheesy television, but when I thought about it later I realized that a lot of people really did get something out of it. I started researching, trying to find out how people come to believe in psychic powers and how it can help people, while also considering there are many aspects of the business which are a scam. That’s when the idea for the film grew. I wanted to explore the fine line between a scam artist and an enlightened truth sayer.
Do you believe in psychic powers yourself?
I think I’m more of a skeptic, but at the same time I really do want there to be something. Also, without some mystery the world would be very boring. So I guess I’m agnostic about it… I did have some strange experiences during the research and making of this film which I couldn’t explain rationally though.
Why did you decide on a rather positive ending?
I guessed that most of the audience of the film would approach a psychic call center as something with a skeptical frame of reference. There are so many stories of scammy businesses like that. That’s why I wanted to try to reverse their expectation and end with the positive side of psychic advice. I wanted to show that whether you believe in it or not, you can not deny that some people do get something out of it. I wanted people to leave with a sense of empathy for characters that they would maybe not take seriously in their normal life.
I think the look of the film is very strong – somewhere between old-fashioned, timeless and a dull office atmosphere. How did you create the look? What was important to you?
First of all, thanks! The film is based on a very specific timeframe in which these kind of services were very popular. Somewhere in the late 90’s and early 00’s. My production designer did a lot of research into the specific look of offices at that time. The location itself was an abandoned office building which was sort of stuck in time. That helped too. Also, shooting on film glued the whole thing together. We tried to make something which was familiar, but also not. Something liminal, I guess.
Where did you film and how much time did you have to realize the short film?
We filmed in a very strange building in my hometown of ’s-Hertogenbosch. Opposite to my high school actually. We had quite a lot of time to make the film, but also not. I think the actual production of the film (incl. pre and post) took maybe a year. Funding and all the other things combined took 2 years, or maybe more.
The cast works very well – this is due to the visible but also the audible actors – how did the casting process go? What was important to you?
Also, thank you! Casting this film was very fun. Everything is improvised in the film, so we just did a lot of tarot readings in casting. Working with those cards is a nice way to test the sensibility of an actor. I tried to find actors who understood the tone of the project: somewhere between a drama and a comedy, but never condescending. Also I tried to find actors with specific local dialects, but I guess this gets lost in translation for international audiences.
Can you tell me a bit more about yourself and how you came to filmmaking?
What to say? I just have loved films from a very young age. My story is – I think – typical for many directors. I started out with my parents‘ camcorder. Remaking James Bond films with my friends. I wanted to go to film school pretty young, but I was advised I couldn’t make any money doing film, so I studied literature and philosophy to become a normal adult. But when I realized that wouldn’t make me money either, I just went with my first love. I went to Belgium (which was cheaper for a second study) and studied film there.
Are there any new projects planned?
Yes! I’m working on a documentary project right now and I’m also writing my first feature film. Both projects are very different from „Astro„. I like to try something new every film.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Astro„

