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Interview: Im Gespräch mit der französischen Regisseurin Valentine Cadic konnten wir mehr über ihren Spielfilm „That Summer in Paris“ (OT: „Le rendez-vous de l’été“) erfahren, der seine Weltpremiere auf der 75. Berlinale 2025 feierte, wie die Idee entstand während der Pariser Olympischen Spiele 2024 zu drehen, wie sie ihre Figuren in das Geschehen einbettete und warum ihr dokumentarisches Arbeiten am Herzen liegt.
The original english language interview is also available.
Wie ist der Film entstanden?
Der Ursprung des Films war der Wunsch, die Olympischen Spiele in Paris einzufangen, aber auch einen weiteren Film mit der Schauspielerin Blandine Madec zu drehen, mit der ich zuvor an einem Kurzfilm gearbeitet hatte. Diese beiden Ausgangspunkte ermöglichten es mir, mir eine Geschichte vorzustellen, die im Mittelpunkt dieses Ereignisses steht, und zusammen mit meiner Co-Autorin Mariette Désert Situationen und Nebenfiguren zu entwickeln, die dieses außergewöhnliche Ereignis auf unterschiedliche Weise erleben.
Was verbindet die beiden Filme, die du bisher mit Blandine gedreht hast?
Was diese beiden Filme verbindet, ist vor allem die Perspektive einer einsamen Figur, die die Menge beobachtet – in meinem Kurzfilm sind es die Menschen, die eine festliche Veranstaltung oder ihren Urlaub genießen. Ich glaube, dass beide Filme das Thema der Einsamkeit erforschen, jeder auf eine andere Art und Weise.
Welche Herausforderungen gab es bei der Organisation der Dreharbeiten während der Olympischen Spiele?
Arnaud Bruttin, einer meiner Produzenten, sprach mich auf die Olympischen Spiele an, da er wusste, dass ich meine Geschichten gerne in reale Ereignisse eintauche. Von Anfang an habe ich das Drehbuch geschrieben, indem ich die Erzählung um dieses Ereignis herum strukturiert habe. Mariette Désert und ich recherchierten im Vorfeld ausgiebig, um zu verstehen, wie sich die Dinge entwickeln würden, und um die Perspektive zu bestimmen, aus der wir das Ereignis betrachten wollten. Einige Sequenzen im Drehbuch wurden in dem Bewusstsein geschrieben, dass sie je nach den Ereignissen zum Zeitpunkt der Dreharbeiten angepasst werden würden.
Durch den Film nähern wir uns dem Charakter von Blandine und stoßen auf eine für mich überraschende Mischung aus wenig Durchsetzungsvermögen oder auch -willen und Klarheit in den eigenen Wünschen – fernab von gängigen Klischees. Schätzt du Blandines Charakter ähnlich ein? Gibt es noch andere Aspekte, die dir an der Art, wie Blandine gezeigt wird, wichtig sind?
Sie ist eine Person, die aufrichtig ist und sagt, was sie denkt. Es gibt keine absolute Wahrheit, und wenn sie Zweifel hat, spricht sie diese aus. Das kann manchmal zu einer verwirrenden oder sogar komödiantischen Erzählung führen, aber ich hoffe, dass sie dadurch auch zu einer liebenswerten Figur wird. Das Publikum hat direkten Zugang zu dem, was sie durchmacht, weil sie es verbalisiert. Ich glaube, dass eine starke Figur nicht unbedingt eine ist, die ihre Identität mit Gewissheit behauptet, sondern eher eine, die ihre Zweifel und Widersprüche umarmt.
Die Aufnahmen wirken teilweise dokumentarisch und beobachtend. Ist das den Umständen der Dreharbeiten geschuldet oder eine bewusste Entscheidung? Welche anderen Aspekte der Kameraarbeit waren dir wichtig?
Mit der Mischung aus Fiktion und realen Ereignissen, die einen dokumentarischen Charakter haben, habe ich bereits in einem Kurzfilm experimentiert, und ich liebe es. Ich wollte so viele Aufnahmen wie möglich im dokumentarischen Stil einfangen. Mit Naomi Amarger, meiner Kamerafrau, haben wir vor, während und nach den Olympischen Spielen gefilmt – nur wir beide -, um zusätzlich zu den Hauptaufnahmen so viele dokumentarische Momente wie möglich einzufangen. Auch die Innenräume haben wir sorgfältig durchdacht und einen weicheren Look angestrebt, um einen Kontrast zu den gesättigten und überladenen Außenaufnahmen zu schaffen.
Wie bist du zum Filmemachen gekommen?

Valentine Cadic, Regisseurin von „That Summer in Paris“ bei der 75. Berlinale
Ich habe mit 17 Jahren als Schauspielerin angefangen. Ich hatte das Glück, in vielen verschiedenen Projekten mitzuwirken und zu beobachten, wie Regisseure arbeiten. Ich studierte auch an der Universität Paris 8, wo ich die Art von Kino entdeckte, die mich als Zuschauerin ansprach. Dort lernte ich Filmemacher kennen, die mich sehr ermutigten, und ich begann schon während meines Studiums, bei selbst produzierten Kurzfilmen Regie zu führen. Ich hatte das Glück, mit Studenten anderer Filmhochschulen zusammenzuarbeiten, die mich bei meinen Filmen unterstützten, und gemeinsam drehten wir meine ersten Filme.
Hast du schon neue Projekte geplant?
Ja, ich habe mit dem Schreiben eines neuen Spielfilms begonnen. Er befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Zurzeit arbeite ich auch in einer Schule mit Kindern. Wir entwickeln und drehen einen Kurzfilm, den wir im Juni auf dem Côté Court Festival in Pantin vorstellen werden. Dieses Festival liegt mir sehr am Herzen, denn es war das erste, auf dem meine Kurzfilme gezeigt wurden. Ich freue mich, mit ihnen an diesem Projekt im Rahmen ihres Filmerziehungsprogramms zusammenzuarbeiten.
Die Fragen stellte Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Films „That Summer in Paris“
Interview: In our conversation with French director Valentine Cadic, we found out more about her feature film „That Summer in Paris“ (OT: „Le rendez-vous de l’été“), which celebrated its world premiere at the 75th Berlinale 2025, how the idea came about to shoot during the Paris 2024 Olympic Games, how she embedded her characters in the events and why documentary work is close to her heart.
What was the origin of the movie?
The origin of the film was the desire to capture the Olympic Games in Paris but also to make another film with the actress Blandine Madec, with whom I had previously worked on a short film. These two starting points allowed me to imagine a story at the heart of this event and, together with my co-writer Mariette Désert, to develop situations and secondary characters who would each experience this extraordinary event in different ways.
What connects those two films you filmed together with Blandine?
What connects these two films is, above all, the perspective of a solitary character observing the crowd—those who are enjoying a festive event or their vacation in my short film. I believe both films explore the theme of solitude, each approaching it in a different way.
What challenges did you face in organizing the filming during the Olympic Games?
Arnaud Bruttin, one of my producers, mentioned the Olympics to me, knowing that I like to immerse my stories in real events. From the very beginning, I wrote the script by structuring the narrative around this event. Mariette Désert, and I conducted extensive research beforehand to understand how things would unfold and to determine the perspective we wanted to take on the event. Some sequences in the script were written with the understanding that they would be adapted depending on what happened at the time of shooting.
Through the film, we get closer to the character of Blandine and come across a surprising mixture of little assertiveness and clarity in her own wants – far from the usual clichés. Do you share a similar view of Blandine’s character? Are there any other aspects of the way Blandine is portrayed that are important to you?
She is a character who is sincere and says what she thinks. There is no absolute truth, and when she has doubts, she expresses them. This can sometimes create a confusing or even comedic narrative, but I hope it also makes her an endearing character. The audience has direct access to what she is going through because she verbalizes it. I believe that a strong character is not necessarily one who asserts their identity with certainty, but rather one who embraces their doubts and contradictions.
Some of the shots seem documentary and observational. Is this due to the circumstances of the shoot or a conscious decision? What other aspects of the camera work were important to you?
Blending fiction with real events that bring a documentary feel is something I had already experimented with in a short film, and I love it. I was keen on capturing as many documentary-style shots as possible. With Naomi Amarger, my cinematographer, we filmed before, during, and after the Olympics—just the two of us—to capture as many documentary-style moments as possible in addition to the main shoot. We also carefully considered the interiors, aiming for a softer look to contrast with the saturated and overloaded outdoor scenes.
How did you get into filmmaking?
I started as an actress at 17. I was lucky to act in many different projects and observe how directors worked. I also studied at Paris 8 University, where I discovered the kind of cinema that appealed to me as a viewer. There, I met filmmakers who encouraged me a lot, and I began directing self-produced short films while at university. I was fortunate to collaborate with students from other film schools who supported my films, and together we made my first films.
Do you already have new projects planned?
Yes, I have started writing a new feature film. It’s still at a very early stage. I’m also working in a school with children at the moment. We are creating and shooting a short film, which we will present at the Côté Court festival in June in Pantin. I’m very attached to this festival, as it was the first to showcase my short films. I’m delighted to collaborate with them on this project as part of their film education program.
Questions asked by Michael Kaltenecker
Read on the german review of the film „That Summer in Paris„