Acht Fragen an Pipi Frostl und Felix Krisai

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit den beiden österreichischen Filmemacher:innen Pipi Frostl und Felix Krisai konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Strangers Like Us“ erfahren, der im ‚D-A-CH-Wettbewerb‘ des 25. Landshuter Kurzfilmfestival 2025 lief, erfahren, wie die Idee entstand, warum der Einsatz von Genre-Elementen bei der Stimmung geholfen hat und warum sie sich für den Einsatz einer Plansequenz entschieden haben.

Wie ist die Idee zu eurem Kurzfilm entstanden?

Auf dem Heimweg vom Supermarkt, so simpel das klingt. Die Vorstellung war: Was wäre, wenn dein Schlüssel nicht mehr sperrt und dir jemand anders die Tür öffnet, der jetzt dort wohnt. Daraus hat sich zunächst eine Konkurrenzgeschichte entwickelt, bei der zwei Paare gleichzeitig in einer Wohnung wohnen und beide Besitzanspruch auf ihr Zuhause erheben. Später ist dann der Pärchen-Abend im geerbten Einfamilienhaus daraus entstanden.

Sebastian Wendelin und Henrietta Rauth

Wunderbar finde ich, dass der Film nicht alles ausbuchstabiert. Er spielt gekonnt mit den Erwartungen. Warum habt ihr euch für diese beinahe genrehaften Spannungsmomente entschieden? Warum behält euer Film bis zum Ende etwas Mysteriöses?

Für uns waren zwei Dinge immer sehr wichtig: Einerseits mit dem Unerwarteten, Überraschenden zu arbeiten und andererseits eine unangenehme Stimmung zu wahren, fast wie in einem Albtraum. Wir hatten kein Problem damit, Genre-Codes zu verwenden, nur wollten wir sie möglichst subtil einsetzen. Vieles wurde dann auch noch im Schnitt und im Sound Design nachgeschärft.

In welchem Rahmen und über welche Zeit habt ihr den Film realisiert?

Achmed Abdel-Salam und Anna Rot

Der Film entstand im Rahmen der Ausbildung an der Filmakademie Wien, wo wir beide studieren. Das Drehbuch stand im Frühjahr 2022, der Dreh fand dann im Herbst desselben Jahres statt. Die Postproduktion hat sich wie so oft bei Studierenden-Produktionen etwas in die Länge gezogen. Einer der Hauptgründe ist, dass alle Beteiligten unentgeltlich ihre großartige Arbeit machen. Wenn dann mal ein bezahlter Job reinkommt, steht die Arbeit am Kurzfilm möglicherweise wochenlang still. Aus kreativer Sicht ist das ein Luxus, so kann man alles auch mal sacken lassen und reflektieren.

Das geerbte Haus ist ein perfekter Spielort. Was lag euch visuell am Herzen und warum habt ihr euch für Plansequenzen entschieden? 

Das Haus hatten wir monatelang zur Verfügung. Wir konnten dadurch alles genau planen und ausprobieren. Die Plansequenzen dienen dazu, die plötzlichen Veränderungen und scheinbaren Zeitsprünge noch stärker hervorzuheben. Wenn der Weg vom Schlafzimmer zum Wohnzimmer eine ganze Nacht vergeht, dann ist das ein wirksames filmisches Element.

Der Film ist hervorragend besetzt – nach welchen Kriterien habt ihr die Schauspieler:innen ausgewählt?

Henrietta Rauth

Ein langer Casting-Prozess, bei dem wir die unterschiedlichsten Konstellationen ausprobiert haben. Zum Glück haben die Schauspieler*innen das geduldig mitgemacht. Am Ende hat es dann „klick“ gemacht und wir wussten plötzlich, wer wen verkörpern soll. Die Kriterien sind immer zuerst das Verständnis für die Rolle und die Qualität des Schauspiels. In weiterer Folge ist es uns auch wichtig, mit Menschen auf Augenhöhe arbeiten zu können und im besten Fall eine gute gemeinsame Zeit zu haben.

Wie seid ihr selbst zum Film gekommen und wie ist eure Zusammenarbeit entstanden?

Felix Krisai (Regisseur „Strangers Like Us“) im Filmgespräch

Felix: Ich studiere seit einigen Jahren Regie an der Filmakademie Wien. Die Zusammenarbeit mit Pipi war während der Entstehung des ersten Treatments entstanden. Pipi war sehr früh an Bord und es war eine sehr gute Zusammenarbeit.

Pipi: Ich studiere seit einigen Jahren Drehbuch an der Filmakademie, davor habe ich als Filmkritikerin gearbeitet. Felix hat mir eine frühe Treatment-Fassung gezeigt und ich wusste sofort, dass sich hier eine spannende Geschichte erzählt. Dann hat sich nach und nach eine gemeinsame Drehbuch-Arbeit entwickelt.

Gab es unter euch eine klare Aufgabenteilung am Set?

Manchmal hat sich eine Person mehr um die Technik und Organisation gekümmert und die andere mehr um den Inhalt. Aber meistens haben wir alles gemeinsam gemacht und gedacht.

Sind bereits neue Projekte – zusammen oder allein – geplant?

Wir arbeiten an verschiedenen Stoffen alleine, aber aktuell haben wir auch ein weiteres Kurzfilmprojekt. Das Drehbuch ist wieder gemeinsam entstanden.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Strangers Like Us

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