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Filmkritik: Der französische Filmemacher Michel Gondry, der u.a. Filme wie „Vergiss mein nicht“ (2004) mit Jim Carrey und Kate Winslet in den Hauptrollen, „Science of Sleep“ (2006) und „Der Schaum der Tage“ (2013) geschaffen hat, kehrt nach acht Jahren mit dem Film „The Book of Solutions“ (OT: „Le Livre de Solutions“, Frankreich, 2023) zurück. Der Spielfilm ist ein selbstreferentielles Werk, das auf eigene Weise in das Filmbusiness eintaucht und bisher noch keinen Kinostart in Deutschland bekommen hat.
Kurz vor der Fertigstellung seines Films erhält Marc (Pierre Niney) die Hiobsbotschaft von seiner Produktionsfirma und seinem Produzenten, dass sie den Film so nicht gebacken bekommen und wollen ihn nur noch ausschlachten. Deswegen fährt Marc zusammen mit dem Filmteam sowie den beiden Mitarbeiterinnen Charlotte (Blanche Gardin) und Sylvia (Frankie Wallach) ab aufs Land. Bei seiner geliebten Tante Denise (Françoise Lebrun) finden sie Unterschlupf. Während das gesamte Team endlich die vier Stunden lange Rohfassung in einen Kinofilm verwandeln will, findet Marc immer wieder Ablenkung und Gründe, warum er sich gerade nicht um seinen Film kümmern kann.
Michel Gondry, der sich in seinen Filmen bereits vielen Themen gewidmet hat und dabei auch oft dem Fantastischen zuneigt, war zuletzt vor acht Jahren mit „Mikro und Sprit“ in den Kinos zu sehen. Auf der diesjährigen 75. Berlinale 2025 präsentierte er den Animations-Kinderfilm „Maya, Give Me a Title“ (2024). In „The Book of Solutions“ erzählt er nun eine Geschichte, die beinahe autobiographisch wirkt. Es erinnert daran, dass Gondry in der Postproduktion seines Films „Mood Indigo“ (2013) vor seinen Produzenten geflohen ist. Gondry erzählt nach einem eigenen Drehbuch vom kreativen Schaffensprozess eines Filmemachers und wie Ablenkungen und Prokrastination ihn immer wieder von seinem Weg wegführen können. Dafür schuf er die Figur des Marc, der im Gegensatz zu all den Menschen um ihn herum nicht sympathisch ist. Oft tritt er mit seinen Verhalten den anderen Personen auf die Füße, um selbst für sein Verhalten immer Ausflüchte zu haben. Doch man sieht auch, wie er damit kämpft, seine Arbeit zu Ende zu bringen. Die Hürden und auch das innere (Wider-)streben schafft der Film wunderbar einzufangen. Unterteilt wurde der 102-Minüter in mehrere Kapitel, die nicht wirklich erzählerisch wichtig sind, sondern eher zeigen, wie das Gehirn von Marc funktioniert. Gondry überträgt das Ziellose so auf die narrative Ebene und man ist als Publikum mit der Zeit ebenfalls davon überzeugt, dass der Film nie fertig gestellt werden wird.
Inszeniert ist das Ganze (meist in einem kammerspielartigen Rahmen) vortrefflich. Die Ausschweifungen und auch die Gedanken hält Gondry mit vielen kreativen Ideen u.a. den Einsatz von Animationen wunderbar fest. Diese bringen neben den gelungenen Dialogen viel Humor in die Geschichte hinein. Doch der Film würde nicht so gut funktionieren, wenn Gondry nicht einen fantastischen Cast um sich versammelt hätte: Pierre Niney („Yves Saint Laurent“ (2014)) fängt Marcs manische Züge, seine wehrhafte Boshaftigkeit, aber auch seine Warmherzigkeit und Kreativität wunderbar ein. So dass man ihm lange nicht alle Sympathien abspricht, obwohl er es immer wieder auf die Spitze treibt. An seiner Seite sind die Frauenfiguren der Motor, die alles am Laufen halten und versuchen, Marc in die Spur zu bringen. Diese werden hervorragend verkörpert von Frankie Wallach („Trop d’amour“ (2020)), Françoise Lebrun („Schmetterling und Taucherglocke“ (2007)), Camille Rutherford („Blau ist eine warme Farbe“ (2013)) und Blanche Gardin („France“ (2021)). So entstand im Gesamten ein Spielfilm, der einen gelungenen Einblick in das kreative aber auch das packende Milieu des Filmemachens zeigt und mit seiner ambivalenten Hauptfigur bestimmt auch die ein oder andere Zuschauer:in etwas aufregen kann.
Fazit: „The Book of Solutions“ ist der neueste Film von Michel Gondry. Wie von ihm gewohnt, besitzt der Film besondere Einfälle und schräge Ideen. Aber vor allem ist er ein gelungener, selbstreferentieller Einblick in die Arbeit eines Filmemachers und dessen Team und wird alles mit Humor, aber auch Herz übertrieben dargestellt.
Bewertung: 7,5/10
Kinostart: unbekannt
Trailer zum Film „The Book of Solutions“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 30. Internationales Filmfest Oldenburg 2023 – Katalog (Programm ‚International‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „Le livre des solutions“
- Wikipedia-Artikel über den Film „The Book of Solutions“ (englisch)
- Owen Gleiberman, ‚‘The Book of Solutions’ Review: When Did the Talented Michel Gondry Become the World’s Most Annoying Filmmaker?‘, variety.com, 2023
- Sheri Linden, ‚‘The Book of Solutions’ Review: Michel Gondry’s Comic Portrait of a Filmmaker in Crisis Veers Between Sure-Footed and Stumbling‘, hollywoodreporter.com, 2023
- David Ehrlich, ‚‘The Book of Solutions’ Review: Michel Gondry Explains His Creative Process in a Spirited Comedy About His Alter-Ego‘, indiewire.com, 2023


