- Sieben Fragen an Nina Noël Raaijmakers - 6. April 2026
- „Femme“ (2024) - 6. April 2026
- Jetzt online! – Der Film „Growing Pains“ - 5. April 2026
Filmkritik: Der belgische Spielfilm „Reflection in a Dead Diamond“ (OT: „Reflet dans un diamant mort“, Belgien/Luxemburg/Italien/Frankreich, 2025) von Hélène Cattet und Bruno Forzani, der im Wettbewerb der 75. Berlinale 2025 lief, ist ein filmreferenzielles Werk, das nicht mit Anspielungen und Verweisen geizt.
Der 70-jährige John (Fabio Testi) lebt ein zurückgezogenes Leben in einem Grand Hotel an der Côte d’Azur. Die Frau im Zimmer nebenan (Maria de Medeiros)) lässt ihn an vergangene Zeiten erinnern: In den 1960er Jahren war er Spion (Yannick Renier), international tätig und lebte ein wildes, gefährliches Leben. Als eines Tages die Zimmernachbarin verschwindet, geht John der Frage nach, ob es etwas mit seiner Vergangenheit zu tun haben könnte.
Der 87-minütige Spielfilm des belgischen Regie-Duos Hélène Cattet und Bruno Forzani, die auch gemeinsam das Drehbuch geschrieben haben, ist eine Hommage an das Eurospy-Genre der 1960er-Jahre. Bereits mit ihren vorhergehenden Filmen hatten sie sich spezifischen Subgenren angenähert wie „Amer“ (2009), der sich dem italienischen Giallo zuwandte. Hier nun greifen sie auf den europäischen Agentenfilm der 60er Jahre zurück. Nachdem James Bond in Großbritannien das Licht der Welt erblickt hatte, setzte sich ein Trend fort, der von vielen Ländern aufgegriffen wurde. Die Zutaten dafür waren denkbar einfach: ein Held, schöne Frauen, schnelle Autos, viele Gefahren und natürlich die Weltrettung stets im Blick.
In diesem Genre tauchen sie komplett ab. Durch die Erinnerungen des alten Johns nehmen sie einen rückwärtsgewandten Blick ein und landen so in der Blütezeit solcher Filme. Dabei verwenden sie alle Komponenten für dieses Genre und schufen so einen Film, der aus dieser Zeit stammen könnte. Der Zeitkolorit ist stimmig, die Übertreibungen sind groß angelegt und alles hat sich ganz dem Stil verschrieben. Es ist bunt, schnell geschnitten und explizit körperlich. Leider scheint das den beiden Regie-Duo genug zu sein. Die Story wird darüber weitgehend vernachlässigt. Auch der Ansatz, ob es sich nun um Rückblicke, Fantasien oder die Wirklichkeit handelt, macht das Narrativ nicht klarer. Das mag Absicht sein oder nicht, doch das Publikum wird so schwer durch die Geschichte geführt. Alles wirkt wie ein Fiebertraum und sinnlos zusammengestellt, hauptsache die Optik stimmt. Hinzu kommt, dass man den Stil und das Male-Gaze der Zeit nicht so einfach adaptieren sollte. Erfrischend wäre es gewesen, den klassischen Agentenfilm und seine Weltsicht auch einer Überprüfung zu unterziehen, als nur die Gelüste alter, weißer Männer zu befriedigen. So ist die Sichtung vermutlich nur für ein kleines Zielpublikum zu empfehlen.
Fazit: „Reflection in A Dead Diamond“ ist ein Spielfilm der beiden Regisseur:innen Hélène Cattet und Bruno Forzani, die sich in diesem Film erneut einem vergangenen Genre zitatenreich annehmen und mit viel Spielfreude alle Elemente der Zeit überspitzt einbauen. Leider haben sie darüber hinaus die Story außer Acht gelassen und schufen so ein Werk, dass auch mit seinem Blickwinkel nicht mehr zeitgemäß ist.
Bewertung: 3/10
Kinostart: 9. Oktober 2025
Trailer zum Film „Reflection in a Dead Diamond“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „Reflet dans un diamant mort“
- Carsten Beyer: Berlinale-Wettbewerb: „Girls on Wire“ und „Reflection in a Dead Diamond“, in Podcast: Radio 3 – RBB – Film aktuell, 17.02.2025.
- Wikipedia-Artikel über den Film „Reflection in a Dead Diamond“ (englisch)
- tipBerlin, ‚„Reflection in a Dead Diamond“: Glitzer- und Funkelkino‘, tip-berlin.de, 2025
- Michael Müller, ‚REVIEW BERLINALE: „Reflection in a Dead Diamond”‘, the-spot-mediafilm.com, 2025
- Lukas Foerster, ‚Reflection in a Dead Diamond‘, critic.de, 2025
