- Jetzt online! – Der Film „eadam cutis: diesselbe Haut“ - 8. Februar 2026
- „Invisible People“ (2024) - 7. Februar 2026
- Sieben Fragen an Selin Besili - 6. Februar 2026
Filmkritik: Der französische Kurzfilm „Sixty-Seven Milliseconds“ des Filmemacher-Duos fleuryfontaine, bestehend aus Galdric Fleury und Antoine Fontaine, lief im Wettbewerb Dokumentarfilm des 41. Interfilm Berlin 2025 und spürt mit einer 3D-Rekonstruktion des Tatorts und dem Füllen einer visuellen Lücke einer Straftat nach.
In einer französischen Stadt stürmt die Polizei nachts einen Platz und schießt auf einen jungen Mann, ohne vorher zu überprüfen, ob dieser eine Straftat begangen hat oder bewaffnet ist. Eine Überwachungskamera vor Ort nimmt die Situation auf. Zwischen den Bildern, die diese aufnimmt, vergehen 67 Millisekunden und so ist bereits nach einem Bild die Patrone nicht mehr sichtbar und der 19-Jährige ist schwer verletzt.
Zwei Jahre lang haben die beiden Filmemacher Antoine Fontaine und Galdric Fleury, die seit 2011 als Duo fleuryfontaine zusammenarbeiten, mit einer NGO zusammengearbeitet, die Polizeigewalt mit Hilfe von 3D-Modellen rekonstruiert. Dies war einer der Fälle, bei dem sie mit der Presse zusammengearbeitet haben, um den Fall visuell aufzubereiten. Der begleitende, journalistische Artikel stammt von dem Journalisten Ismaël Halissat und wurde in der Tageszeitung Libération veröffentlicht.
Die 3D-Rekonstruktion des Ortes erlaubt es dem Team, die Geschehnisse freier in der Kamerabewegungen zu erkunden und dies verwendeten sie als Grundlage für ihren 15-minütigen Kurzfilm. Der in Essayform gehaltene Off-Kommentar erklärt sachlich, worin das Problem an den Originalaufnahmen liegt. Denn Überwachungskameras nehmen standardmäßig nur 15 Bilder pro Sekunde auf, so dass zwischen den einzelnen Bildern 67 Milisekunden vergehen, in denen das Geschehen nicht dokumentiert wird. Da sich das Geschoss schneller bewegt, ist es nur auf einem einzigen Bild sichtbar. Hier entsteht auf visueller Ebene eine Lücke, welche sie mit ihrem Kurzfilm, insbesondere dem erklärenden Voice-Over, schließen. Darüber hinaus werden Stellungnahmen der Betroffenen und der Polizisten für den Film von Schauspieler:innen neu eingesprochen. Der Film ist dabei sachlich und präsentiert die investigativen Ermittlungen. Er ist gleichzeitig auch eine Reflexion der Ereignisse und verurteilt deutlich Polizeigewalt. Diese werden hier als Jäger und Raubtiere dargestellt, was sich auch in den echten „inoffiziellen” Aufnäher widerspiegelt, der ebenfalls als 3D-Rekonstruktion in den Film eingebaut wurden. Aufgrund seiner sachlichen Aufbereitung ist der Film selbst nicht emotional, die Botschaft ist aktueller denn je und schafft es, das Publikum zutiefst zu berühren.
Fazit: „Sixty-Seven Milliseconds“ ist ein Kurzfilm des Filmemacher-Duos fleuryfontaine, der sich als sachlicher Essay sich mit Polizeigewalt in Frankreich anhand eines konkreten Falles beschäftigt. Unterstützt von Originalaussagen der Täter und Zeugen, sowie dem rekonstruierten Schauplatz als 3D-Modell finden sie eine gelungene Aufbereitung, um das Geschehen, auch was die Kameras nicht festhalten konnten, aufleben zu lassen und damit direkt Kritik zu üben.
Bewertung: 3,5/5
Trailer zum Kurzfilm „Sixty-Seven Milliseconds“:
Zur Zeit zu sehen auf Arte bis 13.8.2026
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Doreen Kaltenecker, ‚Sieben Fragen an fleuryfontaine‘, testkammer.com, 2026
- Eintrag des Kurzfilms „Soixante-sept millisecondes“ auf der Website von fleuryfontaine
- Eintrag des Kurzfilms „Sixty-seven Milliseconds“ beim Festival Indie Lisboa