„Invisible People“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Die Dokumentation „Invisible People“ der deutschen Regisseurin und Künstlerin Alisa Berger, welche gerade auf Kinotour unterwegs ist, erzählt von einer persönlichen Reise, der Kunstform des Butoh-Tanzes und den titelgebenden unsichtbaren Menschen, welche ein Teil jeder Gesellschaft sind. 

Die beiden Tänzer Tatsumi Hijikata und Kazuo Ōno begründeten Ende der 50er Jahre in Japan den Butoh-Tanz. Dieser stellt sich mit seinen Bewegungsformen gegen Konventionen, klassische Tänzen und auch gegen eine gewisse Verwestlichung der Kunst des Landes. Auch 60 Jahre nach seiner Erfindung gibt es in Japan, aber auch über die Landesgrenzen hinaus Tänzer:innen, die sich dieser Kunst verschrieben haben. Nachdem ihr Vater an Krebs gestorben ist, beschließt die Regisseurin und an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) ausgebildete Künstlerin Alisa Berger sich dem Butoh-Tanz zu widmen und schreibt sich in Tokyo in das berühmte Tanzstudio ‚Kazuo Ōno Dance Studio‘ ein, das von Yoshito Ōno, Kazuo Ōnos Sohn, geführt wird. Dort lernt sie den Tanz, der ein großes Spektrum an Gefühlen vereint, durch den man mit den unsichtbaren Menschen in Kontakt treten kann, aber auch genauso ein Tanz ohne Inhalt sein kann. 

Aus dem eigenen Interesse und Beschäftigung heraus entstand die filmische Aufbereitung des Tanzes. Ursprünglich als Portraits der einzelnen Künstler:innen, u.a. Mushimaru Fujieda und Norihito Ishii, gedacht, entwickelte sie eine 71-minütige Dokumentation. Darin baut sie nicht nur die einzelnen Portraits und gefilmten Performances ein, sondern zeigt sich selbst auch beim Tanz. Ihr Voice Over führt durch den Film. Die sparsam eingesetzten Worte bieten eine Orientierung, zeigen auf, wie sie selbst zum Butoh-Tanz kam und geben Anregungen, das Gesehene einzuordnen. Weitere Interviews vervollständigen die Dokumentation und geben Einblicke in die Gefühlswelt der Tänzer:innen. Die Tanzszenen können dabei ganz ohne Worte vermitteln, was den Tanz ausmacht, welche Kraft und Eindringlichkeit in den Bewegungen stecken und was für ein Spektrum an Gefühlen für die Betrachtenden wie auch für die Tanzenden darin verborgen sind. Die Musik, die dazu gehört, hat selbst auch eruptive Elemente und kann nicht als klassisch schön wahrgenommen werden. Diese moderne Tanzweise mit ihren faszinierenden, aber auch düsteren Bewegungsmustern spricht dabei nicht alle Zuschauenden gleichermaßen an. Doch wer einen differenzierten Zugang zu dieser Tanzform, als über eine klassische, alles erklärende Dokumentation sucht, ist bei Bergers Film genau richtig.

Fazit: „Invisible People“ ist ein dokumentarisches Filmessay von Alisa Berger, in dem sie den japanischen Butoh-Tanz mit ihrer eigenen Geschichte zusammenbringt. Durch das filmische Festhalten des Tanzes und dem führenden Voice Over taucht sie in verschiedene gedankliche und emotionale Ebenen ein. Dabei ist der Film nicht als klassische Dokumentation inszeniert, sondern ist dem Künstlerischen näher und dementsprechend wird es dem ein oder anderen Zuschauenden leichter oder schwerer fallen, dazu einen Zugang zu finden. 

Bewertung: 3/5

Kinostart: 09.01.2026

Trailer zum Film „Invisible People“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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