Acht Fragen an Pablo Larcuen

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit dem britischen Regisseur Pablo Larcuen konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „I Walked Through The Wall“ erfahren, der auf dem 41. interfilm Berlin 2025 im Internationalen Wettbewerb lief, warum er sich entschied, noch einmal einen Kurzfilm zu drehen, und wieso es ihm wichtig ist, auf Film drehen zu können. 

The original english language interview is also available.

Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?

Ich habe seit mehr als zehn Jahren keinen Kurzfilm mehr gedreht, und eines Tages dachte ich, es sei an der Zeit, wieder einen zu machen, nur um zu sehen, ob ich noch einen so guten Kurzfilm drehen könnte wie damals, als ich jünger war. Ich ging eine alte Liste mit Ideen durch, und die erste, die ich las, war etwas, das ich vor vielen Jahren geschrieben hatte. Es war nur eine Zeile: „Jemand lernt, durch Wände zu gehen.“ Das war alles.

Dein Film ist ein Drama über Einsamkeit, aber gleichzeitig auch sehr unterhaltsam. Wie ist Dir dieser Spagat gelungen?

Grant Rivers

Ich fühle mich sehr zu surrealen oder fantastischen Prämissen hingezogen, die aus einer sehr menschlichen und nachvollziehbaren Emotion entstehen. „I Walked Through The Wall“ handelt von einer Frau, die sich in ihrem Leben gefangen fühlt und deshalb lernt, durch Wände zu gehen, um ihrer miserablen Realität zu entfliehen. In meinem vorherigen Kurzfilm „Elephant“ verwandelt sich ein Familienvater, der sich in seiner eigenen Familie unsichtbar fühlt, in einen Elefanten. Und in „My Invisible Friend“ bekommt ein Mann, der so schüchtern ist, dass er nicht einmal mit seinen Eltern sprechen kann, Besuch von einem imaginären Freund. Für mich muss jeder Witz oder surrealistische Moment aus dem emotionalen Kern des Protagonisten kommen.

Habt ihr auf Film gedreht?

Johannan Elizabeth

Wir erhielten eine Produktionsförderung von Kodak, Neon und Sean Baker, wodurch wir auf Film drehen konnten. Ich habe alle meine Kurzfilme auf Film gedreht, daher war ich sehr dankbar für diese Unterstützung. Film hat eine magische, cineastische Textur, die man mit Digitaltechnik einfach nicht erreichen kann. Ich sage immer, dass Film für das Kino und Digitaltechnik für Inhalte gedacht ist.

Gab es Vorbilder, die Dich inspiriert haben?

Mein Lieblingskurzfilm aller Zeiten ist „La Ruta Natural“ („Der natürliche Weg“). Für mich verkörpert er perfekt, was ein Kurzfilm sein sollte: eine in sich geschlossene Geschichte, die sich dennoch weitläufig anfühlt und mit einem einfachen Konzept etwas sehr Tiefgründiges vermittelt. Bei all meinen Kurzfilmen versuche ich, vollständige Geschichten mit starken dramatischen Charakterbögen zu erzählen, die in sehr kurzer Zeit, idealerweise unter zehn Minuten, etwas Bedeutungsvolles aussagen.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr zum Voice-Over und zum Musikeinsatz erzählen?

Johannan Elizabeth und Grant Rivers

Ich bin kein großer Fan von Voice-over in Spielfilmen, aber wenn man versucht, eine komplexe Geschichte in sehr kurzer Zeit zu erzählen, ist es ein wirklich nützliches Mittel. Damit kann man schnell einen bestimmten Ton anschlagen und das Publikum in die Gedankenwelt des Protagonisten versetzen, sodass es die Welt aus seiner Perspektive sieht. Musik hat eine ähnliche Wirkung. In allen meinen Kurzfilmen nutze ich Voice-over und Musik, um das Publikum emotional zu führen.

Deine Darsteller:innen sind sehr gut besetzt. Hast Du sie klassisch über ein Casting gefunden? Oder hast Du mit Laiendarsteller:innen gearbeitet?

Die Produktionsförderung, die wir erhielten, gab uns nur etwa anderthalb Monate Zeit, um das Drehbuch zu schreiben, den Film zu produzieren und fertigzustellen, sodass nicht viel Zeit für ein traditionelles Casting blieb. Ich habe alle Schauspieler an einem einzigen Wochenende online gefunden. Ich hatte ziemlich viel Glück, denn sie sahen alle genau so aus und wirkten genau so, wie ich mir die Figuren vorgestellt hatte.

Kannst Du mir noch ein bisschen von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich bin in einer kleinen Stadt aufgewachsen, in der es nicht viel zu tun gab, also verbrachten mein bester Freund, The Nugget, und ich als Kinder die meisten Nachmittage damit, Filme anzuschauen. Später, als wir Teenager waren, fingen wir an, selbst Filme zu drehen. Er war Schauspieler und ich führte Regie. Diese ersten Versuche waren ziemlich peinlich, aber so habe ich die Grundlagen gelernt. Jahre später, als ich auf der Filmhochschule war, spielte er den unsichtbaren Freund in „My Invisible Friend“. Dieser Kurzfilm wurde beim Sundance Film Festival gezeigt und war der Beginn meiner Karriere, daher fand ich es sehr passend, dass wir ihn gemeinsam gedreht haben.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ich arbeite derzeit an der Langfilmversion von „I Walked Through The Wall“.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „I Walked Through The Wall


Interview: In our conversation with British director Pablo Larcuen, we learned more about his short film „I Walked Through The Wall„, which was screened in the international competition at the 41st interfilm Berlin 2025. We also found out why he decided to make another short film and why it is important to him to be able to shoot on film. 

How did the idea for your short film come about?

I hadn’t done a short film in more than ten years, and one day I thought it was about time to do another one, just to see if I could still make a short as good as the ones I did when I was younger. I went through an old list of ideas and the first one I read was something I had written many years ago. It was just one line: “someone learns how to walk through walls.” That was it.

Your film is both a drama about loneliness and at the same time very entertaining. How did you manage this balancing act?

I’m very drawn to surreal or fantastic premises that come from a very human and relatable emotion. „I Walked Through The Wall“ is about a woman who feels trapped in her life, so she learns how to walk through walls as a way to escape her miserable reality. In my previous short „Elephant“, a family man who feels invisible within his own family turns into an elephant. And in „My Invisible Friend“, a guy who is so shy he can’t even talk to his parents is visited by an imaginary friend. For me, every joke or surreal moment has to come from the protagonist’s emotional core.

Did you shoot on film?

We were awarded a production grant from Kodak, Neon, and Sean Baker, which allowed us to shoot on film. I’ve shot all my shorts on film, so I was very thankful for the support. There’s a magical, cinematic texture that you just don’t get from digital. I always say that film is for cinema, and digital is for content.

Were there any role models that inspired you?

My favorite short film of all time is „La Ruta Natural“ („The Natural Route“). To me, it’s the perfect encapsulation of what a short should be: a self-contained story that also feels expansive, using a simple concept to talk about something very deep. With all my shorts, I try to tell complete stories with strong dramatic character arcs that say something meaningful in a very short amount of time, ideally under ten minutes.

Can you tell me a bit more about the voice-over and the use of music?

I’m not the biggest fan of voice-over in feature films, but when you’re trying to tell a complex story in a very short amount of time, it becomes a really useful tool. It allows you to quickly establish a specific tone and put the audience inside the protagonist’s head, seeing the world through their particular point of view. Music does something very similar. All of my shorts use voice-over and music as a way to guide the audience emotionally.

Your actors are very well cast. Did you find them through a traditional casting process? Or did you work with amateur actors?

The production grant we received gave us only about a month and a half to write, produce, and deliver the final film, so there wasn’t much time for a traditional casting process. I found all the actors online over a single weekend. I got pretty lucky, because they all looked and felt exactly like the characters I had imagined.

Can you tell me a bit more about yourself and how you came to filmmaking?

I grew up in a small town with not much to do, so as kids my best friend, The Nugget, and I spent most afternoons watching movies. Later, when we were teenagers, we started making them ourselves. He was the actor and I directed. Those first attempts were pretty embarrassing, but that’s how I learned the basics. Years later, when I was in film school, he played the invisible friend in „My Invisible Friend“. That short went to Sundance and became the start of my career, so it felt very fitting that we did it together.

Are there any new projects planned?

I’m currently working on the feature film version of „I Walked Through The Wall„.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „I Walked Through The Wall

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