„I Walked Through The Wall“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Im Internationalen Wettbewerb des 41. interfilm Berlin 2025 lief der amerikanische Kurzfilm „I Walked Through The Wall“ von Pablo Larcuen, der hier noch einmal das Medium Kurzfilm und dessen Möglichkeiten entdeckt. 

Tagein tagaus ist Cecilia (Johannan Elizabeth) für ihren Sohn Luke (Jake Montgomery) und ihren Mann Joel (Gene Graham) da und wird dafür nicht gewürdigt. Erst als sie die Fähigkeit entwickelt, durch Wände zu gehen, schenken sie ihr Beachtung. Aber vielleicht ist das auch ein Weg heraus aus diesem Leben?

Der Regisseur und Drehbuchautor Pablo Larcuen nutzt die Freiheiten eines Kurzfilms, um in acht Minuten von einer unglücklichen Frau zu erzählen, welche die tagtäglichen Erniedrigungen still erträgt und sich immer hinten anstellt. Oft fragt man sich, warum sich Menschen in diesen Situationen nicht wehren oder versuchen zu befreien. Eine mögliche Antwort liefert der Film, denn es geht hier um die eigene Wertschätzung und wie diese durch die

Johannan Elizabeth und Grant Rivers

Behandlung durch andere beeinflusst wird. Als sie zu ihrem Nachbarn durch die Wand läuft, empfängt er diese herzlich. Auch wenn es sich hierbei um eine Verwechslung handelt – er denkt sie ist seine verstorbene Frau – tut diese Herzlichkeit gut und die Heldin der Geschichte hat vielleicht die Möglichkeit, zu erkennen, dass sie jetzt ausbrechen kann. Inszeniert ist das äußerst cineastisch: Larcuen verwendet nicht nur ein rahmendes Voice-Over und eine sehr gute Kameraarbeit, sondern auch einen Retro-Look, der an frühere Filme und Serien erinnert. Hinzu kommt die gelungene Besetzung mit Schauspieler:innen, die sich sehr authentisch anfühlen, was einen gelungenen Kontrast zu der Bildsprache und dem übernatürlichen Element bildet. 

Fazit: „I Walked Through The Wall“ ist ein Kurzfilm von Pablo Lacruen, der auf authentische Weise familiäre, toxische Strukturen beleuchtet, in denen Frauen unterdrückt werden. Für das Nicht-Gesehen-Werden findet er ein gelungenes Genre-Element und erzählt so auch eine Geschichte einer möglichen Befreiung. Handwerklich stimmig umgesetzt und hervorragend besetzt zieht der Kurzfilm die Zuschauenden sofort in seinen Bann und macht neugierig, wie die Geschichte wohl weitergehen könnte.

Bewertung: 4/5

Trailer zum Kurzfilm „I Walked Through The Wall“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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