„Mother’s Baby“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der österreichische Spielfilm „Mother’s Baby“ (Österreich/Schweiz/Deutschland, 2025) von Johanna Moder, der im Wettbewerb der 75. Berlinale 2025 seine Weltpremiere feierte, erzählt mit dem Blick durch die Genre-Brille wie bereits das große Vorbild „Rosemaries Baby“ (1968) von Roman Polanski von Mutterschaft. 

Die erfolgreiche Dirigentin und mittlerweile 40-jährige Julia (Marianne Leuenberger) und ihr Partner Georg (Hans Löw) wünschen sich ein Kind. Dafür haben sie schon vieles versucht und ihr letzter Versuch ist die private Kinderwunschklinik von Dr. Vilfort (Claes Bang). Der Fruchtbarkeitsspezialist garantiert ihnen mit seiner experimentellen Methode ein Kind und Julia wird auch schwanger. Die Geburt, die ebenfalls in dieser Klinik stattfindet, endet mit der Wegnahme des Säuglings. Als sie dann endlich zu dritt nach Hause dürfen, spürt Julia, dass etwas nicht stimmt. Trotz des positiven Zuredens und der Hilfe vieler u.a. auch der Hebamme Gerlinde (Julia Franz Richter) spürt sie eine unüberwindbare Distanz zu ihrem Kind und hat das Gefühl, dass in dieser Klinik etwas passiert sein muss.

Hans Löw und Marie Leuenberger

Die Regisseurin Johanna Moder, die zusammen mit Arne Kohlweyer (Kurzfilm „Drübenland“) das Drehbuch schrieb, verarbeitet in ihrem dritten Spielfilm eigene Geburts-Erfahrungen und der Zeit danach und schuf ein Drama über Mutterschaft und die Rolle der Frau als Mutter. Dabei entschied sie sich nicht für ein reines Drama, sondern integrierte Elemente aus dem Genre-Bereich zwischen Science-Fiction und Horror. Diese folgen weitgehend einem standardisierten Kanon, so dass die finale Auflösung weniger überrascht. Wie das große Vorbild – Roman Polanskis „Rosemarys Baby“ (1968) – inszeniert der Film es aber so, dass nicht unbedingt klar ist, ob es sich hier wirklich um eine Außenwirkung handelt oder sich all das nur im Inneren der Mutter abspielt. Der Film greift das reale Thema der Wandlung von Frau zur Mutter auf und wie man sich dadurch von einem Tag auf den anderen plötzlich als eine ganz neue Person definieren muss. Das Frausein, die Karriere und all das, was man sich aufgebaut hat, wird vom Muttersein verdrängt. Das spiegelt sich vor allem in der Umgebung wider, die auf diese Weise auch Erwartungen haben und Druck ausüben. Aber was passiert, wenn sich das Muttersein als absolutes Gefühl nicht einstellen will? In diesem Sinne geht es hier auch um postnatale Depressionen, wie Frauen damit umgehen und auch, wie wenig sie dabei auch Hilfe bekommen. Natürlich überwiegen zum Ende hin die Genre-Elemente und der Film entfernt sich so ein Stück weit von den ernsten, realen Themen. Doch auch hier taucht nochmal eine moralische Frage auf: Ist die Liebe einer Mutter nur an das eigene biologische Kind geknüpft?

Julia Franz Richter

Inszeniert hat Johanna Moder ihren Spielfilm beinah als Kammerspiel. Die Innenräume, in denen die Geschichte spielt, sind die Klinik und die eigene Wohnung. Auch das ist ein stimmiger Realitätsspiegel, denn als frisch gebackene Mutter engt sich das eigene Umfeld gerade mit einem neugeborenen Baby erst einmal stark ein. Zudem verstärkt das In-Der-Wohnung-Bleiben, so hübsch diese auch sein mag, den Eindruck vom Eingesperrt-Sein. Der internationale Cast u.a. mit Marie Leuenberger in der Hauptrolle, aber auch der dänische Schauspieler Claes Bang als dubios agierender Arzt, sind hervorragend besetzt. Auch Hans Löw als Ehemann, zwischen Unverständnis und Fürsorge schwankend, sowie Julia Franz Richter als Hebamme, die mit ihrer Art verurteilend wirkt, sind sehr gut ausgewählt. Die Genre-Elemente bleiben dabei in einem kleinen Rahmen und sorgen eher durch Stimmung oder eine Art düsteren Beigeschmack für ein starkes Unwohlsein beim Publikum. Der Film ist in vielerlei Hinsicht keine leichte Kost und sollte von Zuschauer:innen, die bei den Themen Schwangerschaft und Säuglinge empfindlicher reagieren, vielleicht sogar vermieden werden. 

Fazit: „Mother’s Baby“ ist ein österreichischer Spielfilm von Johanna Moder, der sich mit den Themen Kinderwunsch, Mutterschaft und postnataler Depression beschäftigt. Ihr Zugang dazu ist kein reines realistisches Drama, sondern sie baut Genre-Elemente mit ein, die aus den Sorgen und Ängsten der Mutter selbst resultieren können. Als Kammerspiel inszeniert und mit einem hervorragenden Cast ausgestattet, zieht der Film das Publikum in den Bann, obwohl es die Auflösung schon früh ahnt. So bleiben am Ende auch nicht die Fantasy-Elemente im Gedächtnis, sondern der authentische Kampf der Frau mit ihrer neuen Rolle. 

Bewertung: 7/10

Trailer zum Film „Mother’s Baby“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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