„Drübenland“ (2019)

Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2019

Filmkritik: Über die DDR gibt es viele Filme und auch eine Unmenge an Literatur. Gefühlt wurde alles schon mal gesagt, doch Arne Kohlweyer erzählt in seinem semi-autobiographischen Kurzfilm „Drübenland“, gesehen auf den 30. Bamberger Kurzfilmtagen, etwas was man so nicht gesehen hat und berichtet davon, wie sich die Wende eigentlich als Kind angefühlt hat.

Der siebenjährige Marko (Ari Kurecki), der im Osten Berlins wohnt, sammelt mit seinem besten Freund Ecki (Leo Maier) Geld für die Klassenfahrt. Doch bevor am nächsten Tag die Schule wieder los geht, fällt die Mauer. Marko weiß nicht, was es bedeutet, doch seine Lehrerin hat sich mit dem Geld der Klassenkasse nach drüben abgesetzt und niemand sagt ihm so richtig, was dieses Drübenland ist.

Basierend auf seinem eigenen Drehbuch und durch die Finanzierung der mitteldeutschen Medienförderung, konnte der Filmemacher Arne Kohlweyer, der sieben Jahre lang die Script-Station der Berlinale Talents geleitet hat, seinen Kurzfilm „Drübenland“ verwirklichen, der nun auf vielen Festivals zu sehen ist. Dabei besticht er mit seiner guten und dichten Situationsschilderung, die zum Teil von Kohlweyers eigenen Erfahrungen inspiriert ist, und schafft es, mit Markos Familie einen kleinen Mikrokosmos aus verschiedenen Typen zu erschaffen. Schnell wird man in die Geschichte hineingesaugt und geht mit dem kleinen Marko auf Tour zur Geldbeschaffung, tollt mit ihm und seinem Freund in der Gegend herum und erlebt durch seine Augen die Wende. Doch das fühlt sich ganz anders an, als im historischen Rückblick oder für einen Erwachsenen.

© 42film / Felix Abraham

Diese Spektrum an unterschiedlichen Gefühle bekommt der Zuschauer so gut vermittelt. Dabei vergisst der Filmemacher auch nicht eine Prise Humor, so dass es nicht wie eine trockene Geschichtsstunde wirkt. Hinzu kommt eine tadellose Umsetzung. Die Locations sind ebenso gut gewählt, wie die Ausstattung und die Bekleidung. So versetzen der Regisseur und sein Team die Zuschauer mühelos in die Zeit zurück. Bevölkert ist der Film zudem von überzeugenden Darstellern. Vor allem der Jungdarsteller Ari Kurecki überzeugt als unwissender, aber neugieriger Knirps und bindet die Zuschauer an die Geschichte. Im Gesamten ist Arne Kohlweyer mit „Drübenland“ ein wunderbarer Kurzfilm gelungen, der eine andere Sicht auf die DDR und deren Ende bietet.   

Fazit: Arne Kohlweyers Film „Drübenland“ erzählt das Ende der DDR aus der Sicht eines Kindes, das bis dahin noch nicht einmal wusste, dass es überhaupt eine Mauer gab. Dabei bleibt er nah an seinem Protagonisten und deren Perspektive dran. Darüber hinaus schafft er es wunderbar die Zeit, das Empfinden und das Leben in der DDR einzufangen und schuf mit einer Prise Humor eine gelungene Geschichte, in der sich mancher bestimmt wieder erkennt.  

Bewertung: 8/10

Trailer zum Kurzfilm „Drübenland“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.