„Judy“ (2019)

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Filmkritik: Immer wieder gibt es Biopics wie „Nowhere Boy“ (2009) und „Rocketman“ (2019), die einem das Leben bekannter Künstler näher bringen. Auch „Judy“ (OT: „Judy“, UK, 2019) von Rupert Goold beschäftigt sich mit einer bekannten Persönlichkeit. Die Schauspielerin und Sängerin Judy Garland starb 1969 an einer Überdosis. Der Film begleitet sie in ihren letzten Jahren und geht der Frage nach, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte.

Die bekannte und von vielen verehrte Schauspielerin Judy Garland (Renée Zellweger) kommt nur noch schwer an Rollen und Auftritte. Zusammen mit ihren Kindern (Bella Ramsey und Lewin Lloyd) tingelt sie durch die Nachtclubs und sieht kein Land mehr. Der einzige Ausweg scheint ein festes Engagement in England zu sein, was aber bedeutet, dass sie ihre Kinder zurücklassen muss. Doch sie nimmt den Auftrag an, bei der Show im Londoner Nachtclub „Talk of the Town“ aufzutreten. Doch leider klappt das nicht so gut wie geplant, denn Lampenfieber, Drogen und die stürmische Liebschaft zu Mickey (Finn Wittrock) kommen einem geordneten Showleben immer wieder in die Quere.

Renée Zellweger

Basierend auf dem Theaterstück „End of the Rainbow“ von Peter Quilter, welches von Tom Edge für den Film adaptiert wurde, erzählt der Regisseur Rupert Goold (*1972) in seinem zweiten Kinofilm vom Ende der Karriere Judy Garlands. Die 1922 geborene Schauspielerin wurde schon als junges Mädchen zum Star und spielte sich mit Filmen wie „Der Zauberer von Oz“ (1939) in die Herzen vieler Zuschauer. Mit den Jahren begann Garland, die übrigens die Mutter von Liza Minelli („Cabaret“) ist, auch eine Bühnenkarriere und wurde mit ihren Interpretationen bekannter Songs berühmt. Doch sie wurde bereits in jungen Jahren von Pillen abhängig gemacht und schaffte es nie aus dem Suchtverhalten gegenüber den Drogen und aber auch den Männern heraus. So wurde sie zu einer schwierigen Künstlerin, auf deren Zusammenarbeit immer mehr verzichtet wurde. An dieser Stelle setzt der Film ein. Judy hat bereits vier Ehen hinter sich und bekommt kaum noch Aufträge, die sie retten können. Widerwillig nimmt sie den Auftrag in London an. Ab hier erzählt der Film die Abwärtsspirale, trotz der ein oder anderen Hochphase. Mit dem traurigen Wissen über ihr Ende sieht man ihrem Kampf und Scheitern zu. Bereichert wird die Geschichte zudem von Rückblenden von ihren Anfängen beim Film, welche den Zuschauer beinah sprachlos machen. Der Film erzählt dies mit den konventionellen Mitteln eines Melodrams und weiß Gefühle hervorzurufen. 

Darci Shaw

Diese berührende Wirkung verdankt der Film aber vor allem seiner starken Darstellerriege allen voran Renée Zellweger („Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ (2001), „Chicago“ (2002)), welche dafür ihren zweiten Oscar erhielt. Diese wurde nicht nur optisch zu Judy, wobei man die Schauspielerin immer noch erkennt, sondern sie übernahm die Bewegungen, die Mimik und den ganzen Habitus der Schauspielerin, der durch viele Aufnahmen von Auftritten und ihren Filmen selbst dokumentiert ist. Zellweger erweckt Judy Garland so überzeugend zum Leben, dass sie sich alle Preise für diese Rolle, u.a. einen Golden Globe, mehr als verdient hat. Aber auch die Nebenrollen sind u.a. mit Michael Gambon, Finn Wittrock und Jessie Buckley hervorragend besetzt. Besonders die beiden Schauspieler Andy Nyman und Daniel Cerqueira geben dem Film die richtige Prise Gefühl. Hinzu kommt die tadellose Umsetzung der Zeit der britischen 60er Jahre und das authentische Einfangen des Spielortes. Im Gesamten besticht dieses klassische Melodram und Biopic vor allem durch seine überzeugende Darstellerkunst und souveräne Inszenierung und führt bestimmt dazu, dass die Zuschauer Judy Garland für sich (neu) entdecken.

Lewin Lloyd, Bella Ramsey und Renée Zellweger

Fazit: Der amerikanische Spielfilm „Judy“ von Rupert Goold ist ein eindringliches Biopic der bekannten Schauspielerin Judy Garland. Konzentriert auf die letzte Zeit, in der sie in London verweilte, schuf der Regisseur ein Drama, das mit allen melodramatischen Elementen versehen wurde, aber vor allem ist es eine Bühne für die überragende Performance von Renée Zellweger ist, die dafür ihren zweiten Oscar erhielt. So überzeugt das Drama mit seiner klassischen Dramaturgie, mit dem Nahebringen einer bekannten Person und dem hervorragenden Spiel aller DarstellerInnen.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 02.01.2020 / DVD-Start: 30.06.2020

Trailer zum Film „Judy“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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