21. Landshuter Kurzfilmfestival 2021

  1. April – 9. Mai 2021 / online

Festivalbericht: Als im letzten Jahr 2020 die Pandemie auch Deutschland erreichte, musste die 21. Ausgabe des Landshuter Kurzfilmfestival im März kurzfristig abgesagt werden und wurde mitsamt dem bereits feststehenden Programm um ein Jahr und ein paar Monate verschoben und fand nun vom 28. April bis 9. Mai 2021 online statt. Dabei blieben die beiden FestivalbetreiberInnen Brigitte Horn und Michael Orth ihrem Konzept treu und präsentierten eine gelungene Mischung aus nationalen, internationalen und genrelastigen Beiträgen und konnten mit 227 Kurzfilmen aus 47 Ländern begeistern und Preise im Gesamtwert von 18.050 € vergeben.

Im deutschsprachigen Wettbewerb aus den Ländern Deutschland, Schweiz und Österreich konnten man in zehn Programmen 63 Filme sehen. Darunter waren Dramen genauso wie Genrefilme und Komödien vertreten. Den Großen BMW-Kurzfilmpreis, der mit 5.000 € einer der höchstdotierten Preise des Festivals ist, gewann der in Zeiten der DDR angesiedelte Kurzfilm „Fließende Grenze“ von Joana Vogdt, die mit einem Augenzwinkern von einem Treffen zwischen Ost und West berichtet. Als ‚Beste Komödie‘ wurde der kurzweilige „Flohplage“ von Markus Ott und Christoph Hans ausgezeichnet, in dem zwei Männer Beruf und Date durcheinander bringen. Auch auf diesem Festival wurde der 30-minütige Kurzfilm „Masel Tov Cocktail“ von Arkadij Khaet und Mickey Paatzsch ausgezeichnet und auch hier mit dem Publikumspreis. Das vielfältige Programm der deutschsprachigen Beiträge hielt viele Entdeckungen bereit. Neben bereits bekannten Filmen wie „Das Mensch“ von Sophie Linnenbaum und „Der Film vom Propellermann” von Johannes Bachmann konnte man starke Dramen wie „Deutschland im Winter“, „Cord“ und „Girl Meets Boy“ für sich entdecken. Viele Filme drehten sich dabei um Zwischenmenschliches und beschäftigten sich mit den Themen Integration, Akzeptanz und Erwachsenwerden, so auch „Die Waschmaschine“, „Yallah Habibi“, „Stand Up“ und „Jung Fragil“. Das Programm (wie auch die anderen) wurde auch in diesem Jahr wieder sehr gut von Michael Orth zusammengestellt und zeigt, welches Potential im jungen deutschsprachigen Film liegt.

Kurzfilme aus aller Welt bekamen in den letzten Jahren eine immer größer werdende Präsenz auf dem Landshuter Kurzfilmfestival und so konnte man im Internationalen Wettbewerb 66 Filme in ebenfalls zehn Programmen sehen. Auch hier bestach wieder ein gut zusammengestellter Mix aus vielen Genres, der vielen gesellschaftsrelevanten Themen Platz botz und immer wieder überraschen konnte. Als Gewinner ging hier der Film „Gjeteren“ von Brwa Vahabpour hervor, der mit einer Metapher eine Geflüchtetengeschichte erzählt. Auch andere Filme wie „Foreigner“ beschäftigten sich auf neue Weise mit dem Thema. Das menschliche Miteinander („2nd Class“, „40 Minutes over Maui“), der Umgang mit Tieren („Vaca“), Armut („Viral Kids“), Selbstbestimmung in der eigenen Familie („Le dilemme du porc-épic“) und als Mädchen („My Time“) oder Frau („Kaksi Ruumista Rannalla“) standen bei vielen Filmen im Vordergrund. Aber auch starke Genrebeiträge wie „Tempus Fugit“, der von einer spontanen Verjüngungskur erzählt oder der deutsche Beitrag „Sprechende Löcher“, der enorm surreal gefärbt war und die ZuschauerIn verwundert zurückließ, bereicherten das Programm. Der großartige „Trading Happiness“, der bereits auf dem 32. Filmfest Dresden 2020 ausgezeichnet wurde, gewann hier im Internationalen Wettbewerb den Publikumspreis

Auch in der Online-Ausgabe wurde dem Genrefilm mit der ‚Shock Block‘-Reihe viel Raum gegeben. Hier konnte man von Dark Comedy über gruselige Mystery-Thriller bis hin zu Splatteraction alles entdecken. Als Bester Film des Programms wurde der spanische Film „Mi Nombre es Koji“ von David Muñoz, dem Regisseur von „Fist of Jesus“ (2012), ausgezeichnet – ein amüsanter Kurzfilm über einen neu erweckten Superheld, den man vielleicht in einem Langfilm wieder begegnen wird. Der Publikumsliebling wurde der Kurzfilm „Wild Love“, der zeigt, wie sich die Natur auch an dem Menschen rächen kann. Auch die Preise für den ‚Besten Kurzfilm‘ und den ‚Besten Animationsfilm‘, welche unter allen Wettbewerbsbeiträgen gekürt werden, gingen an ‚Shock Block‘-Filme. Als ‚Bester Kurzfilm‘ wurde der französische „Figurant“ ausgezeichnet, der wunderbar mit der Wahrnehmung des Betrachters aber auch mit der seiner Hauptfigur spielt. Der großartige Stop Motion „Imbued Life“ von Ivana Bosnjak und Thomas Johnson wurde als ‚Bester Animationsfilm‘ gekürt. Darüber hinaus konnte man im ‚Shock Block‘ unter den 70 Filmen weitere Perlen entdecken. Starke Coming-of-Age-Geschichte gepaart mit düsteren Humor oder Monstern („It’s not Custard“, „Mélopée“), bedrückende reale Geschichten („Acquario“), fantastischen Sci-Fi („Storm“), Zombieaction („Love Bite“), andersartige Familienzusammenkünfte („Boustifaille“, „Sonrisas“) und klassische Gruselaktion („Het Juk“ von Nico van den Brink).

Auch in diesem Jahr war die kleine Auswahl an Dokumentarfilmen sehenswert. Den Preis für den Besten Dokumentarfilm gewann Ben Voit für seinen Beitrag „Nacht über Kepler 452b“, der darin eine Gruppe von Freiwilligen begleitet, welche Obdachlosen aus der Kälte holen. Den DaHome-Award erhielt der Kurzfilm „Colors of Longyearbyen“ von Feline Gerhardt, die die ZuschauerInnen in ein Dorf auf Spitzbergen entführt und die bunt gemischte Gemeinschaft portraitiert. Besonders stark in Erinnerung blieben die sehr intime Dokumentation „Nachts sind alle Katzen grau“, welche das Leben eines Katzenliebhabers mit seinen Kätzchen einfängt, und „POST MORTEM berlin“, der uns in ein Krematorium in Berlin entführt und dieses mit eindrucksvollen, ruhigen Bildern portraitiert. 

Neben den großen Wettbewerben wurde auch wieder ein Preis für den Besten Kinderfilm vergeben. Dieser ging an „Hot Dog“, ein Film über einen verliebten Hund, der damit Filmen wie „Der Hauptgewinn“ oder „TRi“ die Trophäe wegschnappte. Zudem konnte man weitere Programme für sich entdecken. Neben der Comedynacht gab es auch einen Animationsfilmblock (u.a. mit „Under the Rib Cage“) sowie das Programm ‚LAKFF-Classics‘, das Filme der letzten Jahre wie „All the tired Horses“ und „Krampus“ präsentierte. Abgerundet wurde das Programm mit den gut umgesetzten Veranstaltungen der Eröffnung und Preisverleihung, die einem wunderbar das Gefühl gaben, wieder in Landshut zu sein. So ist auch die 21. Ausgabe, welche reibungslos online umgesetzt wurde, mehr als gelungen und bot ein reiches Programm mit vielen Filmen an.

Fazit: Das 21. Landshuter Kurzfilmfestival musste sich, wie viele andere Festivals in diesem Jahr auch, als Streaming-Festival präsentieren und setzte das Konzept hervorragend um. Das Programm mit seinen 227 Filmen, von denen viele noch aus dem Jahr 2020 stammten, bot viele nationale und internationale Produktionen aus einem breiten Spektrum an Genres und hatten für jeden Geschmack etwas zu bieten und lieferte zwei Wochen lang gelungene Unterhaltung.

Trailer des 21. Landshuter Kurzfilmfestivals 2021

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Oben genannte Film als Liste

  • „2nd Class“ (OT: „2nd Class“, Schweden, 2018, Regie: Jimmy Olsson)
  • „40 Minutes over Maui“ (OT: „40 Minutes over Maui“, USA, 2018, Regie: Michael Feld, Josh Covitt)
  • „Acquarium“ (OT: „Acquario“, Italien, 2018, Regie: Lorenzo Puntoni) 
  • All the tired Horses“ (OT: „All the tired Horses“, Österreich, 2017, Regie: Sebastian Mayr)
  • „Boustifaille“ (OT: „Boustifaille“, Frankreich, 2019, Regie: Pierre Mazingarbe)
  • „Colors of Longyearbyen“  (OT: „Colors of Longyearbyen“, Deutschland, 2019, Regie: Feline Gerhardt)
  • „Cord“ (OT: „Cord“, Deutschland, 2020, Regie: Tim Garde)
  • Das Mensch“ (OT: „Das Mensch“, Deutschland, 2018, Regie: Sophie Linnenbaum)
  • „Der Film vom Propellermann” von Johannes Bachmann
  • Der Hauptgewinn“ (OT: „Der Hauptgewinn“, Deutschland, 2020, Regie: Alice von Gwinner)
  • „Deutschland im Winter“ (OT: „Deutschland im Winter“, Deutschland, 2019, Regie: Phoebe Ammon)
  • „Die Waschmaschine“ (OT: „Die Waschmaschine“, Österreich/Deutschland, 2020, Regie: Dominik Hartl)
  • „Figurant“ (OT: „Figurant“, Frankreich, 2019, Regie: Jan Vejnar)
  • „Fließende Grenze“ (OT: „Fließende Grenze“, Deutschland, 2019, Regie: Joana Vogdt)
  • „Flohplage“ (OT: „Flohplage“, Deutschland, 2019, Regie: Markus Ott und Christoph Hans)
  • „Foreigner“ (OT: „Foreigner“, Spanien, 2018, Regie: Carlos Violadé)
  • „Girl Meets Boy“ (OT: „Girl Meets Boy“, Deutschland, 2019, Regie: Ferdinand Arthuber)
  • „Gjeteren“ (OT: „Gjeteren“, Nordwegen, 2018, Regie: Brwa Vahabpour)
  • „Het Juk“ (OT: „Het Juk“, Niederlande, 2019, Regie: Nico van den Brink)
  • „Hot Dog“ (OT: „Hot Dog“, Frankreich, 2019, Regie: Flore Burban/Logan Cameron/Nicolas Diaz/Chloé Raimondo/Hugues Valin)
  • Imbued Life“ (OT: „Imbued Life“, Kroatien, 2019, Regie: Ivana Bosnjak und Thomas Johnson)
  • It’s not Custard“ (OT: „It’s not Custard“, 2018, Regie: Kate McCoid)
  • „Jung Fragil“ (OT: „Jung Fragil“, Deutschland, 2020, Regie: Joscha Bongard)
  • „Two Bodies on a Beach“ (OT: „Kaksi Ruumista Rannalla“, Finnland, 2019, Regie: Anna Paavilainen)
  • Krampus“ (OT: „Krampus“, Deutschland, 2019, Regie: Christof Pilsl)
  • „Le dilemme du porc-épic“ (OT: „Le dilemme du porc-épic“, Schweiz, 2019, Francesca Scalisi)
  • Love Bite“ (OT: „Love Bite“, 2019, Regie: Charles de Lauzirika)
  • Masel Tov Cocktail“ von Arkadij Khaet und Mickey Paatzsch
  • „Mélopée“ (OT: Mélopée„“, Kanada, 2019, Regie: Pierre Brouillette-Hamelin)
  • „Mi Nombre es Koji“ (OT: „Mi Nombre es Koji“, Spanien, 2018, Regie: David Muñoz)
  • „My Time“ (OT: „My Time“, UK, 2018, Regie: Giulia Gandini)
  • Nacht über Kepler 452b“ (OT: „Nacht über Kepler 452b“, Deutschland, 2019, Regie: Ben Voit)
  • „Nachts sind alle Katzen grau“ (OT: „Nachts sind alle Katzen grau“, Schweiz, 2019, Regie: Lasse Linder)
  • „POST MORTEM berlin“ (OT: „POST MORTEM berlin“, Deutschland, 2019, Regie: Anton von Heiseler)
  • „Sonrisas“ (OT: „Sonrisas“, Spanien, 2019, Regie: Javier Chavanel)
  • „Sprechende Löcher“ (OT: „Sprechende Löcher“, Deutschland, 2018, Regie: Steve Bache und Andreas Kessler)
  • „Stand Up“ (OT: „Stand Up“, Deutschland, 2020, Regie: Shahab Habibi)
  • Storm“ (OT: „Storm“, USA, 2019, Regie: Will Kindrick)
  • „Tempus Fugit“ (OT: „Tempus Fugit“, Frankreich, 2019, Regie: Lorenzo Recio)
  • Trading Happiness“ (OT: „Trading Happiness“, Deutschland, 2020, Regie: Duc Ngo Ngoc)
  • TRi“ (OT: „TRi“, Deutschland, 2019, Regie: Michael Dämmig)
  • Under the Rib Cage“ (OT: „Under the Rib Cage“, Belgien/Frankreich, 2018, Regie: Bruno Tondeur)
  • „Viral Kids“ (OT: „Viral Kids“, Philippinen, 2019, Regie: Arjanmar H. Rebeta)
  • Wild Love“ (OT: „Wild Love“, Frankreich, 2019, Regie: Paul Autric, Quentin Camus, Léa Georges, Maryka Laudet, Zoé Sottiaux und Corentin Yvergniaux)
  • „Vaca“ (OT: „Vaca“, Spanien, 2018, Regie: Marta Bayarri)
  • „Yallah Habibi“ (OT: „Yallah Habibi“, Deutschland, 2018, Regie: Mahnas Sarwari)

Filme die in der Testkammer schon rezensiert wurden:

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.