Acht Fragen an Michael Frei

Interview: Im Gespräch mit dem Filmemacher und Animationskünstler Michael Frei konnte ich mehr erfahren über seine beide Kurzfilme „Plug & Play“ (2013, 26. Filmfest Dresden) und „KIDS“ (2019, 31. Filmfest Dresden), die gleichnamigen Computerspiele, welche daraus entstanden sind und warum er für sich einen so prägnanten Stil wählte.

Kannst Du mir mehr zu Deinem neuesten Projekt „KIDS“ erzählen – es ist nicht nur ein Kurzfilm, sondern auch eine Installation und ein Spiel. Wie kam es dazu?

Meinen letzten Kurzfilm „Plug & Play“ hatte ich erst nach seiner Fertigstellung zu einer interaktiven Animation weiterentwickelt. Mit „KIDS“ versuchte ich erstmals ein Projekt von Beginn an parallel als Film und Spiel zu entwickeln. Das Projekt ist eine Kollaboration mit Mario von Rickenbach: Ich zeichne Linien, er schreibt Code. Noch vor der Fertigstellung ergab sich die Möglichkeit „KIDS“ im Museum for Digital Art (MuDA) in Zürich auszustellen. Das Ziel war, für jede Plattform das beste Format zu finden: Sei dies eine Kinoleinwand, ein Smartphone-Screen oder ein Raum in einem Museum.

Welche Schwerpunkte hast Du bei den einzelnen Auskopplungen gesetzt? Wo würdest Du die Unterschiede zwischen Spiel und Film verorten?

Was mich an Animation interessiert, ist die Möglichkeit mit der Differenz von Zeichnung zu Zeichnung eine Idee zum Leben zu erwecken. Einer Figur bekommt Charakter und Gewicht im Zusammenspiel mit dem Ton. Wie das beim Film funktioniert ist framegenau vordefiniert.

Beim Spiel geht es vielmehr darum, wie es sich anfühlt die Figuren zu berühren – wie sie auf Interaktionen reagieren. Der Zuschauer wird zum Mitspieler. Auch hier geht es in der Essenz um Charakter, Gewicht und Ton. Vordefiniert ist nur, wie die Welt funktioniert. Bewegen muss man sie selbst.

Auch wenn man es nicht fragt: Kannst Du eine Interpretationshilfe beisteuern?

Das Leben ist kurz. Sterben darf Spaß machen.

Dein Stil besitzt einen starken Wiedererkennungswert. Wie würdest Du ihn selbst beschreiben?

Mein Stil ist ein Mix von Unvermögen und persönlicher Präferenz. Schwarz-weiss. Einfach. Linien.

Wie lange hat die Entwicklung des gesamten Projekts gedauert. Wie bist Du es angegangen?

Ein bisschen zu lange. Die Grundidee etwas mit multiplizierbaren Figuren zu machen, war bereits 2013 da. 2014 haben Mario und ich, neben „Plug & Play“, bereits an ersten Prototypen zu „KIDS“ gearbeitet. 2015 war ich vor allem damit beschäftigt, für die Produktion eine Finanzierung zusammenzubekommen. Dafür haben wir zusammen das Studio Playables gegründet. Ab 2016 haben wir dann Vollzeit in Zürich daran gearbeitet.

Auch schon bei Deinem Vorgängerkurzfilm „Plug & Play“ hast Du, wie bereits erwähnt, ein Spiel dazu geschaffen. Wie hat es angefangen? Du warst ja zuerst Filmemacher. Warum hast Du Dich dafür entschieden auch Spieleentwickler zu werden?

Das war keine Entscheidung. Mehr eine Reaktion darauf wie ich selbst Medien konsumiere. Ich war schon vor meinem Interesse für Film von interaktiven Inhalten, welche ich online fand, fasziniert. Für mich hat das Eine das Andere nie ausgeschlossen. Ich sehe es mehr als eine Weiterführung von dem was ich schon immer gemacht habe. Dabei versuche ich mein Spielfeld zu vergrößern und nicht zu verkleinern.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Mario von Rickenbach?

Ich glaube, er fand den Film „Plug & Play“ ganz lustig. Bei einem ersten Kaffeekränzchen haben wir dann auch herausgefunden, dass sich unser ‚Geschmack‘ bei interaktiven Arbeiten deckt. Wir ergänzen uns auch gut: Ich kann nicht programmieren und er kann keinen Blödsinn zeichnen.

Wie wird es bei Dir weitergehen? Bleibst Du dem Konzept treu? Kannst Du Dir auch vorstellen Langfilme oder längere Spiele zu realisieren?

Im Moment muss ich mich erst einmal etwas erholen. Lange Sachen interessieren mich nicht so sehr. Das Leben ist kurz.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilme „KIDS“, „Plug & Play“ sowie der Spiele „KIDS“ und „Plug & Play“   

4 Gedanken zu “Acht Fragen an Michael Frei

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