„The Raft“ (2019)

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Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2019

Filmkritik: Bei seiner Premiere in Toronto spaltete der Kurzfilm „The Raft“ von Sylvain Cruiziat, der ebenfalls auf dem 32. Filmfest Dresden im ‚Nationalen Wettbewerb‘ zu sehen war, die Gemüter, berichtet er doch schonungslos von alltäglichem deutschen Rassismus und wie dies auch von der Kunst missbraucht wird.

Die Performance-Künstlerin Vittoria Hopkins (Gala Moody) ist ganz in ihrem Element bei ihrer Ausstellungseröffnung. Als Anprangerung des Rassismus positioniert sie in der Mitte des Raums eine Art Floß mit menschlichen ProtagonistInnen. Als diese beschließen, ihr eigenes Statement zu setzen, nutzt das Vittoria für ihre Zwecke aus.

Der deutsche Kurzfilm „The Raft“ beschäftigt sich gleichzeitig mit zwei wesentlichen Themen. Die beiden Drehbuchautoren Daniel Thomé und Sylvain Cruiziat (*1995), der auch die Regie übernahm und bisher mit seinem Film „Find Fix Finish“ (2019) auf sich aufmerksam machte, werfen zunächst einen kritischen Blick auf den Kunstbetrieb. Das Verhalten der KünstlerIn ist dabei entscheidend. Auf der eine Seite soll die Kunst dazu anregen, über den eigenen Horizont hinaus zu blicken und auf Missstände in der Welt aufmerksam machen, andererseits soll es aber auch profitabel sein. Das spitzen die Autoren hier zu und so beschwören sie den größtmöglichen Kontrast zwischen den Vernissage-BesucherInnen und der Kunst selbst, die hier nun mal aus echten Menschen besteht. Das Spiel mit Betrachtungen und auch dem Ausgeliefertsein steht hier im Zentrum. Zum Anderen beschäftigt sich der Film mit Alltagsrassismus. Auch das wohlsituierte und oberflächlich mitfühlende Publikum trägt zur Entgrenzung selbst bei. Die zentrale Figur der Künstlerin zeigt dagegen in verschärfter Form die Abgründe des menschlichen Seins, in dem sie dem Elend nicht nur ein Gesicht geben will, sondern komplett für sich vereinnahmt und ausnutzt. So hinterlässt der Film einen eindringlichen Eindruck und ist ein gelungenes, kritisches Portrait über Menschsein, unsere Zeit, Kunst und wie nah Heuchelei und Mitgefühl beieinander liegen können.     

Fazit: Der Regisseur Sylvain Cruiziat schuf mit seinem zweiten Kurzfilm „The Raft“ ein Werk, über das man gerne diskutieren soll. Er beschäftigt sich mit dem deutschen Kunstbetrieb genauso wie mit dem starken Kontrast zwischen geheucheltem Mitgefühl und Realität. Spannend und eindringlich inszeniert bleibt der 20-minütige Kurzfilm lange im Gedächtnis und regt zu Gesprächen an.

Bewertung: 8/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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