Sechs Fragen an Michael Dämmig

Interview: Im Gespräch mit dem Filmstudenten und Animationskünstler Michael Dämmig konnten wir mehr über seinen kurzen Animationsfilm „TRi“, den man auf dem 32. Filmfest Dresden sehen konnte, erfahren. Er berichtet über die Entstehung des Projekts und von der ständigen Fortentwicklung seiner Geschichte und Figur und wie es idealerweise nach seinem Studium weitergehen wird. 

Aus welcher Idee heraus und in welchem Rahmen ist Dein Kurzfilm „TRi“ entstanden?

Der Film ist im Rahmen des 3.-Semester-Projekts an der ifs in Köln entstanden. In diesem sollte ein maximal 30-sekündiger Kurzfilm entstehen, bei dem alle Studierenden sämtliche Schritte einer Animationsfilmproduktion durchlaufen und damit lernen. Meine Idee zum Film hat  mit der Faszination von Fischern angefangen. Zu Beginn war das Wesen ein Fisch-ähnliches Wesen, welches durch ein Paradoxon immer nur dieselben Objekte geangelt hat, die er schon hinter sich geworfen hat – simpel und auch machbar in 30 Sekunden. Aber ich wollte bei dem Projekt nicht nur ein paar Sekunden, sondern eben eine echte Geschichte erzählen, die vom Charakter ausgeht und dieser dann auch etwas lernen kann. Bis diese Idee dann zu dem Film geworden ist, wie er auf den Festivals gezeigt wird, kamen noch etliche andere Ideen, die getestet und verworfen wurden, bis am Ende doch das überwiegt hat, was noch am verständlichsten von allen ist und einen Symbolcharakter besitzt.

Der nur knapp dreiminütige Kurzfilm lebt von seinen gelungenen Animationen. Kannst Du mir mehr zum visuellen Konzept und der Entwicklung des Charakters erzählen?

Das freut mich natürlich zu hören, gerade weil ich mich sehr gerne später in diesem Bereich spezialisieren möchte. Im Seminar haben alle Studierenden die Entwicklung der Geschichte mit einem Charakter gestartet. Nach ein paar Skizzen von interessanten Formen blieb ich bei einer Figur mit einer Art Laterne auf dem Kopf stehen. Der  Charakter in „TRi“ war ursprünglich dünn und abgemagert, weil er ja “Hunger” auf etwas ganz Bestimmtes hat, aber es nicht finden kann. Über die Zeit hat sich aber die etwas dicker wirkende Form als passender erwiesen, weil es zu den Formen im gesamten Film passt: Den Tetraedern. Tetraeder sind Pyramiden mit dreieckigen Seitenflächen – und die Zahl drei verleiht letztlich dem Film auch den Namen „TRi“. Denn wenn man „TRi“ englisch ausspricht, klingt es wie das Verb ‚try‘, was ‚probieren‘ bedeutet und auch letztlich die Message des Films ist. Zusätzlich wirkt die rundliche Dreiecksform auch knuffig, was für einen Kinderfilm natürlich auch toll ist. Mund und Nase hatte der Charakter nie, weil er das für die Erzählung nicht brauchte und ich mir so Zeit sparen konnte. Jedoch waren die Augen ursprünglich realistischer entworfen, was in 3D leider nicht so gut funktioniert hat, weshalb ich mich am Ende dann für die simplen, schwarzen Augen entschieden habe. Die Entwicklung des Wesens war damit sehr organisch und immer in Verbindung mit der Geschichte.

Welche Künstler oder Filme inspirieren Dich?

Ich bin generell sehr inspiriert von den Filmen der Pixar Animation Studios, aber bin auch an sich ein absoluter Filmfan und schaue gerne viele Filme und auch Serien. Ich beschränke mich also nicht nur auf Animationsfilme, sondern schaue mir auch gerne Arthouse-Filme oder internationales Kino an, was bei den breiten Massen eher nicht so bekannt ist. Wenn man mich jetzt nach speziellen Filmen fragt, antworte ich jedoch immer mit drei Animationsfilmen: „Die Unglaublichen“ [Anm. d. Red. 2004, Regie: Brad Bird], „Chihiros Reise ins Zauberland“ [2003, Regie: Hayao Miyazaki] und „Spider-Man: A New Universe“ [2018, Regie: Peter Ramsey, Rodney Rothman, Bob Persichetti]. Ich glaube aber, dass Animation kein Genre, sondern nur die Machart ist und die Filmsprache universell ist – bedeutet, dass ich viel aus Live-Action-Filmen lernen kann und möglicherweise auch in meine Animationsfilme stecke. Mir ist dabei nur wichtig, dass meine Charaktere ansprechend aussehen und man sich schnell in sie hineinversetzen kann.

Für welches Zielpublikum hast Du Deinen Film konzipiert? Ich habe ihn selbst im Rahmen eines Kinderprogramms gesehen.

Tatsächlich war der Film nicht direkt für Kinder konzipiert, sondern sollte durch seine starke Symbolkraft und Metaphorik Menschen jeden Alters ansprechen. Im Endeffekt sucht sich ein Film jedoch immer selbst sein Zielpublikum aus und ich habe in den letzten Wochen der Produktion gemerkt, wie gut der Film sich für Kinder eignet – eben durch die Farbenpracht, durch seinen süßen Charakter und durch die Beschränkung auf das Wesentliche.

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen?

Ich würde schon sagen, dass ich mir sehr viele Gedanken über meine Filme mache – und bei „TRi“ habe ich damit auch meinen Professor an seine Grenzen gebracht, als ich nicht nur einen viel längeren Film als gewünscht gemacht habe, sondern auch ständig während der Produktion den Kern meiner Geschichte verändert habe – einfach, weil der Film recht lange sehr kryptisch war. Aber als dann der Moment kam, an dem es dann doch Klick gemacht und alle Zahnräder ineinander gefallen sind, wusste ich, dass sich der Weg gelohnt hat. Perfektionismus ist in meiner Branche recht ungern gesehen, weil man gegen die Zeit arbeitet – aber ich glaube, dass es auch ein Ausdruck von Leidenschaft für ein Projekt ist. Deshalb würde ich mich noch immer als recht naiv beschreiben. Auch, weil ich immer noch den Traum habe, irgendwann für die Pixar Animation Studios zu arbeiten, da mit den Filmen des Studios mein Interesse an 3D-Animation geweckt wurde; wobei ich diesen Traum mit tausenden Menschen weltweit teile. Und auch wenn die Erfüllung des Traumes deshalb noch unwahrscheinlich ist, so ist es dennoch eine ewige Motivation für mich, einfach immer mein Bestes zu geben und immer weiter zu lernen.

Sind bereits neue Projekte geplant? Oder hast Du vor die Welt von „TRi“ weiter auszubauen?

Aktuell arbeite ich an meinem Abschlussfilm – auch ein 3D Animationsfilm – welcher jedoch etwas weniger abstrakt ist als „TRi“. Dort treffen ein kleiner Baum und ein Orang-Utan aufeinander und streiten sich um eine heruntergefallene Mango. Der Film soll Anfang 2021 fertig werden. Danach werde ich erstmal Erfahrung in einem Studio machen, für das ich dann arbeiten werde. 

Die Welt von „TRi“ ist für mich tatsächlich zu Ende erzählt – sie ist nur für diese eine Idee bzw. Charakterveränderung geschaffen worden. Ich glaube aber, dass das visuelle Konzept und das Design noch in zukünftigen Projekten zu finden sein werden, einfach weil ich in diesem Film wirklich alles mit eingearbeitet habe, was mir persönlich gefällt; weil es eben möglich war und ich nach dem Studium wahrscheinlich eine lange Zeit nicht mehr die Möglichkeit haben werde, so viel selber bestimmen zu können.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „TRi

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