Sieben Fragen an Duc Ngo Ngoc

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© Lisa Ziegler

Interview: Im Gespräch mit dem Filmemacher Duc Ngo Ngoc, welchen wir bereits den Kurzfilm „Obst & Gemüse“ und die Dokumentation „Farewell Halong“ verdanken, sprach mit uns über seinen neuesten Film „Trading Happiness“, dessen Entstehung und wie er den Film, welcher im Nationalen Wettbewerb des 32. Filmfest Dresden zu sehen sein wird, umgesetzt hat.    

Erzähl mir bitte mehr zur Entstehung und den Hintergründen deines Kurzfilms „Trading Happiness“.

An der Grenze in Nordvietnam in der Region Ha Giang traf ich auf eine Mutter, deren Tochter von Schleppern reingelegt und nach China verkauft wurde. Mit viel Glück konnte sie wieder nach Hause flüchten. Das Gespräch hat mich emotional sehr bewegt und hat mich dazu motiviert einen Film über diese Thematik zu machen. 

Die Botschaft, welche Dir am Herzen liegt, ist klar. Hast Du ursprünglich mit dem Gedanken gespielt, diesen Film als Dokumentation zu realisieren?

© Meret_Madörin

Anfangs habe ich schon darüber nachgedacht einen Dokumentarfilm zu machen. Doch ich merkte schnell, dass ich viele Protagonist*innen nicht öffentlich zeigen kann ohne sie zu gefährden. Das Drehen an der Grenze ist auch nicht ganz ungefährlich für ein Filmteam aus Vietnam oder Deutschland. 

Der Film sieht dementsprechend auch authentisch aus. Du hast auch diesen Film in Vietnam realisiert. Wie verliefen die Dreharbeiten? Wie lange und wo genau habt ihr gedreht?

Die Dreharbeiten waren in Dong Anh, einem Vorort von Hanoi. Ich wurde dort geboren und ein Großteil meiner Familie lebt in Dong Anh, was sehr praktisch war, da ich gleich viele Statist*innen für die Hochzeit gewinnen konnte. 

Nur durch die Unterstützung meiner Familie konnten wir den Film drehen. Dadurch haben wir uns sehr viele Kosten gespart, weil die Infrastruktur und die Kontakte vorhanden waren. Es ist ein wirklich schönes Gefühl, an den Ort zurückkehren, wo man geboren wurde und auch kurzzeitig aufgewachsen ist. „Trading Happpiness“ ist für mich auch ein persönlicher Heimatfilm. 

Hast Du selbst vietnamesischen Hochzeiten (dieser Art) beigewohnt?

© Meret_Madörin

Meine Familie ist so groß, dass ich solche Feste schon häufig miterlebt habe. Als wir gedreht haben, dachten einige Nachbarn, dass ich heirate. Im Grunde genommen war es auch meine ‚Hochzeit‘. Es war halt meine ‚Filmhochzeit‘, die wir sehr sorgfältig geplant und durchgeführt haben. 

Wie hast Du Deine SchauspielerInnen gefunden?

Es gibt in Vietnam viele Theater- und Soapschauspieler*innen. Das Spiel ist häufig drüber und zu dramatisch. Nachdem wir über 50 Personen gecastet hatten, sagte uns die berühmte vietnamesische Schauspielerin Như Quỳnh für die Rolle der Mutter zu. Als Sie dem Projekt zugesagt hat, waren dann auch die andere Darsteller*innen und Teammitglieder*innen an Bord.  

Hast Du den Film auch in Vietnam zeigen können? Wenn ja, wie waren die Reaktionen?

© Meret_Madörin

Leider konnten wir den Film wegen Covid-19 noch nicht in Vietnam zeigen. Ich hoffe, dass es im nächstes Jahr eine Teampremiere dort geben wird.

Jetzt wo Du Deinen Abschluss in der Tasche hast, wie wird es weitergehen? Sind schon neue Projekte geplant?

Ende des Jahres gebe ich einen Filmworkshop für deutsch-vietnamesische Jugendliche, um deren Geschichten sichtbar zu machen. Zudem werde ich an meinem Spielfilmdebüt arbeiten, das sich thematisch mit vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen in der Wendezeit beschäftigt. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Trading Happiness

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