Sieben Fragen an Ivana Bosnjak und Thomas Johnson

Interview: Im Gespräch mit den beiden Animationskünstlern und Filmemacher Ivana Bosnjak und Thomas Johnson erzählen sie mehr über ihren zweiten Animationsfilm „Imbued Life“ (OT: „Udahnut život“), gesehen im Internationalen Wettbewerb des 32. Filmfest Dresden, der dahinter stehenden Geschichte, wie sie ihre Arbeit zusammen angehen und was ihnen visuell und storytechnisch bei der Umsetzung am Herzen lag.

The original english language interview is also available.

Wie ist die Idee zu eurem Film „Imbued Life“ entstanden – die Tableaus besitzen teilweise etwas Albtraumhaftes.  

Die erste Inspiration zu diesem Film kam uns, nachdem wir in unserer Wohnung in Zagreb ein Tierpräparat in unserem Regal stehen hatten. Das Tier war ein Baummarder und wir hatten ein seltsames, unheimliches Gefühl. Das Tier konserviert in einem Augenblick; ein Stillleben, das auf uns herab blickte, als ob es einen Teil seiner selbst ausdrücken wollte, aber wir waren nicht in der Lage, eine Antwort zu geben.  

Es war unsere Absicht, dass ein Teil des Films einen wiederkehrenden Alptraum darstellen sollte, der die weibliche Protagonistin heimsucht und sie zu einer persönlichen Reise ihrer Verbindung mit der natürlichen Welt ermutigt. Wir wollten auch das Leben und die Schönheit der Natur zum Ausdruck bringen und eine kontrastierende Dynamik zwischen diesen alptraumhaften Tableaus und der sanften Gelassenheit des Mädchens, das in der Natur verwurzelt ist, schaffen. 

Welche Botschaft liegt euch am Herz – steht hier eine gewisse Rückbesinnung zur Natur im Fokus? Warum geht ihr den Weg über die Taxidermie?

Ja, die Idee, wirklich mit der Natur verbunden zu sein, ist eine Botschaft, die uns am Herzen liegt. Mit unserem Film „Imbued Life“ haben wir versucht, diese Beziehung zur Natur weiter zu erforschen. Wir sind beide von der Natur und den Tieren fasziniert, und dieser Film ermöglichte uns, eine introspektive Reflexion über die Schönheit des ‚Bewusstseins‘ oder der ‚Lebenskraft‘ der Natur zu präsentieren. Als Menschen sind wir ein Teil der natürlichen Welt, aber das wird in unserer Moderne allzu oft übersehen. Die Einbeziehung der Taxidermie in die Erzählung des Films ermöglicht es uns, transzendentale Ideen mit den physischen Ausdrucksformen von Leben und Tod zu kontrastieren. Die Taxidermie wird oft nur als makabre Disziplin angesehen. Der praktische Akt, das tote Fleisch eines Tieres zu präparieren, wird von einem körperlichen Gemetzel begleitet; der Akt des Tötens von Tieren ist im Grunde falsch. Die philosophischen Konnotationen der Bewahrung und Wiederbelebung des Lebens durch den Präparationsprozess sind jedoch eine interessante Idee, die wir im Film untersuchen können, und es lassen sich viele Parallelen zum Prozess der Animation selbst ziehen.

 Eurer Stop-Motion-Film ist handwerklich auch sehr beeindruckend. Könnt ihr mir mehr zu den Vorbereitungen, Entstehungsprozess und Charakter-Design erzählen. Wie lange habt ihr an dem Film insgesamt gearbeitet?

Insgesamt dauerte die Fertigstellung des Films etwa zwei Jahre. Der Bau der Kulissen, der Puppen und aller präparierten Tiere war ziemlich zeitaufwändig. Wir wollten sie alle so realistisch wie möglich aussehen lassen und haben daher viel Zeit in die Recherche und Planung der Entwürfe für die Tiere und Charaktere investiert. Für einige der Nahaufnahmen verwendeten wir auch einen größeren Maßstab, damit wir mehr Details in den Händen erzeugen konnten und die künstlichen Fellfasern so nah wie möglich am echten Fell aussahen. Die Haut der menschlichen Marionetten wurde mit Silikon hergestellt, für das wir Erfahrungen mit unserem vorherigen Film gemacht haben, aber es ist ein zeitaufwändiger Prozess.

Welche (visuellen) Einflüsse haben eure Arbeit geprägt? 

Es gibt wahrscheinlich viele visuelle Einflüsse, die unsere Arbeit unbewusst inspiriert und geprägt haben, so dass es schwierig wäre, sie alle zu erklären. Wenn wir eine Liste von Filmen erstellen würden, die wir inspirierend finden, dann würde sie sicherlich Werke von Jan Švankmajer [„Little Otik“ (2000)], Andrej Tarkovsky und den Quay Brothers [„The Street of Crocodiles“ (1986)] enthalten.

Wie verlief eure gemeinsame Arbeit – ist es euer erster Film zusammen und gab es feste Arbeitsteilung? 

Dies ist unser zweiter Film in Co-Regie. Unser erster ist ein kurzer Stop-Motion-Film mit dem Titel „Simulacra“, den man hier online ansehen kann.

Es gibt keine feste Arbeitsteilung, sondern wir beide teilen uns die Arbeit an allen Aspekten der visuellen Produktion, von der Entwicklung unserer Filmidee bis hin zur Herstellung der Puppen, Sets und Animationen. Normalerweise entscheiden wir, wer von uns welche Figur macht, und wählen bestimmte Aufnahmen aus, die jeder von uns animiert. Ivana wird oft die subtileren, emotional getriebenen Sequenzen animieren, und ich übernehme vielleicht mehr die physischen Actionteile. Und wenn eine Szene mehr als eine Figur oder einen komplizierten Aufbau hat (wie z.B. die Aufnahmen des Bootes auf dem See), arbeiten wir oft zusammen.

 Könnt mir am Schluss noch ein bisschen mehr von euch erzählen und über die Animationsfilmszene in Kroatien? 

Die Animationsszene in Kroatien ist wunderbar. Es gibt viele sehr talentierte FilmemacherInnen, und es ist eine unglaubliche Gemeinschaft, Teil davon zu sein. Ivana und ich lernten uns vor zehn Jahren im norwegischen Volda kennen, wo sie gerade einen Abschluss in Animation machte. Die Zeit, die wir zusammen verbrachten, hat mein Leben auf wunderbare Weise verändert. Zwei Wochen später zog ich nach Kroatien mit dem Ehrgeiz, mein Leben mit Ivana zu teilen und auch, dass wir unsere Karriere im Bereich der Animation beginnen konnten. Zuerst arbeiteten wir als Puppenspieler und Animationsassistenten an einem ebenfalls vom Bonobo Studio in Zagreb produzierten Film mit dem Titel „ Anfang der Zeit…“, aber schon bald entwickelten wir unsere eigenen Filmideen.

 Sind bereits neue Projekte geplant? 

Wir haben mit der Produktion unseres dritten Films begonnen, der eine ähnliche Ästhetik haben und ein Stop-Motion-Marionetten-Kurzfilm sein wird, und befinden uns in der Anfangsphase. Der Titel und das zentrale Thema unseres neuen Films lautet Apathie. Es ist wirklich aufregend, unseren dritten Kurzfilm in Co-Regie zu drehen, und wir freuen uns darauf, ihn mit einem weltweiten Publikum zu teilen. Unser Ziel ist es, ihn im Frühjahr 2021 fertig zu stellen.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Imbued Life


Interview: In conversation with the two animation artists and filmmakers Ivana Bosnjak and Thomas Johnson, they tell us more about their second animated film „Imbued Life“ (OT: „Udahnut život“), seen in the International Competition of the 32nd Filmfest Dresden, the story behind it, how they approach their work together and what was important to them visually and story-wise during the realisation.

How did the idea for your film „Imbued Life“ come about? the tableaus sometimes have something nightmarish about them.

The initial inspiration to create this film came to us after having a taxidermy animal sitting on our shelf in our apartment in Zagreb. The animal was a pine marten and it had a strange uncanny feeling for us. The animal preserved in a moment; a still life staring down at us, as if it were expressing a part of itself but we were unable to communicate a response.  

It was our intention that part of the film would represent a recurring nightmare which haunts the female protagonist and encourages her into a personal journey of her connection with the natural world. We also wanted to express the life and beauty of nature and have a contrasting dynamic between these nightmarish tableaus and the gentle serenity of the girl being rooted into the natural world. 

Which message is close to your heart – is there a certain return to nature in the focus? Why do you go there via taxidermy?

Yes the idea of being truly connected with nature is a close message to our hearts. Through our film „Imbued Life“ we sought to explore this relationship with nature further. We are both fascinated with nature and animals and this film allowed us to present an introspective reflection upon the beauty of the ‘consciousness’ or ‘life force’ of nature. As humans we are a part of the natural world but this is too often overlooked in our modernity. The inclusion of taxidermy within the film’s narrative allows us to contrast transcendental ideas with the physical expressing symbols of life and death. Taxidermy is often just looked upon as being a macabre discipline. There is a visceral gore accompanying the practical act of preparing the dead flesh of an animal, the act of killing animals is essentially wrong. However the philosophical connotations of preserving and resurrecting life though the taxidermy process is an interesting idea for us to explore within the film and many parallels can be drawn with the process of animation itself. 

 Your stop motion film is also very impressive in terms of craftsmanship. Could you tell me more about the preparations, the creation process and character design. How long did you work on the film in total? 

In total the film took approximately two years to complete. Constructing the sets, the puppets and all of the taxidermy animals was quite time consuming. We wanted to make them all look as real as possible and so spent quite a lot of time researching and planning the designs for the animals and characters. We also used a larger scale for some of the close-up shots so that we could create greater detail in the hands and the artificial fur fibres looked as close to real fur as possible. The skin of the human puppets was made using silicone for which we have had experience with our previous film but it is a time consuming process.  

Which (visual) influences have shaped your work? 

There are probably lots of visual influences which have subconsciously inspired and shaped our work and so it would be difficult to account for them all. If we were to make a list of films that we find inspirational then it would certainly include works of Jan Švankmajer, Andrei Tarkovsky and the Quay Brothers. 

How was your work together – is it your first film together and was there a fixed division of labor? 

This is our second co-directed film. Our first is a short stop-motion film titled Simulacra and it’s available to view online here:

There isn’t a fixed division of labour in fact we both share the work on all of the visual production aspects from developing our film idea, to making the puppets, sets and animation. Normally we will decide which one of us is going to make which character and select particular shots which we will each animate. Ivana will often animate the more subtle emotional driven sequences and I might do more of the physical action parts. And when a scene has more than one character or a complicated setup (such as the shots of the boat in the lake), we often work together. 

 Could you tell me a little bit more about you and the animated film scene in Croatia? 

The animation scene in Croatia is wonderful. There are many very talented filmmakers and it is an incredible community to be a part of. Ivana and I first met ten years ago in Volda, Norway where she was completing a degree in animation. The time we shared together changed my life in the most wonderful way. Two weeks later I was moving to Croatia with both the ambition for me to share my life with Ivana and also for us to start our careers in the field of animation. We first worked as puppet makers and animation assistants on a film also produced by Bonobostudio in Zagreb called ‘In the Beginning of Time…’ but we were soon developing our own film ideas.  

Are there already new projects planned? 

We have begun and are in the early production stages of our third film which shall have a similar aesthetic, and will be a stop-motion puppet short film. The title and central theme of our new film is Apathy. It is really exciting to be creating our third co-directed short film and we will look forward to sharing it with a global audience. Our goal is for it to be completed in the spring 2021.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Imbued Life

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