„Nacht über Kepler 452b“ (2019)

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Kurzfilm / Deutschland / Dokumentation / 2019

Filmkritik: Die deutsche Dokumentation „Nacht über Kepler 452b“ von Ben Voit, die auf dem 62. DOK Leipzig ihre Weltpremiere feierte und u.a. auch bei den 30. Bamberger Kurzfilmtagen zu sehen war, erzählt in poetischer Weise von dem Thema Obdachlosigkeit.

Nachts in Berlin fahren Helfer:innen durch die Stadt, um Obdachlose vor dem Erfrierungstod zu bewahren. Doch leider können sie selten mehr helfen, als nur das direkte Überleben zu sichern.

Der Regisseur und Drehbuchautor Ben Voit nimmt sich dem Thema Obdachlosigkeit auf eine spezielle Art und Weise an. In seiner 14-minütigen Dokumentation begleitet er die Helfer:innen, die sich um die Obdachlosen kümmern. Ganz ohne Interviews und nur auf Beobachtungen stützend, zeigt er Missstände auf und wie es auch den toughen Helfer:innen hier und da an die Nieren geht. Der Aufruf zu einem Umdenken und notwendigen Änderungen im System werden hier nicht laut ausgesprochen, schwingt aber ganz natürlich im Film mit. Die Szenen, in denen Voigt von einer klassischen Dokumentarfilmsprache abrückt und die Protagonisten auf die Welt und vor allem die Nacht blicken lässt, sind eine der größten Stärken des Kurzfilms. Straßenbilder in Unschärfe, flackernde Lichter und Sinneseindrücke bestimmen u.a. die Auftaktbilder des Films, sie unterstreichen die Verlorenheit und geben dem Film anfänglich ein entrücktes Gefühl, das dann umso schärfer im Kontrast zur Lebenswirklichkeit der Obdachlosen steht. In diesen Bildern spiegeln sich möglicherweise auch die Sehnsüchte der Obdachlosen wider. So ist dem Regisseur Ben Voigt nicht nur eine sachliche Dokumentation gelungen, sondern er macht das Thema durch fast verträumte Bilder greifbar und bietet auf diese Weise einen ungewöhnlichen, aber gelungenen Zugang.

Fazit: Die deutsche Kurzdokumentation „Nacht über Kepler 452b“ von Ben Voigt nimmt die Zuschauer:innen mit auf eine Reise in eine kalte Nacht, in der Helfer:innen versuchen, Obdachlose vor dem Erfrieren zu bewahren. Mit einem gesellschaftskritischen, aber nicht wertenden Blick erzählt er seine Geschichte vor allem mit starken, teils verträumten Bildern und benötigt so keinen klassischen Erzählstil, um dem Anliegen Gewicht zu verleihen.  

Bewertung: 7/10

Schau Dir den Kurzfilme „Nacht über Kepler 452b“ hier an:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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