Neun Fragen an Sophie Linnenbaum

Sophie Linnenbaum beim 29. Filmfest Dresden 2017 © Michael Kaltenecker

Interview: Im Gespräch mit der deutschen Regisseurin und Filmstudentin Sophie Linnenbaum konnten wir mehr über die Entstehung einer ihrer neuesten Filme „Rien ne va plus“ erfahren, von ihrer Liebe zum Kurzfilm und warum sie sich dafür entschied das Ende ihres Kurzfilms „Pix“ zu ändern.

Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm „Rien ne va plus“ entstanden? Ich habe gehört, es gab eine Küchensitzung mit Deinem Mitbewohner Michael Fetter Nathansky, dem Regisseur von „Gabi“?

Die ursprüngliche Idee für die Geschichte basiert auf einem Erlebnis, das aber eigentlich anders ist als das im Film. Es umfasst einen geklauten Laptop, einen wütenden Mob und einen Callcentermitarbeiter in Bedrängnis – ist aber ein etwas umständlicher Rattenschwanz zu erzählen. Geschrieben haben Michael Fetter Nathansky und ich den Film gemeinsam, das heißt, da war auf jeden Fall die ein oder andere Küchentischsitzung in unserer WG mit dabei.

Wie lange hat es dann von der Idee bis zur Umsetzung gedauert? Worauf hast Du besonderen Wert bei der Inszenierung gelegt. Mir fiel auf, dass Du mit Deiner Kamera gerne sehr nah bei den Gesichtern Deiner Protagonisten geblieben bist.

Von der Idee bis zur Umsetzung ging es relativ schnell. Ich glaub für den ganzen Film haben wir ca. ein Jahr gebraucht. In der Geschichte bewegen sich die Figuren ja ein bisschen wie bei einer Spielanordnung, bei der sie durch „absurde Zufälle“ alle gemeinsam in diese Situation geschmissen werden. Da war sowohl beim Schreiben als auch beim Inszenieren die Herausforderung, die Balance zwischen formaler Erzählung und Authentizität zu finden. Eine weitere spannende Frage war es, wie man damit umgeht, dass die beiden Schauspieler, die am meisten miteinander kommunizieren nicht gleichzeitig am Set anwesend sind.  

Wo habt ihr gedreht? Waren es reale Schauplätze?

Wir hatten viel Glück, dass wir so nette Menschen gefunden haben, die uns ihr Dach und ihr Casino zur Verfügung gestellt haben. Dadurch, dass das Casino Nachmittags immer in Betrieb ging, hatten wir ein bisschen Zeitdruck beim Drehen, aber der Ort hat Spaß gemacht.

Deine Schauspieler sind großartig. Wie hast Du sie gefunden?

Ich war super dankbar über die schöne Zusammenarbeit mit dem gesamten Cast. Tatsächlich sind wir alle sehr unterschiedlich zusammengekommen. Michael Schenk zum Beispiel durfte ich auf dem klassischen Agenturweg kennenlernen und Jakob Bieber war zufällig einmal bei uns in der Schule bei einem Workshop gewesen und ist mir da aufgefallen. Michael Pink habe ich in „Die beste aller Welten“ von Adrian Goiginger [Anm. d. Red.: Regisseur von „Milliardenmarsch“, 2016] gesehen und dachte sofort, der ist es. Dann habe ich ihn direkt noch im Kinosaal der Berlinale angesprochen. Rike Eckermann habe ich über die Empfehlung einer guten Freundin von ihr kennengelernt. Michael und Rike spielen auch beide in meinem neuen Kurzfilm mit, worüber ich mich sehr freue.

Du bist dem Kurzfilm sehr verbunden. Kannst Du mir ein bisschen mehr zu Deiner Liebe zum Kurzfilm erzählen.

Für manche ist der Kurzfilm nur die Vorspeise, für mich (und zum Glück für viele andere) ist er einfach ein wunderschönes eigenständiges Gericht – mit vielen Freiheiten in der Zutatenwahl und daher manchmal mit einem ganz besonderem Geschmack.

Ich würde gerne nochmal über Deinen vorhergehenden Film „Pix“, der viele Preise gewonnen hat, mit Dir sprechen. Ich hatte den Film einige Male gesehen und da ist mir aufgefallen, dass Du das Ende abgeändert hattest. Kannst Du mir etwas zur Entstehung erzählen und warum Du Dich noch während des Festivalbetriebs für ein anderes Ende entschieden hast?

© Sophie Linnenbaum

Das ursprüngliche Ende von „Pix“ war ein klassischer Fall von vielen Ambitionen und zu wenig Geld. In meinem Kopf endete der Film mit einer pompösen Fahrt aus der Kulisse, in eine Totale in der wir die ganze Fabrik sehen mit unendlich vielen Kulissen, in denen gleichzeitig Bilder gebaut werden, aber am Set hatten wir dann nur unsere drei Stellwände und ein paar Meter Dollyschienen. Im Sound haben wir dann versucht die Welt mit einer Geräuschkulisse größer zu bauen, aber im Endeffekt blieb das Bauchgefühl, dass das, was ich eigentlich zeigen wollte und das was wir hatten nicht zusammen passte. Das hat mich auf den ersten Festivals nicht verlassen, auf denen ich den Film dann gemeinsam mit Publikum geschaut habe, darum haben wir uns dann von dem Ende getrennt.

Viel zum Erfolg des Films haben auch die Inszenierung und der Look selbst beigetragen. War es ein reiner One-Take? Und was war Dir bei der visuellen Umsetzung wichtig?

© Sophie Linnenbaum

Mit mehr Geld (und mehr Stellwänden ;)) hätten wir uns gerne an einem One-Take versucht für den Film, aber so mussten wir kreativ werden und unsere Möglichkeiten finden, an denen wir Schneiden und die Kulissen umbauen konnten. Der Film lebt ja von seiner visuellen Umsetzung, da hatte ich mit Christina Kirk als Szenographin, die sonst für das Theater arbeitet, eine starke Partnerin. Wir haben versucht, Bilder zu finden, in denen sich viele Menschen wiederfinden können, und uns beim Auf- und Abbauen viele Spielereien einfallen zu lassen.

Du studierst an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf in Potsdam und hast in kürzester Zeit drei Kurzfilme – „Pix“, „Kugelmenschen“ und „Rien ne va plus“ – realisiert. Das kommt mir sehr produktiv vor. Ist es üblich im Universitätsbetrieb so viel zu realisieren und hast Du einfach eine sehr starke Festivalpräsenz?

Die Masse täuscht ein bisschen, das ist das Geheimnis der langsamen Fertigstellung. Aber ja, die Film-Uni bietet viele Möglichkeiten sich mit anderen Studierenden zusammen zu tun und kleinere und größere Projekte zu verwirklichen. Da es mich immer reizt Filme zu drehen, versuche ich viele dieser Möglichkeiten wahrzunehmen. „Rien ne va plus“ war insofern ein Glücksfall, da in einem Studienjahr zu wenig Regisseurinnen waren und man sich bewerben konnte, ein Projekt zu machen. „Pix“ habe ich aber schon vor meinem Studium gedreht und es hat einfach unfassbar lange gebraucht ihn fertig zu machen.

Wie wird es bei Dir weitergehen? Ein Episodenfilm scheint in Planung zu sein. Kannst Du etwas mehr dazu erzählen?

Weiter gehen wird es mit einer wilden Mischung aus verschiedenen Kurzfilmgedanken und im Dunklen gärt da auch der ein oder andere Langfilm. Gemeinsam mit meiner Regie-Klasse habe ich letzten Sommer einen Episodenfilm gedreht, zu dem jeder einen Kurzfilm beigesteuert hat, da sind wir gerade in der Fertigstellung. Die Filme sind alle darüber verbunden, dass sie in Restaurants spielen, aber sind auch eigenständige Kurzfilme. Wie bereits erwähnt war ich froh hier wieder mit Rike und Michael arbeiten zu können und gleichzeitig die Bekanntschaft von anderen ebenso großartigen Schauspielerinnen zu machen, wie Christina Große und der wundervollen Emmi Büter, die in meinem Kurzfilm ihr filmisches Debüt gibt.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezensionen zu den Kurzfilmen „Rien ne va plus“ und „Pix

4 Gedanken zu “Neun Fragen an Sophie Linnenbaum

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