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Interview: Im Gespräch mit dem Filmemacher Dominic Wittrin konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „How to kill your family“ erfahren, der u.a. im Programm des 26. Landshuter Kurzfilmfestivals 2026 zu sehen war, warum sie sich dafür entschieden, dass die Drehbuchautorin Lea Gerstenkorn auch die einzige Rolle in dem Kammerspiel übernimmt und wie die Ideen bei der Geschichte alle zusammenfließen.
Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?
Die Idee zu diesem Film trug ich schon lange mit mir herum. Zum einen faszinierte mich die Vorstellung, dass eine Schauspielerin mehrere Figuren verkörpert – eine Begeisterung, die sicherlich auch aus meiner Liebe zum Theater stammt. Zum anderen wollte ich mich mit dem Kopfkino beschäftigen, das wir vor schwierigen Gesprächen oder Situationen entwickeln, und mit den mentalen Schubladen, in die wir – bewusst oder unbewusst – unser Umfeld stecken und die unsere Entscheidungen und Begegnungen beeinflussen. Wie viele persönliche Beobachtungen in den Film eingeflossen sind, kann ich kaum aufzählen – das Stichwort „Weihnachten mit der Familie“ dürfte aber vielen etwas sagen.
Deine Hauptdarstellerin Lea Gerstenkorn hat auch am Drehbuch mitgeschrieben. War sie von Anfang an in beiden Funktionen in das Projekt involviert? Wie ist es für eine Schauspielerin, den Film komplett allein zu tragen?
Zu Beginn war Lea ausschließlich am Drehbuch beteiligt. Gemeinsam haben wir die Idee immer weiterentwickelt und konkretisiert. Schon beim Schreiben wurde deutlich, welchen besonderen Zugang sie zum Stoff und zu den Figuren hatte und mit welcher Spielfreude sie sich darauf eingelassen hat. Auf der Rückfahrt von einem gemeinsamen Schreibwochenende in Köln hatte ich schließlich den Gedanken, der eigentlich längst auf der Hand lag: Lea sollte die Hauptrolle spielen. Ich habe sie direkt aus dem Zug angerufen und gefragt – zu meinem Glück hat sie zugesagt.
Wie es für sie war, den Film allein zu tragen, kann letztlich nur sie selbst beantworten. Ich kann nur sagen, dass sie diese Aufgabe mit einer beeindruckenden Leichtigkeit und Präzision gemeistert hat.
Warum habt ihr euch dagegen entschieden, am Ende eine reale Konfrontation mit den Eltern zu zeigen?
Das war weniger eine Entscheidung als ein grundlegender Teil des Konzepts. Der Film erzählt den inneren Prozess der Protagonistin Monika – ihr ganz persönliches Kopfkino und ihre Sicht auf ihre Familie. Dass wir die Familie am Ende überhaupt hören, war schon das Höchste der Gefühle.
Mich interessiert, was vor einem solchen Gespräch im Kopf passiert. Deshalb endet der Film genau an dem Punkt, an dem Monika ihr Kopfkino verlässt und in die Realität tritt. Was dann geschieht, können sich die Zuschauenden selbst vorstellen. Im besten Fall setzt sich der Film in ihrem eigenen Kopf fort. Ich glaube, wir alle kennen diesen Prozess – vielleicht nicht in genau dieser Situation, aber in irgendeiner Form. Und vielleicht regt der Film auch dazu an, darüber nachzudenken, wann unser Kopfkino uns hilft – und wann es uns eben in die Preiselbeeren setzt.
Dein Film ist im Rahmen Deines Studiums entstanden, richtig? Wie viel Zeit hattet ihr für das Projekt und wo habt ihr gedreht?
Der Film ist mithilfe der Hochschule entstanden, aber als eine Art „freies Projekt“, da er grundlegend als Bewerbung für die Filmhochschulen gedacht war. Für die Bewerbung wollte ich explizit etwas drehen, es gab also trotz „Freiheit“ eine sehr klare Deadline und einen klaren Rahmen. Durch verschiedene Turbulenzen waren es am Ende allerdings nur eineinhalb Monate, die von der Idee bis zum fertigen Film. Das war alles nur möglich, weil ich mit einem sehr eingespielten und großartigen Team arbeiten durfte, was mich sehr unterstützt hat. Wahrscheinlich die schnellste Produktionsphase meines bisherigen Filmschaffens. Schön und schlimm zugleich.
Ein Beispiel ist hier auch der Drehort. Hier durfte ich bei den Eltern eines langjährigen Freundes drehen. Das Haus kam mir sofort in den Kopf, schon im Schreibprozess. Ein Raum mit ganz vielen schönen Details und sehr viel Leben, der genau die richtige Grundlage für unsere Atmosphäre geliefert hat.
Was lag Dir visuell am Herzen?
Visuell habe ich sofort an Weihnachtsbilder denken müssen, an Portraits von Familien an Weihnachten – hiermit meine ich nicht nur Perspektiven, sondern auch die farbliche Gestaltung, Szenenbild, etc. Neben unserer Limitierung, dass wir nicht mehrere Figuren in ein Bild setzen konnten – und auch nicht wollten – haben wir versucht, subtil Klarheit zu erzeugen. So wollten wir immer ein „Nähegefühl“ zur originalen „Monika“ erzeugen und ein wenig mehr Distanz zu der Familie, die sie spielt. Außerdem bildet sie natürlich in unserer Auflösung unseren Ankerpunkt. Diese Klarheit hat uns dann ermöglicht, immer weiter in Monikas „chaotisches“ Kopfkino einzutauchen.
Trotz des schneelosen Januars haben wir es nebendran irgendwie geschafft, eine weihnachtliche Zeit zu erzählen. Wir haben extra noch abgesetzte Einstellungen mit Schnee gedreht, die es am Ende aber alle nicht in den Film geschafft haben, weil wir festgestellt haben, dass sich die weihnachtliche Zeit auch ohne Schneemann überträgt.
Kannst Du mir ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ohne jetzt meine Vita nachzuerzählen, mache ich es kurz. Meine Tendenz zum Erzählen hat sich immer wieder angedeutet, auch wenn ich sie nie wirklich akzeptieren wollte. Eine sehr lehrreiche und abgebrochene Schauspielausbildung hat mir geholfen, Klarheit über meine Erzählform zu finden. Eine Bankausbildung hat mir dann die nötige Akzeptanz für meinen Erzählwunsch geliefert. Und der erste „höllische“ Dreh eines chaotischen Kurzfilms hat dann endgültig meine Zweifel erloschen. Seitdem möchte ich diesen Beruf ausüben und arbeite darauf hin, dieses fragile Konstrukt von „Regie/Drehbuch als Existenzgrundlage“ auf die Beine zu stellen.
Natürlich ist diese Geschichte deutlich länger und ambivalenter als hier beschrieben, aber man möchte ja auch nicht langweilen, deshalb ist der Kurzfilm auch nur sieben Minuten lang und keine Zehn.
Sind bereits neue Projekte geplant?
OutingLea GerstenkornGlücklicherweise durfte ich gerade ein weiteres Kammerspiel abdrehen. Mein erster Film an der Filmakademie Baden-Württemberg mit dem Arbeitstitel „Bullsheiss“. Hier haben wir uns mit dem Thema Wahrheit und Verurteilung beschäftigt. Ein junger, queerer Politiker soll im Streit seinen Ex-Freund, die Treppe hinuntergestoßen haben – hiervon existiert ein Video. Mit seinem Pressereferenten beginnt er den Fall zu rekonstruieren, hierbei stellt sich die Frage, wie vermeintliche Wahrheit konstruiert wird. Eine absurde Geschichte, die einen durchaus an „How to kill your family“ erinnern kann. Es sei gesagt, hier spielt nicht jeder nur sich selbst, es gibt also hoffentlich etwas zu lachen.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „How to kill your family“



