Acht Fragen an Will Kindrick

Interview: Im Gespräch mit dem US-amerikanischen Regisseur Will Kindrick konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Storm“, gesehen im ‚Shock Block‘ auf dem 21. Landshuter Kurzfilmfestival (auch online verfügbar), erfahren, wie das Science-Fiction-Element erster später hinzu kam, warum er die visuellen Effekte fast alle selber gemacht hat und warum er sich so gut in die Rolle des Schauspielers beim Drehen hineinfühlen konnte. 

The original english language interview is also available.

Was war der Ausgangspunkt für Deine Science-Fiction-Geschichte?

Die Idee für „Storm“ lebte schon lange in meinem Kopf! Ich habe zu der Zeit viele Musikvideos gepitcht, mehrere pro Woche, und wie die meisten Regisseure hatte ich mit vielen Ablehnungen zu kämpfen. Die meisten meiner Konzepte tendieren eher zu Erzählungen als zu einem typischen Performance-Video. Ich habe einen Haufen Musikvideos gepitcht und bin dann lange aufgeblieben, um „Storm“ zu schreiben und ein Storyboard zu entwerfen. Ich habe die Geschichte buchstäblich jedem vorgetragen, der zuhören wollte. Ich merkte, dass die Leute die Geschichte wirklich gut fanden, also beschloss ich schließlich, eine Pause vom endlosen Pitchen von Musikvideos zu machen und es einfach zu verwirklichen.

Was war Dir wichtig bei der Umsetzung dieses Zukunftsszenario und mit welchen Mitteln hast Du dieses geschaffen?

John Bubniak

Storm“ spielt in der nahen Zukunft, ich denke, drei bis vier Jahre entfernt. Ich wollte, dass sich die Welt ein wenig vertraut anfühlt, mit dem Zusatz von kleinen technologischen Fortschritten wie dem transparenten Glastablett, das jedem aufgezwungen wird. Ich mochte die Idee, dass man selbst in der Zukunft die wasserdichte Technologie noch nicht perfektioniert hat! Was die visuellen Effekte angeht, so war dies ein leidenschaftliches Projekt, also habe ich so ziemlich alle VFX selbst gemacht. Dazu gehörte alles, von den animierten Grafiken auf dem Tablet, über die Blitze und den Regen, bis hin zum Wegretuschieren der hautfarbenen Unterwäsche! Das war auf jeden Fall eine Arbeit mit viel Herzblut.

Welchen visuellen Ansatz hast Du im Allgemeinen verfolgt?

Wasser war visuell und metaphorisch immer ein großer Teil dieser Geschichte. Wasser ist dieses extrem mächtige Element, das vor niemandem Halt macht und dich letztlich mitreißt und dein Schicksal bestimmt, wenn du nicht kämpfst und gegen den Strom schwimmst. Ich dachte auch, dass ein Sturm eine interessante Metapher für die unvermeidlichen Prüfungen ist, denen sich jedes Paar stellen muss, selbst wenn sie perfekt zusammenpassen. 

Ich wollte, dass diese Welt eher einen skurrilen, farbenfrohen Vibe hat, wie ein Märchen, als den typischen düsteren, dystopischen Look. Deshalb landet unser Held auf Geburtstags- und Poolpartys.

John Bubniak und Corey Potter

Nachdem ich meinen ersten Entwurf geschrieben hatte, zeichnete ich jede Szene auf Post-it-Zetteln auf, die ich überall in meiner Wohnung verteilte. Ich wollte sichergehen, dass alle Übergänge zwischen den Wasserportalen fließend und nahtlos waren, also gingen mein Kameramann und ich los und testeten sie alle mit mir als Test-Dummy. Ich hatte sehr viel Mitgefühl für unseren Hauptdarsteller John, als wir drehten, weil ich das alles schon selbst erlebt hatte! 

Hast Du Vorbilder, auf die Du hier referenzierst?

Ich bin ein großer Fan der animierten Kurzfilme von Pixar. Sie scheinen immer eine emotionale Geschichte mit minimalem Dialog zu erzählen. Ich glaube, mein Ziel war es vor allem, etwas zu machen, das sich wie ein Pixar-Kurzfilm anfühlt! Es gibt auch definitiv einige Einflüsse von „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ [Anm. d. Red. 2004, Regie: Charlie Kaufman], was die Launenhaftigkeit und die Emotionen angeht. Seltsamerweise habe ich in keiner Phase der Produktion auch nur einmal auf Sci-Fi verwiesen. Erst als wir auf Festivals gezeigt wurden und als Sci-Fi-Kurzfilm bezeichnet wurden, wurde mir klar, dass das unser Genre ist! Das machte total Sinn, ich hatte die Geschichte immer eher als Märchen gesehen!

Deine Besetzung ist wunderbar – hast Du sie über ein Casting gefunden?

John Bubniak

Danke schön! John Bubniak und Corey Potter, die unsere Hauptdarsteller spielen, waren beide so fantastische Funde. Es war mir wirklich wichtig, dass wir jemanden für die Hauptrolle finden, der nicht nur die heftigen körperlichen Herausforderungen meistert (er wird überall hin geworfen und mit Wasser aus nächster Nähe bespritzt, während er nackt herumläuft), sondern auch die emotionale Ernsthaftigkeit der Figur mitbringt. Ich hatte bei John schon einmal bei einem Musikvideo Regie geführt und wusste, dass er etwas Besonderes hat. Ich glaube, er war außer Landes, als wir das Vorsprechen abhielten, also ließ ich ihn ein selbst aufgenommenes Vorsprechen aus seiner Badewanne einreichen. Es war das letzte Vorsprechen, das wir sahen, und er hat sich wirklich ins Zeug gelegt und sich fast ertränkt! Ich war überwältigt!

Corey ist eine erstaunliche Tänzerin und Performerin, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel geschauspielert hat! Sie entschied, dass sie es versuchen wollte und antwortete auf unseren Casting-Aufruf aus einer Laune heraus. Sie kam mit einem tollen Vorsprechen und es war ziemlich schnell klar, dass sie unsere Natalie ist.

Storm“ ist als Proof of Concept für eine Serie entstanden, richtig?

Das ist richtig! Wir sind gerade mitten in der Entwicklung von etwas Spannendem. Es gibt definitiv noch viel mehr zu erforschen im „Storm“-Universum! 

Es war mir aber wichtig, dass der Kurzfilm als eigenständiges Ding heraussticht. Ich wollte eine eigenständige Geschichte machen, die sich nicht nur wie ein Trailer oder ein allgemeiner Pitch für etwas anderes anfühlt.

Kannst Du zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

John Bubniak und Corey Potter

Ich wuchs in Los Angeles als zweitjüngstes von sechs Kindern auf! Ich war immer derjenige, der mit der Heimkino-Kamera herumlief und meine Freunde und Geschwister dazu zwang, in meinen Superhelden-Filmen mitzuspielen. Regie zu führen war immer der Plan. Mein erster professioneller Job in der Branche, noch vor der Filmschule, war bei dieser Nickelodeon-Kindersendung namens „Yo Gabba Gabba“. Sie war ähnlich wie die Sesamstraße, mit vielen Puppen und herumlaufenden Monsterfiguren. Wir hatten prominente Gäste und angesagte musikalische Acts in der Show und schließlich fragten mich Bands und Künstler, ob ich für sie Musikvideos drehen würde. Ich arbeitete an allen vier Staffeln der Show und besuchte gleichzeitig die Filmschule am Art Center College of Design. Seitdem führe ich Regie bei Werbespots, Musikvideos und tauche jetzt mehr in die Welt der Erzählungen ein. 

Sind noch weitere Projekte geplant 

Ich entwickle gerade ein Feature, auf das ich sehr gespannt bin, und eine Graphic Novel, die auch ein Proof of Concept für anderes Features sein wird. Und natürlich die „Storm“-Serie! Ich bin überall dabei!

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Storm


Interview: In a conversation with US director Will Kindrick, we were able to learn more about his short film “Storm“, seen in the ‘Shock Block’ at the 21st Landshut Short Film Festival, how the science fiction element was added first later, why he did almost all the visual effects himself and why he was able to empathize so well with the actor’s role while shooting.

What was the starting point for your science fiction story?

The idea for “Storm” had been living in my mind for a long time! I was pitching a lot of music videos at the time, several a week, and like most directors I was facing a lot of rejection. Most of my concepts gravitate more towards narratives rather than your typical performance video. I would pitch a bunch of music videos then stay up late writing and storyboarding out “Storm“. I literally pitched the story to anyone who would listen. I noticed that people were really resonating with the story, so I finally decided to take a break from endlessly pitching music videos and just make it happen.

What was important to you in the realization of this future scenario and what means did you use to create it?

Storm” takes place in the near future, I imagine somewhere between 3-4 years from now? I wanted the world to feel somewhat familiar with the addition of minor technological advances like the transparent glass tablet forced onto everyone. I loved the idea that even in the future they still haven’t perfected waterproof technology! As far as the visual effects go, this was a passion project, so I pretty much did all of the VFX myself. This included everything from animated graphics on the tablet, to the lightning and rain, and even painting out the skin colored underwear! This was definitely a labor of love.

What visual starting points did you have in general?

Water was always a big part of this story visually and metaphorically. Water is this extremely powerful element that stops for no one, and will ultimately swoop you up and control your fate unless you struggle, swim and push back against the current. I also thought a storm was an interesting metaphor for the inevitable trials every couple has to face, even if they’re a perfect match. 

I wanted this world to have more of a whimsical colorful vibe like a fairytale rather than the more typical bleak dystopian look. That’s why our hero ends up at birthday parties and pool parties.

After writing my first draft, I storyboarded every scene on post it notes that I plastered all over my apartment. I wanted to make sure all of our water portal transitions were smooth and seamless, so my DP and I went out and tested them all out using myself as the test dummy. I had a lot of empathy for our lead actor John when we were shooting because I had already experienced it all myself! 

Do you have any inspirations that you reference here?

I’m a big fan of the Pixar animated shorts. They always seem to tell an emotional story using minimal dialogue. I think more than anything my goal was to make something that felt like a live action Pixar short! There’s also definitely some “Eternal Sunshine of the Spotless Mind” influence in there in terms of whimsy and emotion. Oddly enough I never referenced Sci Fi once during any stages of production. It wasn’t until we started getting programmed at festivals and labeled as a sci fi short that I realized that was our genre! It totally made sense, I had always just approached the story as more of a fairy tale!

Your cast is wonderful – did you find them through casting?

Thank you! John Bubniak and Corey Potter who play our leads were both such amazing finds. It was really important to me that we find someone for the lead who could not only take on the vigorous physical challenges (he’s getting tossed all over the place and sprayed point blank in the face with water, all while running around naked), but also bring the emotional gravitas to the character. I had directed John once before on a music video and knew he had something special. I think he was out of the country when we held auditions so I had him submit a self taped audition from his bathtub. It was the last audition we saw and he REALLY went for it, nearly drowning himself! I was blown away!

Corey is an amazing dancer and performer who hasn’t done much (or even any?) acting at that point! She decided she wanted to give it a try and answered our casting call on a whim. She came in strong with an amazing audition and it was clear pretty quickly that she was our Natalie.

Storm” was created as a proof of concept for a series, right?

That’s right! We’re in the middle developing something exciting right now. There’s definitely a lot more to explore in the “Storm“-universe! 

It was important to me though that the short film standout as its own thing. I wanted to do a stand alone story that didn’t just feel like a trailer or a broad pitch for something else.

Finally, can you tell us a bit more about yourself and how you got into film?

I grew up in Los Angeles, the second to youngest of 6 kids! I was always the one running around with the home movie camera forcing my friends and siblings to be in my superhero movies. Directing was always the plan. My first professional job in the industry, even before film school, was on this Nickelodeon kids show called “Yo Gabba Gabba”. It was similar to Sesame Street with lots of puppets and walk around monster characters. We’d have celebrity guests and hip musical acts come on the show and eventually bands and artists started asking me if I would direct music videos for them. I worked on all four seasons of the show while simultaneously attending film school at Art Center College of Design. Ever since I’ve been directing commercials, music videos and now diving more into narratives. 

Are there any other projects planned? 

I’m currently developing a feature that I’m very excited about, and a graphic novel that will also be a proof of concept for different features. And of course the “Storm” series! I’m all over the place!

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “Storm

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