„Flesh“ (2019)

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Kurzfilm / Brasilien, Spanien / Animation / 2019

Filmkritik: In dem Kurzfilm „Flesh“ (OT: „Carne“), gesehen im Kurzfilmprogramm des 62. DOK Leipzig, beschäftigt sich die brasilianische Filmemacherin Camila Kater mit dem Frausein und wie der gesellschaftliche Blick dort mit hinein spielt.

Anhand von Fleischkochstufen, von roh bis gut durch, erzählen verschiedene Frauen in fünf Kapiteln von ihren Erfahrungen mit ihrem Körpern u.a. ihrem Übergewicht und dem Übergang in die Menopause. Diese hört man nur im Off-Kommentar. Dazu werden von unterschiedlichen Animationskünstlern die passenden Bildern kreiert. 

Angefangen hat alles mit Unterhaltungen in der Familie und im Freundeskreis, durch die die Regisseurin Camila Kater herausfand, dass es viele unterschiedliche Geschichten von Frauen und ihrem Körpergefühl gibt. Doch es gab auch immer wieder Überschneidungen, u.a. wie die Außenwahrnehmung die Sicht auf den eigenen Körper verzehren kann. So wird der weibliche Körper zu Fleisch, das begehrt oder verachtet wird. In diesem Sinne gliedert sie ihren Anime-Dok in die fünf Garstufen von Fleisch: roh, blutig, rosa, halb durch und durch. Dabei greift sie die Geschichten von fünf Frauen heraus, die sowohl individuell als auch exemplarisch sind. Um dies besser zu verdeutlichen, wird jede Episode in einem anderen Animationsstil ausgestaltet. So wurde mit Ölmalerei, Stop-Motion, Wasserfarben, digitalen 2D-Animationen und Malerei auf 35mm Film gearbeitet. Alle Episoden entstanden dabei aus der Hand einer anderen Animatorin. So sind es nicht nur die Geschichten selbst, welche den Blick auf die Weiblichkeit und ihrer Sozialisierung richten, sondern auch die Animationen. Die Vielfältigkeit belebt die Geschichten und schafft ein Animationsfilm, der es in sich hat. Mit dem Wissen, dass es noch viel mehr Geschichten dieser Art gibt, schafft es die Regisseurin Kater das Bewusstsein für diese Themen zu schärfen und dem fast schon tabuisierten Thema des weiblichen Körpers, abseits von gesellschaftlichen Stereotypen und dem männlichen Blick, eine Bühne zu geben. Davon möchte man unbedingt mehr sehen.

Fazit: Der brasilianische Film „Flesh“ erzählt fünf Geschichten verschiedener Frauen, die zwar alle etwas Individuelles, mit einem eigenen Animationsstil versehen, erzählen, aber gleichzeitig entsteht ein Gesamtbild über Weiblichkeit und dem Umgang mit dem eigenen Körper. Zusammen ergibt das ein starken, stimmigen Film, der den richtigen Riecher der Regisseurin Camila Kater für die Stoffe beweist und zeigt, über welche Themen man offener und vor allem unvoreingenommener sprechen sollte.  

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Flesh“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu “„Flesh“ (2019)

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