Sechs Fragen an Maria Trigo Teixeira

Interview: Im Gespräch mit der in Portugal geborenen Filmstudentin Maria Trigo Teixeira sprachen wir über ihren Abschlussfilm „Inside Me“, der u.a. auf den Bamberger Kurzfilmtagen gezeigt wurde, warum sie sich für dieses Thema entschieden hat und was ihr bei der Umsetzung auf visueller und erzählerischer Ebene wichtig war.

The original english language interview is also available.

Erzähl mir mehr über die Entstehung Deines Kurzfilms „Inside Me“?

Inside Me“ ist mein Abschlussfilm von der Filmhochschule Babelsberg Konrad Wolf. Ich habe mich schon immer für das Format des animierten Dokumentarfilms interessiert, und nach einem Gespräch mit einer Freundin kam mir die Idee, mich mit dem Thema Abtreibung auseinanderzusetzen. Ich wusste, dass ich ziemlich lange an dem Film arbeiten würde und wollte sicher sein, dass mir das Thema wichtig erscheint. Ich interessierte mich für die Komplexität der Gefühle, die Frauen empfinden können, wenn sie sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entschließen, und wie das im Kontrast zu dem sehr schwarzen oder weißen, Ja-oder-Nein-Dialog steht, der normalerweise mit diesem Thema verbunden ist. Der erste Schritt war, Frauen zu finden, die ihre Geschichten für den Film erzählen würden. Ich habe nur Ton aufgenommen, was den Prozess meiner Meinung nach sehr erleichtert hat. Es war ziemlich intensiv und auch sehr schön, Fremde zu haben, die einem so persönliche Erfahrung mit uns teilen.

Erzähl mir mehr über die Recherche des Films. Die Geschichte, die Du erzählst, ist doch nur eine von vielen, richtig?

Ja, es ist nur eine. Ich begann damit, vier verschiedene Frauen zu treffen und die Gespräche aufzuzeichnen, und zuerst dachte ich, der Film würde eine Mischung aus diesen Geschichten sein. Doch während ich den Ton schnitt, wurde mir klar, dass mein Film zu kurz war, um den verschiedenen Geschichten genügend Raum zu geben, sie würden sehr oberflächlich behandelt werden. Also beschloss ich, dass es besser wäre, mich nur auf eine von ihnen zu konzentrieren. Eine detaillierte Geschichte würde die Komplexität des Themas besser wiedergeben und dem Publikum helfen, sich in den Protagonisten einzufühlen.

Du wählst einen einfachen Stil mit starken metaphorischen Bildern. Kannst Du mir mehr zu der visuellen Ausgestaltung erzählen?

Ich wusste von Anfang an, dass ich analog arbeiten und eine Technik anwenden wollte, bei der die Bilder, an denen ich arbeiten würde, den endgültigen Bildern, die wir im Film sehen, sehr nahe kommen würden. Die schwarze Tinte und der schwarze Pinsel fühlten sich für mich wie eine natürliche Wahl an, weil es ein Medium ist, mit dem ich mich wohl fühle und mit dem ich mich daher leicht ausdrücken kann. Dadurch, dass ich den Animationsstil einfach gehalten und unter der Kamera animiert habe, war ich frei, die Bilder während der Animation zu erforschen. Ich animierte eine kleine Sequenz, und wenn ich nicht zufrieden war, warf ich sie weg und fing von vorne an. Ich hatte einige kleine Skizzen mit einigen Bildideen gemacht, aber es gab nie ein detailliertes Storyboard, so dass während der Animation viel improvisiert wurde.

Einer der Vorteile der Arbeit mit Voice-Over ist, dass sie den Bildern eine größere Freiheit gibt, da die Geschichte bereits durch den Ton erzählt wird. In diesem Sinne habe ich die Bilder verwendet, um der Geschichte eine weitere Bedeutungsebene hinzuzufügen. Oft war es mein Ziel, durch die Bilder und das Sounddesign Emotionen darzustellen, die meiner Meinung nach nicht mit Worten erklärt werden können.

Wie lange hat die Realisierung im Gesamten gedauert? 

Etwa zwei Jahre, aber nicht kontinuierlich. Das erste Jahr war entspannter und ich habe nebenbei auch noch andere Sachen gemacht. In den letzten 10 Monaten habe ich dann sehr intensiv an dem Projekt gearbeitet. Der Schnitt des Audio-Interviews dauerte ziemlich lange, und die Animation dauerte etwa sieben Monate. Es war sehr schön, dass der Film kurz nach seiner Fertigstellung in Curtas Vila do Conde (Portugal) seine Premiere hatte.

Kannst Du mir zum Schluss noch mehr über Dich erzählen – wie hat es Dich von Lissabon nach Potsdam verschlagen?

Ich komme ursprünglich aus Lissabon, aber mit 18 Jahren zog ich nach Porto, um Grafikdesign zu studieren. Nach der Universität wollte ich ein Praktikum im Ausland machen und wählte Deutschland. Schließlich zog ich nach Dresden, und nachdem mein Praktikum vorbei war, wurde mir eine Stelle angeboten, und ich blieb ein Jahr länger. Während dieser Zeit merkte ich, dass in Deutschland sehr gute Studienbedingungen herrschten und dass es vielleicht noch nicht zu spät war, meiner Leidenschaft für Animation zu folgen. Also begann ich mit der Vorbereitung meiner Bewerbung und beschloss, meinen Arbeitsvertrag nicht zu verlängern. Ich zog für ein paar Monate zurück nach Portugal, und dann kam im Sommer der Brief: Ich wurde an der Filmhochschule Babelsberg Konrad Wolf angenommen!

Gibt es schon neue Projekte?

Im Moment arbeite ich an „Taku Tsubo“, einem animierten Kurzfilm von Eva Pedroza und Fanny Sorgo. Ich helfe bei der Produktion, und wir hoffen, bald eine Finanzierung zu erhalten. Gegen Ende des Jahres möchte ich wieder anfangen, einen neuen eigenen Kurzfilm zu schreiben.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Inside Me


Interview: In our conversation with Portuguese born film student Maria Trigo Teixeira we talked about her graduation film „Inside Me„, which was shown at the Bamberg Short Film Festival, why she chose this topic and what was important to her in its visual and narrative realization.

Tell me more about the making of your movie „Inside Me„?

Inside Me“ is my graduation film from the Film University Babelsberg Konrad Wolf. I have always been interested in the animated documentary format and after talking to a friend, the idea of exploring the subject of abortion occured. I knew I was going to be working on the film for quite long and wanted to be sure that its subject felt important to me. I was interested in the complexity of feelings that women may experience when deciding to terminate a pregnancy and how that contrasts with the very black or white, yes or no, dialog that is usually connected with this topic. The first step was to find women who would share their stories for the film. I recorded only audio, which I belive made the process much easier. It was quite intense and also very beautiful to have strangers sharing such a personal experience with us.

Tell me more about the research for the film. The story you are telling is just one of many, right?

Yes it is just one. I started out by meeting four different women and recording the talks and at first I thought the film would be a mix of these stories. However while editing the audio I realised that my film was too short to give enough space to the different stories, they would be treated very superficially. So I decided it would be better to focus on just one of them. A detailed story would better portray the complexity of the subject and also help the audience empathise with the protagonist.

You choose a simple style with strong metaphorical images. Can you tell me more about the visuals?

I knew I wanted to work analog from the beginning and to use a technique in which the images I would be working on would be very close to the final images that we see in the film. The black ink and brush felt like a natural choice for me because it is a medium which I feel comfortable with and therefore can express myself easily with. By keeping the animation style simple and animating under the camera, I was free to explore the images while animating. I would animate a little sequence and if I wasn’t happy I would throw it out and start again. I had made some little sketches with some image ideas but there was never a detailed storyboard, so there was a lot of improvisation while animating.

One of the advantages of working with voice over is that it gives a bigger freedom to the images, since the story is already being told through the audio. With this in mind I used the visuals to add another layer of meaning to the story. Often my goal was to portray, through the images and sound design, emotions which I felt can’t be explained with words.

How long did it take to realize the whole thing?

Around two years but not continuously. The first year was more relaxed and I was doing also another stuff on the side. Then for the last 10 months I was working very intensivly on the project. Editing the audio interview took quite long, and the animation was around 7 months. It was very nice that the film had its premiere in Curtas Vila do Conde (Portugal) very shortly after it was finished.

Finally, can you tell me more about yourself – how did you go from Lisbon to Potsdam?

I am originally from Lisbon but when I was 18 I moved to Porto to study Graphic Design. After University I wanted to do an internship abroad and chose Germany. I ended up moving to Dresden and after my internship was over I was offered a job and stayed one extra year. During this time, I noticed that Germany had very good conditions for studying and that maybe it was not too late to follow my passion for animation. So I started preparing my application and decided not to renew my job contract. I moved back to Portugal for a few months and then in the summer the letter came, I got was accepted at the Film University Babelsberg Konrad Wolf!

Are there already new projects planned?

At the moment I am working on „Taku Tsubo“ an animated short by Eva Pedroza and Fanny Sorgo. I am helping with the production side and we are hoping to get some funding soon. Towards the end of the year I want to start writing a new short of my own again.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Inside Me

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.