„I Am Not Okay with This“ (Staffel 1, 2020)

Serienkritik: Nachdem bereits die Netflix-Serie „The End of the F***ing World“ aus der Hand des Serienmachers Jonathan Entwistle sehr gut vom Publikum angenommen wurde, setzte er nun gemeinsam mit Christy Hall noch eine weitere Graphic Novel des amerikanischen Autors Charles Forsman um. In nur sieben Folgen präsentiert uns die neue Serie „I Am Not Okay with This“ eine Coming-of-Age-Geschichte mit großartigen Darstellern und düsteren Mystery-Elementen.

Die 17-jährige Sydney (Sophia Lillis) fühlte sich schon immer wie ein Außenseiter. Mit ihrer Mutter (Kathleen Rose Perkins) sowie den meisten ihrer Mitschüler kommt sie nicht so richtig klar. Wohl fühlt sich nur mit ihrem kleinen Bruder Liam (Aidan Wojtak-Hissong) und bei ihrer besten Freundin Dina (Sofia Bryant). Als Stanley Barber (Wyatt Olef) in ihr Leben tritt und mehr als nur ein Freund sein will, wird ihr auch noch klar, dass sie bereits für jemand anderen starke Gefühle hat. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, hat sie vor kurzem auch noch herausgefunden, dass sie unkontrollierbare, telekinetischen Fähigkeiten besitzt, die leider immer dann aus ihr herausbrechen, wenn sie gefühlsmäßig überlastet ist. Wie soll sie damit nur das Abschlussjahr überstehen?

Sofia Bryant, Wyatt Oleff und Sophia Lillis

Der amerikanische Autor und Zeichner Charles Forsman (*1982) zeichnete 2017 die Graphic Novel „I Am Not Okay with This“, die sich in seinem mittlerweilen etablierten Stil wieder mit einer Jugendlichen beschäftigt, die nicht so richtig in das Highschool-Leben reinpasst, wie auch schon in seinem Debütwerk „The End of the F***ing World“, das bereits 2017 von Jonathan Entwistle (*1984) in zwei Staffeln adaptiert wurde. Bei seinem neuesten Werk sicherte sich Netflix die Rechte und die Serienmacher Jonathan Entwistle und Christy Hall setzten das Comicbuch stilsicher in eine siebenteilige Serie um. Dabei erzählen sie aus der Sicht Sydneys, die uns mit ihren Off-Kommentaren leitet, von ihren Erlebnissen und wie ihr nach und nach alles aus der Hand gleitet. Gestartet wird mit einem eindrucksvollen Bild der komplett mit Blut beschmierten Sydney, so dass dem Zuschauer schwant, dass es kein gutes Ende nehmen wird. Die Anleihen bei „Carrie“, dem Film oder auch dem Roman von Stephen King, sind unverkennbar. Nicht nur die besonderen Fähigkeiten und das Außenseitertum, sondern auch die dominante Mutter sind auch hier prägende Elemente. Doch die Serie schämt sich keineswegs ihrer Ursprünge und möchte das Rad auch nicht neu erfinden. Aber sie liefert trotzdem eine extrem gute Mischung aus Mystery und Coming-of-Age-Geschichte mit einem gelungen modernen Stil ab.

Wyatt Oleff und Sophia Lillis

Dieser entsteht nicht nur aus dem gefühlt zeitlosen Ort, was sich auch immer mal wieder in der Kleidung von Sydney und Stanley niederschlägt, sondern auch durch die durchweg gelungene Bildsprache, welche die Figuren und Orte gut einzufangen weiß. Das Ganze wird dann noch von der passenden Musik unterlegt und mit guten Effekten, die auch teilweise an horrorhafte Szenarien heranreichen, ausgestattet. Doch der größte Pluspunkt der Serie ist der wunderbare Cast, der definitiv das Herzstück bildet. Allen voran Sophia Lillis, die man bisher vor allem aus „Es“ (2017) als Beverly Marsh kennengelernt hat. Sie spielt ihre Figur mit der richtigen Ambivalenz und als Zuschauer steht man ihr sofort bei und hofft, dass nicht alles ein katastrophales Ende nimmt. Aber nicht nur sie überzeugt. Wyatt Oleff ist der perfekte Gegenpart und hat alle Sympathien auf seiner Seite. Es ist wunderbar wie mühelos und sympathisch er so anders als der Rest ist. Doch auch alle anderen Rollen sind hervorragend besetzt und tragen die Zuschauer durch die Geschichte, welche in ihren sieben Folgen schnell voranschreitet ohne wirklich irgendeine Art Leerlauf zu besitzen. So hat die Serie auch eine enorme Sogwirkung, der man sich spätestens nach zwei Folgen nicht mehr entziehen kann. 

Sophia Lillis und Aidan Wojtak-Hissong

Fazit: Die amerikanische Serie „I Am Not Okay with This“, basierend auf einer Comicvorlage von Charles Forsman, ist von den SerienmacherInnen Jonathan Entwistle und Christy Hall wunderbar umgesetzt und schafft es eine besondere Coming-of-Age-Geschichte im Serienformat einzufangen. Die Geschichte der Außenseiterin Sydney, wunderbar gespielt von Sophia Lillis, ist spannend, mitreißend und humorvoll, so dass man die Gesamtlänge von 156 Minuten gerne auch am Stück schauen kann, denn Längen und Langeweile gibt es hier nicht. Perfekte Serienunterhaltung, von der man sich mehr wünscht. Da das Ende recht offen gestaltet ist, wird es wohl definitiv noch mehr davon geben – man kann also gespannt sein.

Bewertung: 5/5

Trailer zur ersten Staffel der Serie „I Am Not Okay with This“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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