„Maniac“ (Staffel 1, 2018)

Serienkritik: Der Streaming-Anbieter Netflix ist mittlerweile zu einer Plattform für außergewöhnliche Serien geworden und für viele Ideen offen. Auch wenn nicht alle Neuerscheinungen wirklich Hits werden, kann man sich darauf verlassen, dass Netflix neue, spannende Stoffe produziert und vermarktet. Bei der Mini-Serie „Maniac“, bestehend aus zehn Folgen, waren die Voraussetzungen besonders fruchtbar. Aus der Hand von Cary Joji Fukunaga, mit den beiden Hauptdarstellern Emma Stone und Jonah Hill sowie der Möglichkeit mit vielen Genres zu spielen, konnte die Serie schnell viele Zuschauer für sich begeistern.

Eine Studie verspricht, die Traumata der Testpersonen mit Hilfe von drei Pillen zu therapieren. Auch wenn Annie (Emma Stone) nicht an das Resultat der Studie glaubt, tut sie alles dafür ein Proband sein zu dürfen, weil sie durch illegale Beschaffung schon länger nach der ersten Pille süchtig ist, welche ihr immer schmerzlich den Verlust ihrer Schwester Ellie (Julia Garner) vor Augen führt. Owen (Jonah Hill) hat ganz andere Gründe, um an der Studie teilzunehmen. Er stammt aus einem reichen Elternhaus und muss als Außenseiter jetzt den Kopf für seinen Bruder Jed (Billy Magnussen) hinhalten. Zudem leidet er unter Halluzinationen, die ihn auf die Studie und Annie aufmerksam machen und er wittert eine Verschwörung. Unter der Leitung des Supercomputers Gertie (Sally Field) sollen nun die Probanden geheilt werden, doch dieser leidet selbst unter Depressionen und führt Annie und Owen in unzähligen Traumwelten immer wieder zusammen.

Die Netflix-Serie „Maniac“ basiert sehr lose auf einen norwegischen Vorgänger. Gemein haben sie vor allem den Titel und das Thema der psychischen Erkrankungen. Der mittlerweile hoch gelobte Regisseur Cary Fukunaga (*1977), bekannt für die erfolgreiche erste Staffel von „True Detective“ (2014) und dem Film „Beasts of No Nation“ (2015), macht etwas anders daraus. Er erzählt eine verschachtelte Geschichte einer medizinischen Studie. Angesiedelt ist diese dabei in einer Zukunft, welche stark von asiatischen Einflüssen geprägt ist, in der Hightech-Spielereien vorhanden sind, die aber andere Fortschritte (u.a. Smartphones) unserer heutigen Zeit vermissen lässt. So besitzt die Serie eine außergewöhnliche Mischung aus schmutzigem Retrolook und teils dystopischer teils überstilisierter Zukunftsvision. Doch die real existierende Welt, in der sich der Vater von Annie, gespielt von Hank Azaria, in einer futuristischen Box im heruntergekommenen Garten versteckt, wird immer wieder durch die Halluzinationen der Experiment-Teilnehmer durchbrochen. Hier reist die Geschichte zu anderen Orten und Zeiten und führt Annie und Owen in eine Gangsterwelt in den 20er Jahren, in eine Fantasywelt á la „Herr der Ringe“ und tobt sich überall mit Stereotypen aber auch Überraschungen und vielen Wendungen aus. Dabei kann der Filmfreund viele Zitate ausmachen und das zeigt wie referentiell die ganze Serie selbst gestaltet ist. Manchmal verliert sie dabei die eigentliche Geschichte aus den Augen. Der rote Faden lässt sich dadurch teilweise schwer ausmachen. Werden doch nicht nur die Stränge der beiden Hauptdarsteller erzählt, sondern auch die Geschichte des Supercomputers und seiner beiden Erschaffer, gespielt von Justin Theraux und Rome Kanda. Immer wieder fügt die kurze Serie, als Miniserie betitelt, neue Elemente ein und schafft es trotzdem viele Minuten lang keine Handlung voranzutreiben. So funktioniert das Konzept vor allem für Zuschauer hervorragend, die sich gern in einem Bad der Bilder treiben lassen.

Die Filmaufnahmen und das Ensemble machen die Stärke der Serie aus. Vor allem die Ausstattung der realen Welt bereitet mit ihrem Mischmasch-Look Freude. Aber auch die Ausflüge in die Köpfe der Protagonisten und die Überraschungen, wo es wohl als nächstes hingehen wird, fesseln die Zuschauer an die Serie. Doch die starke Diversität der Zusatz-Fantasie-Geschichten bedingt auch das Interesse der Zuschauer. Während die Geschichte von Annie und Owen, die als White-Trash-Pärchen einen Lemuren retten, spannend und fantastisch ist, interessiert u.a. der Ausflug in die Elfen-Welt weniger. So besitzt die Serie Höhen und Tiefen und verspielt damit eine dauerhafte Sogwirkung. Doch die beiden Darsteller Emma Stone, immer wieder entzückend u.a. in „La La Land“ (2016) und „Battle of Sexes“ (2017), und Jonah Hill, den man vorher in Filmen wie „The Wolf of Wall Street“ (2013) und „War Dogs“ (2016) noch nie so schlank gesehen hat, spielen sich die Bälle gut zu und man sieht ihnen an, dass sie sich in den Rollen richtig gut ausleben konnten. Aber auch die Nebenrollen, allen voran Sally Field (u.a. bekannt durch „Mr. Doubtfire“ (1993)) in einer Doppelrolle als harsche Therapeutenmutter und Supercomputer sowie Justin Theroux („Mulholland Drive“ (2001), „Bad Spies“ (2018)) überzeugen hier nicht nur mit einem besonderen Look ihrer Figuren, sondern dem Hauch zu Übertreibungen. Im Gesamten ist die Serie „Maniac“ gewollt sehr stylisch, unberechenbar und will sich schwer einordnen lassen. Auch wenn es hier und da etwas zu bemüht oder übertrieben ist, schafft es die Serie, die meiste Zeit konsistent gut zu unterhalten und mit einer ungewöhnlichen Inszenierung die Zuschauer, welche sich auch ein wenig auf Experimente einlassen wollen, gut zu unterhalten.

Fazit: Die amerikanische Netflix-Serie „Maniac“, hochkarätig besetzt mit Emma Stone, Jonah Hill und weiteren bekannten Darstellern, aus der Hand des nächsten „James Bond“-Regisseurs Cary Fukunaga, ist wie ihre Geschichte selbst ein Experiment. Mit einem recht losen roten Faden springt Fukunaga durch die Zeiten und Stile und zitiert währenddessen munter drauf los. So bietet sie mit ihren zehn Folgen keine geradlinige Erzählung und besitzt auch die ein oder andere unnötige Länge. „Maniac“ ist ein gelungener Versuch wie moderne Serien sein können und wie gut sie auf diese ungewöhnliche Art unterhalten können.

Bewertung: 4/5

Trailer zur ersten Staffel der Serie „Maniac“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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