Fünf Fragen an Nico van den Brink

Interview: Auf dem 19. Landshuter Kurzfilmfestival konnte der niederländische Kurzfilm “Sweet Tooth” die Zuschauer an ihre Sitze fesseln. Die Testkammer hat sich mit dem niederländischen Filmemacher Nico van den Brink über sein Kleinod, weitere Projekte und wie man es schafft, eine intensive Atmosphäre in kürzester Zeit aufzubauen, unterhalten.

The original english language interview is also available.

Ich sah “Sweet Tooth” auf dem 19. Landshuter Kurzfilmfestival und er packte mich von der ersten Minute an. Wie kam es zu der Idee zu dem Film?

Danke, das ist wirklich nett! Die Geschichte von “Sweet Tooth” entstand wegen des schreienden Babys in der Wohnung über uns. Sie weinte wirklich viel und außerdem gab es noch ein paar ältere Kinder, die bis spät abends ziemlich laut waren – bis es eines Tages unheimlich leise war. Das war der Ausgangspunkt der Geschichte.

Du schaffst es in kürzester Zeit eine dichte Atmosphäre aufzubauen und das in so einer normalen Umgebung. Wie ist Dir das gelungen? Worauf lag Dein Fokus?

Für mich dreht sich alles um Rhythmus und Sounddesign, wenn es darum geht, Spannung zu erzeugen. Mit einem Fünf-Minuten-Film kann man nicht von der ersten Sekunde an alles erreichen. Man muss geduldig sein und die Spannung so weit wie möglich strecken. Ich mag es sehr, wenn Horrorfilme – kurz und lang – sich auf den Schrecken den sie bringen beschränken, so dass „Sweet Tooth“ in diesem Sinne zu einem sehr minimalen Film wurde. Außerdem gefällt mir die Herausforderung, ein gewöhnliches Setting gruselig zu machen. Das bringt es viel näher an die eigene Lebenswirklichkeit, als wenn man, sagen wir, ein gruseliges altes Haus als Ausgangspunkt hat. Ein Horrorfilm sollte einem Angst vor der eigenen Umgebung machen und die meisten Menschen leben nicht in einem Geisterhaus, sondern in einer ganz gewöhnlichen Umgebung.

Dein Film ist mit fünf Minuten recht kurz. Man hätte vermutlich auch länger erzählen können. War die Kürze wichtig?

Nico van den Brink beim 19. Landshuter Kurzfilm-Festival

Nun, man muss effizient sein, schätze ich. Spannung braucht Zeit, aber wenn man mit dem richtigen Bild oder der richtigen Information kommt, kann man den Betrachter in manchen Fällen schneller in einen Zustand der Wachsamkeit bringen. Wenn du es also schaffst, schnell eine Form von Angst oder Spannung zu erzeugen, kannst du dir die Zeit nehmen, das danach auszunutzen. Und ein paar Minuten sind mehr als genug, um die Leute an den Rand ihrer Sitze zu bringen. „Sweet Tooth“ ist im Grunde nur eine Szene. Wir nutzen einen Telefonanruf und externe Informationen im Fernsehen, um eine Hintergrundgeschichte und ein Rätsel am Anfang zu schaffen. Der Rest macht sich das nur zunutze.

Apropos länger erzählen: James Wan wird die Langfilmvariante von Sweeth Tooth produzieren und es wird dein Langfilmdebüt. Wie kam es dazu und kannst du schon andeuten ob und wie Du die Geschichte ausbauen wirst?

Ja, ich entwickle den Spielfilm mit New Line Cinema, Atomic Monster (James Wan) und Good Fear (Chris Bender). Es ist wirklich aufregend. Ich bin schon lange ein Fan von Wan und New Line ist wirklich der richtige Ort, wenn es darum geht, der Welt Horror zu bringen. Also schätze ich mich sehr glücklich. Alles entstand, weil „Sweet Tooth“ auf dem Fantasia Film Festival in Kanada gezeigt wurde. Einige Leute haben den Film dort bemerkt und deshalb wurde mein jetziges Management – Good Fear – darauf aufmerksam, die einen First-Look-Deal mit New Line haben. Ich kann nicht viel über die Richtung sagen, in die die Geschichte geht, aber ich kann sagen, dass es unheimlich sein wird!

Wie geht es ansonsten weiter? Wirst Du weiterhin in den Niederlanden bleiben und reizt es Dich als Filmemacher nach Amerika zu gehen?

Ich arbeite gerade an einem neuen Horrorfilm in den Niederlanden. Wenn alles nach Plan läuft, werden wir das Anfang November fertig haben, also werde ich bis dahin hier sein. Wir werden sehen, was danach passiert.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Ebenfalls auf der Testkammer: Die Rezension zu “Sweet Tooth”


Interview: At the 19th Landshut Short Film Festival, the Dutch short film “Sweet Tooth” was able to captivate viewers. Testkammer talked to the Dutch filmmaker Nico van den Brink about his little gem, other projects and how to create an intensive atmosphere in a very short time.

I saw your “Sweet Tooth” at the 19th Landshut Short Film Festival and was enthralled from the first minute. How did you get the idea for the film?

Thank you, that’s really nice to hear. The story for “Sweet Tooth” took shape because of the crying baby in the apartment upstairs. She was crying a lot and on top of that there were a couple of older kids who were quite noisy till late in the evening. Until one day things got eerily quiet. That’s when the seed for the story was planted.

You manage to create a dense atmosphere in a very short time in very ordinary surroundings. How did you make that happen and where was your focus in doing that?

To me it’s all about rhythm and sound design when it comes to creating tension. With a five-minute film you can’t just go all out from the first second. You have to be patient and stretch the suspense for as much as possible. I really like it when horror films (short and long) are contained in the scares they bring, so “Sweet Tooth” became a very minimal film in that sense. Also, I like the challenge of making an ordinary setting scary. That brings it much closer to home then when you, say, have a creepy old house as your starting point. A horror film should make you scared of your own surroundings and most people don’t live in a ghost house but in a normal everyday living space.

Your film is quite short with only five minutes runtime. It would probably have been possible tell it with more time. Was ist important to make it short?

Well, you have to be efficient I guess. Suspense needs time, but when you come with the right image or the right piece of information, you can get the viewer to a state of alertness quicker in some cases. So if you manage to create some form of dread or anticipation quickly, you can then take the time to exploit that afterwards. And a few minutes is more then enough to get people to the edge of their seats. “Sweet Tooth” is basically just one scene. We use a phone call and outside information on the television to create a backstory and a mystery in the beginning. The rest is just taking advantage of that setup.

On the subject of more time: James Wan wants to produce a feature length variant of your short film with you directing it as your first feature. How did that happen and can you maybe hint at if and how you will expand the story?

Yes, I’m developing the feature with New Line Cinema, Atomic Monster (James Wan) and Good Fear (Chris Bender). It’s really exciting. I’ve been a fan of Wan for a long time and New Line is really the place to be when it comes to bringing horror to the world. So I count myself extremely lucky. It all came about because “Sweet Tooth” was screened at Fantasia Film Festival in Canada. Some people took notice of it there and this brought it to the attention of my current management, Good Fear – who had a first look deal with New Line. I can’t tell you too much about the direction the story is headed but I can tell you that it will be scary as hell!

What are your next steps otherwise? Will you stay in the Netherlands or are you thinking about going to the US as a director?

I’m working on a new horror short in the Netherlands right now. If everything goes according to plan we’ll have that finished by the beginning of November, so I’ll be here till then. We’ll see what happens after that.

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