- 60. Internationale Hofer Filmtage 2026 - 8. November 2026
- Jetzt online! – Der Film „Little Berlin“ - 7. November 2026
- „Drei Kameradinnen“ (2026) - 6. November 2026
20. bis 25. Oktober 2026 / Central Kino, Bürgergesellschaft Hof, Arts Avenue
Festivalbericht: Die Internationalen Hofer Filmtage feiern in diesem Jahr ihr 60. Jubiläum. Dabei schaut das Festivalteam unter der Leitung von Thorsten Schaumann nicht nur auf eine lange Tradition zurück, die mit einer Extra-Filmreihe geehrt wurde, sondern zeigte auch in diesem Jahr eine breite Auswahl an Geschichten, Erzählweisen und Genres von deutschen Nachwuch-Filmschaffenden und internationalen Independent-Produktionen. In zwei Filmreihen wurde der Fokus gleich auf drei Filmschaffende gelegt. Zum einen beschäftigte sich das Festival mit dem Werk der schweizerisch-kanadischen Regisseurin und Drehbuchautorin Leá Pool, die gerade mit ihrem neuesten Film „We’ll find Happiness“(2025) in den Kinos war. Zum anderen mit dem amerikanischen Filmemacher-Paar Julie und Roger Corman, die für ihre qualitativ hochwertigen B-Movies u.a. „Das Pendel des Todes“ bekannt geworden ist. Auch wurde der Schauspieler Christian Friedel mit dem Hans-Vogt Filmpreis für den innovativen und kreativen Filmton ausgezeichnet. Eröffnet wurde das sechstägige Festival mit dem Langzeit-Filmprojekt „Zoey & Ben“ von Alexander Conrads und dem Kurzfilm „Chéri on Top“. Insgesamt konnte man 136 Kurz- und Langfilme aus 30 Ländern sehen. Unter diesen wurden neun Preise im Gesamtwert von 57.500 € vergeben.
Langfilme: Fiktionale und Dokumentarische Stoffe
Der große Gewinner des diesjährigen Festivals war der deutsche Spielfilm „Paradeisa“ von Marleen Valien. Gleich vier Preise konnte die Regisseurin mit nach Hause nehmen: Die beiden Hofer Kritikerpreise für die Beste Regie und die Beste Produktion, sowie den Bild-Kunst Förderpreis für das Beste Szenenbild und Friedrich-Baur-Goldpreis. Ihr Film erzählt von einem Vater und seinen zwei Kindern, die noch unter dem Verlust der Mutter leiden, was aber nicht nur als schweres Drama umgesetzt wurde, sondern mit Leichtfüßigkeit, Unterhaltungswert und konsequent aus der Sicht des jüngeren Kindes. Der 46-minütige österreichische Film „Frutti di Mare“ von David Lapuch wurde mit dem Bild-Kunst Förderpreis für das Beste Kostüm ausgezeichnet. Sein Film spielt in nur einer Nacht und spürt mit seinen skurrilen Figuren tiefergehende Fragen nach, u.a. ob man nach dem Verlust eines Menschen an dem Ort weiterleben kann, den man mit dieser Person verbindet. Neben zwei Animations-Langfilmen gab es auch 27 Dokumentations-Langfilme zu sehen. Mit dem Granit – Hofer Dokumentarfilmpreis wurde der Dokumentarfilm „Wie Erinnern“ von Alisa Kolosova und Grigory Shklyar ausgezeichnet. Sie berichten von den Überlebenden und Zeitzeugen der Leningrader Blockade und sind mit ihren beobachtenden Aufnahmen sowie vielen Interviews ein wichtiges Zeitzeugen-Portrait.
Kurzfilme – Spielfilme
Die Hofer Filmtage zeichnen sich auch immer durch eine große Auswahl an nationalen wie internationalen Kurzfilmen aus, welche die Freiheiten des kurzen Erzählens nutzen, um ganz eigene, meist kreative Geschichten zu erzählen. Mit Identitätsfragen und auch verschiedenen Arten von Erwachsenwerden beschäftigten sich in diesem Jahr eine große Anzahl an Filmen. Der Filmemacher Berthold Wahjudi geht in „Vaterland oder ein Bulle namens Yanto“ auf Spurensuche in Indonesien und fragt sich, was Zugehörigkeit ausmacht. Der vietnamesisch-koreanische Genrefilm „The Dream is a Snail“ handelt von einer anderen Art Erweckungserlebnis. Die beiden älteren Männer in „Schuppenhaut“ haben dagegen ihr Coming-Out noch nicht gemacht, bis sie sich eines Tages im heimischen Dorf wieder begegnen. Der beinahe dokumentarisch gefilmte amerikanische Spielfilm „Agnès“ (Regie: Nora Arnezeder) erzählt von einer jungen Frau, die ihre Träume verfolgt und auf einmal etwas Traumatisches erlebt. Ganz im Gegensatz zu „The Man in the Showers“ von Hakim Atoui, der die eigenen Erinnerungen an sexuelle Erweckungserlebnisse auf gelungene Weise einfängt. Die Kinder in „Zwei Minuten“ von Yael van Altena müssen dagegen viel schneller erwachsen werden als sie wollen, da ihre Mutter oft nicht im Stand ist, sich um sie zu kümmern. Der chinesische „Dongmei“ (Regie: Rubing Zhang) erzählt von einer notwendigen Abnabelung einer Tochter, aber ungewöhnlicherweise
konsequent aus der Perspektive der Mutter. Der französische Film „Doïna“ von Mihai Tranca berichtet dagegen von einem Sohn, der erst als Erwachsener seine Mutter und ihr Leben wirklich kennenlernte. „Chéri on top“ war der Eröffnungs-Kurzfilm und begeistert mit einer schnell erzählten Geschichte von einem radikalen Loslösen von toxischer Männlichkeit. Auch der Protagonist in „Dosenmutter“ steht unter schlechtem Einfluss, denn auch nach ihrem Tod hält seine Mutter ihre wachsame Hand über ihn. Die Horrorkomödie von Alexander Peskador wurde mit dem Pharos Shiver Screen Award (der Genre-Preis des Festivals) ausgezeichnet. Auch der Kurzfilm mit dem längsten Titel des Festivals – „Das Institut für kurzfristige Wiederbelebung zur Aufklärung ungeklärter Erbschaftsangelegenheiten“ – erzählt mit feinem Humor und leiser Gesellschaftskritik seine futuristische Geschichte.
Kurzfilme – Dokumentarfilme
Der Kurzfilmpreis der Stadt Hof ging in diesem Jahr an den autofiktionalen, 20-minütigen Dokumentarfilm „All Buildings Are Beautiful“ von Christoph Schwarz. Der Film ist ein Portrait eines Gebäudes, der 80er-Bau der Alten Wirtschaftsuniversität in Wien, das abgerissen werden soll. Auch die Zukunft der Forellenzucht und deren Verarbeitung in der Sächsischen Schweiz in „Rinne für Rinne“ von Clara Louise Haas ist ungewiss. Mit viel Offenheit spricht das Besitzer-Ehepaar von seinem Leben und seiner Arbeit. Die Arbeit steht auch im Mittelpunkt der Dokumentation „So schlimm wie alltäglich“ von Julia Pavic, welche die Bestatterin und Thanatopraktikerin Helene bei ihrer Arbeit begleitet und die dem Publikum einen anderen Blick auf den Tod ermöglicht. In „5000 Credits“ geht die Filmemacherin Mascha Ryszkiewicz mit Hilfe ihres älteren Mitbewohners Gerhard auf die Suche danach, warum Menschen auf Betrügereien und falsche Liebe im Internet reinfallen. Es gab im Programm auch zwei Animationsfilme: Der Puppentrick „A Bird’s Wish“ von Gan De Lange ist eine persönliche Aufarbeitung des Themas Kinderwunsch und Fertilitätsmedizin und besitzt trotz Übertragung in die Vogelwelt was Dokumentarisches und ist ergreifend.
„Nos Âmes Libres“ (Regie: Salomée Stévenin)
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Website der Internationale Hofer Filmtage
- Wikipedia-Artikel über die Internationalen Hofer Filmtage
- dpa Bayern, ‚Filmfestival: Mit Caroline Link und Co.: Hofer Filmtage feiern Jubiläum‘, zeit.de, 2026