Sechs Fragen an Christophe M. Saber

Interview: Im Gespräch erzählt uns Christophe M. Saber wie lang ihn schon die Idee für „Punchline“ verfolgt, warum er sie zweimal umsetzte und wie wichtig Improvisation für ihn ist.

The original english language interview is also available.

Ich hatte das Vergnügen deinen Kurzfilm „Punchline“ auf dem 19. Landshuter Kurzfilmfestival zu sehen. Wie hast Du Idee zu dem 9-minütigen Kurzfilm entwickelt?

Die Idee dazu kam mir im ersten Jahr der Filmschule, als ich 19 Jahre alt war. Das Anschauen von Filmen von Quentin Tarantino und Guy Ritchie hat mich natürlich beeinflusst. Ich war fasziniert von der theatralischen Spielweise, die Killer in diesen Filmen einnehmen. Also wollte ich mich darüber lustig machen, aber gleichzeitig war der Film auch als Hommage gedacht. Ich hatte bereits ursprünglich eine vierminütige Version des Films im Jahr 2010 gedreht, alles wurde in einem Zug gedreht. Aber mein Mangel an Erfahrung im Schreiben und in der Regie zu dieser Zeit brachte jedoch nur einen sehr unterdurchschnittlichen Kurzfilm hervor. Ich wusste jedoch, dass die Idee es wert war, weiter verfolgt zu werden. Ich versprach mir, dass ich den Film eines Tages richtig machen würde, und Ende 2016, sechs Jahre später, habe ich endlich das Remake gedreht.

In diesem Genre – der Gauner-Komödien – gibt es viele gute Beispiele. Gibt es Filme oder Regisseure, welche Dich direkt beeinflusst haben?

Natürlich: „Pulp Fiction“ [Quentin Tarantino, 1994]. „Snatch – Schweine und Diamanten“ [Guy Ritchie, 2000], „Bube Dame König grAS“ [Guy Ritchie, 1998], „Natural Born Killers“ [Oliver Stone, 1994], „True Romance“ [Tony Scott, 1993], „Goodfellas“ [Martin Scorsese, 1990].

Handwerklich ist der Film sehr souverän inszeniert. Mir ist vor allem der Drehort im Gedächtnis geblieben. Kannst Du mehr von den Dreharbeiten erzählen?

Die Dreharbeiten zu „Punchline” dauerten zwei Tage. Wir haben es am Wochenende mit einer Gruppe von Freunden ohne Budget gedreht. Ich wollte viel Raum für Improvisationen lassen, also haben wir die Kamera manchmal zehn Minuten laufen lassen und die Schauspieler haben sich einfach Pointen ausgedacht. Ich glaube nicht, dass ich jemals an einem Filmset mehr gelacht habe; es hat viel Spaß gemacht.

Auch das Ensemble harmoniert gut zusammen. Wie lief der Casting-Prozess?

Mehdi Djaadi hatte in der ersten Version des Films tatsächlich mitgemacht. Alain Borek hatte ich ein paar Monate zuvor kennengelernt und ich wusste, dass ich mit ihm wegen seiner erstaunlichen Improvisationsfähigkeiten eines Tages zusammenarbeiten wollte. Und Laurent Baier hatte in einem meiner früheren Filme „Discipline“ mitgewirkt. Es gab also nicht viel Casting, es war eher eine natürliche Auswahl von Leuten, mit denen ich arbeiten oder wieder arbeiten wollte.

Kannst Du mir ein bisschen mehr über Dich erzählen? Du hast von Fiktion über Dokumentationen hin zum Experimentellen schon viel realisiert. Hast Du ein Lieblingsgebiet?

Mein Herz gehört definitiv der Fiktion. Als ich aufwuchs sah ich hauptsächlich amerikanisches Kino und heute ist es mein Ziel, eine Geschichte zu erzählen, die ein breites Publikum anspricht und gleichzeitig eine einzigartige und spezifische Ästhetik beibehält. Ich nenne diese ‘popular film d’auteur’.

Wie wird es bei Dir weitergehen? Welche folgende Projekte stehen am Start?

Mein nächstes Projekt wird entweder ein Spielfilm in der Schweiz oder in Kairo (Ägypten) sein. Ich schreibe gerade, so ist es zu früh, um zu sagen, was ich als nächstes tun werde, aber ich freue mich auf die Zukunft.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Punchline


Interview: In our conversation Christophe M. Saber tells us how long the idea for „Punchline“ has been with him, why he implemented it twice and how important improvisation is for him.

I had the pleasure to watch your short film „Punchline“ at the 19th Landshut Short Film Festival. How did you develop the idea for the 9-minute short film?

The idea came to me in my first year of film school when I was 19 years old. Watching films by Tarantino and Guy Ritchie of course influenced me. I was fascinated with the theatrical posture that killers have in these films. So I wanted to make fun of that but also pay an homage at the same time. I originally directed a 4 minutes version of the film in 2010, it all happened in an elevator. My lack of experience in both writing and directing at the time left me with a very below average short. I knew however that the idea had was worth pursuing and I promised myself that one day I would remake the film properly and in late 2016, six years later, I finally remade it.

In this genre – broadly speaking gangster comedy – there are many great examples. Are there films or directors that have directly influenced you?

„Pulp Fiction“ [Quentin Tarantino, 1994] of course. „Snatch“ [Guy Ritchie, 2000], „Lock stock and two smoking barrels“ [Guy Ritchie, 1998], „Natural Born Killers“ [Oliver Stone, 1994], „True Romance“ [Tony Scott, 1993], „Goodfellas“ [Martin Scorsese, 1990].

In terms of craftsmanship, the film is very confident. I remember the location of the film above all. Can you tell me more about the shooting?

The shooting of „Punchline“ took two days. We shot it over the weekend with a group of friends with virtually no budget. I wanted to give a lot of space for improvisation so we sometimes let the camera roll for 10 minutes and the actors would come up with punchlines of the top of their heads. I don’t think I’ve ever laughed harder on a film set; it was a lot of fun.

The ensemble harmonizes well together. How did the casting process go?

Mehdi Djaadi had actually acted in the first version of the film. Alain Borek, I had met a few months earlier and knew I wanted to work with him someday because of his amazing improvisation skills. And Laurent Baier had acted in one of my previous films „Discipline. So there wasn’t much casting done, it was more of a natural selection of people I wanted to work or re-work with.

Can you tell me a little bit more about yourself? You’ve already realized a lot from fiction to documentaries to the experimental. Do you have a favourite area?

My heart definitely belongs to fiction. Growing I mostly watch American Cinema and today my ambition is to tell story that have a wide audience appeal while maintaining a unique and specific aesthetic. I call them „popular film d’auteur.

What will happen next with you? Which projects are planned?

My next project will either be a feature film in Switzerland or back home in Cairo Egypt. I’m currently writing, it’s too early to say what I’ll do next but I’m looking forward to whatever the future holds.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Punchline

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