„Escape Room“ (2019)

Filmkritik: Fast jedes Massenphänomen hat auch einen Film nach sich gezogen. Wie das Geocaching-Hobby den deutschen Genrefilm „Lost Place“ hervorbrachte, so ist auch „Escape Room“ (OT: „Escape Room“, Kanada/USA, 2019) aus dem seit 2010 etablierenden Freizeitabenteuer heraus entstanden. Unter der Regie von Adam Robitel entstand ein Film, der sich klassischer Filmelemente bedient und so eine Mischung aus „The Cube“ (2013) und „Saw“ (2004) schuf.

Seit einem traumatischen Erlebnis fällt es der klugen Zoey (Taylor Russell) schwer, sich zu öffnen oder irgendwelche Risiken einzugehen. Nachdem ihr Professor ihr empfohlen hat, in den Ferien einmal etwas Neues auszuprobieren, erhält sie eine Einladung zu einem Escape Room. Sie lässt sich darauf ein und trifft dort auf fünf weitere Spieler. Mit dabei sind der Finanzverwalter Jason (Jay Ellis), welcher es für ein exzentrisches Geschenk eines seiner Kunden hält, und der alkoholkranke Loser-Typ Ben (Logan Miller). Die Veteranin Amanda (Deborah Ann Woll) und Mike (Tyler Labine) kamen wegen des Geldes, da dem Gewinner ein hoher Preis offeriert wurde, und Danny (Nik Dodani) ist süchtig nach solcher Art Spielen und hat schon jeden Escape Room geknackt. Erst langsam wird ihnen klar, dass der Warteraum bereits der erste Raum ist. Doch recht schnell fühlt sich alles echter und bedrohlicher an, als erwartet.

Der Regisseur Adam Robitel (*1978), der sich vor allem durch den letzten Teil der ‚Insidious‘- Reihe („Insidious – The Last Key“) einen Namen gemacht hat, verfilmt hier eine Geschichte, die auf einem sozialen und recht neuen Massenphänomen beruht. Die beiden Drehbuchschreiber Maria Melnik und Bragi F. Schut griffen in ihrem Buch die seit 2010 weltweit entstehenden Rätselräume auf. Dabei hat eine Gruppe von Spielern meistens eine Stunde Zeit sich aus einem oder mehreren Räumen zu befreien und muss dafür die unterschiedlichsten Rätsel lösen. Diese Räume, in denen sich Menschen (meist gefesselt) freiwillig einsperren lassen, dienen nun als Ausgangsidee für einen Film, der zwischen Horror und Thriller angesiedelt ist. Dabei gehen die Filmemacher von der Prämisse aus, dass die Betreiber dieser Räume sich nicht davor scheuen, auch Menschenleben für ihren Zweck zu opfern. Wenn man sich vorher nicht über den Film informiert hat, kann man den Blick des Nerds Danny verstehen, der die ganzen Räume als äußerst intensiv aber ungefährlich erachtet. Erst mit dem ersten Toten stellt sich der komplette Ernst der Lage ein und lässt die Gruppe, welche aus sehr vielen unterschiedlichen Charakteren besteht, enorme Kräfte und Zusammenhalt entwickeln. Dabei erinnert er in Zügen an den Film „The Cube“, wo sich eine Gruppe aus einer Todesfalle aus vielen würfelförmigen Räumen befreien musste. Bei diesem Film kommt mit den Hintergrundgeschichten noch ein zusätzlicher roter Faden hinzu, welcher die Zuschauer neugierig auf die Einzelschicksale macht. Leider enttäuscht die schlussendliche Auflösung etwas, doch passt es gut zu der doch etwas vorhersehbaren Geschichte. Der Überlebenskampf, der teilweise mit spielerischen Rätseln verknüpft ist und meist mit einer verbindenden Hintergrundgeschichte versehen wurde, ist wahrlich nichts Neues und so etwas hat man schon in vielen Filmen, wie der „Saw“-Reihe (2004-2009), gesehen. Doch Robitel verbindet diese fast schon klassischen Elemente wunderbar zu einem stimmigen Ganzen und schuf Charaktere, die zwar nicht aus ihren Stereotypen herauskommen (so gibt es u.a. den unberechenbaren Egoisten), doch sympathisch und charismatisch sind, so dass ihr Tod dem einen oder anderen Zuschauer definitiv an die Nieren geht.

Gelungen ist dem Film durch seine sympathische Charakterzeichnung, welche durch die hervorragenden Schauspielerwahl, darunter Tyler Labine (einfach großartig in „Tucker & Dale gegen das Böse“ (2010)) und Deborah Ann Woll (seit „True Blood“ (2008-2014) leider eher selten gesehen) wunderbar unterstützt wird. Die kreative Ausgestaltung des Films trägt zudem viel zur guten Wirkung bei. Die Räume des Escape Rooms unterscheiden sich alle, sind auf einem bestimmten Charakter zugeschnitten und animieren den Betrachter zum Miträtseln. Dabei sind diese verspielt und fangen das Spielprinzip wunderbar ein. Sie zeigen, dass sowohl körperliches Geschick als auch ein kluges Kombinieren zum Ziel führt. Hier kommt vor allem aber noch das gegenseitige füreinander dasein hinzu. Man sieht dem Film an, dass er sein Setting und alle zugehörigen Elemente voll auskostet und so überträgt sich die Inszenierungsfreude auf den Zuschauer, der gespannt den Ereignissen folgt, auch wenn er schon von Beginn an mehr vom Ausgang weiß, als ihm lieb ist. So bietet der Film, der im Kern mehr ein Thriller als ein Horrorfilm ist, rundum gute Unterhaltung und erfindet das Rad zwar nicht neu, aber setzt die klassischen Elemente wunderbar zusammen.

Fazit: Der Spielfilm „Escape Room“ bedient sich der Elemente aus dem mittlerweile fast klassischen Horror-Thriller-Subgenre, in dem sich Menschen mit Rätseln aus lebensgefährlichen Situationen befreien müssen. Diese setzt der Regisseur Adam Robitel auf Grundlage des neuen Freizeitvergnügen gekonnt zusammen und schafft es mit einem überzeugenden Ensemble, sympathisch angelegten Figuren und ausgetüftelten Räumen die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Da stört es auch nicht, dass die eine oder andere Wendung vorhersehbar ist, denn der Film bietet genug spannende Unterhaltung, vor allem für Menschen, die ein Faible für das Genre entwickelt haben.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 28. Februar 2019

Trailer zum Film „Escape Room“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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