Fünf Fragen an Pavlo Ostrikov

Interview: Auf dem 28. Filmfestival Cottbus stellte der ukrainische Filmemacher Pavlo Ostrikov seinen dritten Kurzfilm „Mia donna“ vor. Im Gespräch erzählt er uns mehr zu der Entstehung des Films, wie er die Idee dazu entwickelte und was bei der Ausarbeitung an vorderster Stelle steht.  

The original english language interview is also available.

Auf dem 28. FFC war Dein Film „Mia donna“ unter den Kurzfilmen mit seiner Ausgangsidee wahrlich der überraschendste. Wie bist Du darauf gekommen – haben eigene Erfahrungen mit Frauen dich dazu verleitet?

Die Idee kam mir, als ich darüber nachdachte, warum nach vielen Jahren die Liebe geht und zur Fürsorge wird. Jetzt habe ich eine tolle Beziehung, aber wird sie das für immer sein? Denn in meiner Heimatstadt in der Ukraine sah ich viele Paare, die ihre Leidenschaft verloren haben. Und ich weiß nicht, warum normalerweise Frauen diese Art der Beziehung führen. Für mich ist dieser Film also ein Versuch, dieses Phänomen zu verstehen.

In Deinem Film steckt so viel Situationskomik. Man hätte sich vermutlich auch für eine ernsthafte Auslegung entscheiden können. Liegt das Komödienfach Dir einfach näher?

Ja, ich erzähle gerne dramatische Geschichten mit Humor, denn für mich ist Dramedy das beste Genre der Welt. Außerdem bin ich Stand-up-Comedian, deshalb liebe ich Humor und stelle mir kein gutes Drama ohne eine kleine Situationskomödie vor. Das Leben ist lustig, auch wenn wir alle sterben werden.

Worauf hast Du bei der Inszenierung besonders geachtet?

Zuerst einmal bin ich Drehbuchautor und ich möchte alle Regiearbeiten auf der Bühne des Drehbuchs durchführen. Ich hatte Angst, dass meine Vorstellung, einen Mann in einen Jungen zu verwandeln, zu einer billigen Komödie werden könnte. Und jeder weiß, dass ein gutes Casting eine große Rolle spielt. Und wenn du all diese Dinge großartig gemacht hast, kannst du dich ausruhen und das Filmemachen am Set genießen.  

Könnte man aus dem Stoff auch nicht auch gut einen Langfilm machen? Hast Du mal drüber nachgedacht?

Ich dachte darüber nach, aber ich konnte keinen Weg finden, wie man einen Spielfilm aus diesem Material erstellt. Weil ich mich nicht wiederholen will und das Motiv verwenden wollte, wie ein Mann zum Jungen wird. Wenn ich eine Kurzfilmstory schreibe, ist es schwer, Änderungen zu machen und die Handlung zu erweitern. Aber vielleicht werde ich in Zukunft den Spielfilm Mia Donna machen.

Kannst Du mir mehr vom Kino und den Filmschaffenden in der Ukraine erzählen. Gibt es was typisch Ukrainisches?

Die Ukraine ist ein junges Land, deshalb ist unsere Filmindustrie nicht groß und berühmt, aber Jahr für Jahr wachsen wir heran und heute sieht man, dass ukrainische Filme an vielen bedeutenden Festivals teilnehmen: Berlinale, Cannes, Locarno und mehr. Der bekannteste ukrainische Film ist „Tribe“ von Myroslav Slaboshpitskiy. Es ist eine dramatische und schockierende Geschichte über gehörlose Teenager. Die Regierung unterstützt die interessantesten Projekte und bietet jungen Filmemachern eine großartige Gelegenheit. Außerdem haben wir ukrainische Filmemacher der neuen Generation, die die echte Ukraine zeigen und eine neue Kinosprache finden wollen.

Magst Du mir zum Abschluss noch etwas mehr über Dich erzählen und wie es bei Dir weitergehen wird?

Ich bin ukrainischer Regisseur und Drehbuchautor. Aber an der Universität studierte ich um Anwalt zu werden. Dieser Job war für mich so langweilig, dass ich mich die ganze Zeit auf mein Hobby konzentrierte. Danach habe ich sechs Kurzfilme gemacht und „Mia donna“ war der letzte. Heute arbeite ich an meinem Spielfilmprojekt „U are the Universe“. Es ist eine Geschichte über die letzte Liebe im Universum. Stell dir vor, dass unsere Zukunft für uns nicht so rosig ist, weil wir eine Menge Atommüll auf der Erde haben. Deshalb haben die Menschen Fracht-Raumschiffe gebaut, die Atommüll von der Erde in ein Schwarzes Loch liefern können. Die Reise dauert etwa vier Jahre. Und das ist Andriys Job. Er ist ein rauer und unangenehmer Mann. Aber nach der Explosion der Erde wurde Andriy der letzte Mensch im Universum.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Mia donna


Interview: At the 28th Cottbus Film Festival, Ukrainian filmmaker Pavlo Ostrikov presented his third short film „Mia donna„. In the interview he tells us more about the making of the film, how he developed the idea for it and what is at the forefront of its production

At the 28th FFC your film „Mia donna“ was the most surprising of the short films with its original idea. How did you come up with this idea – did your own experiences with women lead you to it?

The idea came to me when I was thinking why after many years love goes and turns into care. Now I have a great relationship but will be it forever? Because in my native town in Ukraine I saw many couples who lost their passion. And I don’t know why usually women lead in this type of relationship. So for me this film is an effort to understanding this problem.

There is so much situational comedy in your film. You could probably have chosen a more serious approach. Did the comedic approach suit you better?

Yes, I like telling dramatic story with humor because for me dramedy is the best genre in the world. Also I`m stand up comedian that’s why I love humor and don’t imagine good drama without a lit bit situational comedy. Life is funny even if we all will die.

What did you pay particular attention to during production?

First of all, I`m scriptwriter and I want to pull all directing on the stage of writing the script. I was afraid that my idea of turning a man into a boy would could become into a cheap comedy. And everyone know that a good casting plays a big role. And If you did all this staff great  you can rest and enjoy the filmmaking at the set.

You could also make a feature film out of the material. Have you ever thought about that?

I thought about it but I could not find decision how create a feature film on this material. Because I didn’t want to repeat himself and use theme that man became boy. When I write a short film story it’s hard to сhange and expand the plot. But maybe in future I`ll make feature film „Mia donna„.

Can you tell me more about the cinema and the filmmakers in Ukraine? Is there anything typically Ukrainian?

Ukraine is young country that’s why our film industry isn’t big and famous but year after year we grow up and today you can see that Ukrainian films participate at many significant festivals: Berlinale, Cannes, Locarno and more. The most acclaimed Ukrainian film is Tribe by Myroslav Slaboshpitskiy. It’s dramatic and shock story about deaf teenagers. The government support the most interesting projects and it’s great opportunity for young filmmakers. Also we have new generation Ukrainian filmmakers whom want to show real Ukraine and find new cinema language.

Would you like to tell me a bit more about yourself and how it will go on with you?

I`m Ukrainian director and scriptwriter. But at the University I was studying as a lawyer. This job was so boring for me that I decided to concentrate all my time on my hobby. After that I made 6 short films and „Mia Donna“ was the last one. Today I`m working on my feature film project called U are the Universe. It`s a story about last love at the Universe. Imagine that our future not so bright for us. Because we have a lot of nuclear waste on the Earth. That’s why people created cargo space ships which can deliver nuclear waste from Earth to black hole. The trip takes about 4 years. And this is Andriy`s job. He is rough and unpleasant man. But after the explosion of the Earth Andriy became the last man at the Universe.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Mia donna

3 Gedanken zu “Fünf Fragen an Pavlo Ostrikov

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