Acht Fragen an Lewis Attey

Interview: Im Gespräch mit dem australischen Filmemacher Lewis Attey konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Three Stories inside a rental van“, der auf dem 31. Filmfest Dresden im Internationalen Wettbewerb lief, warum er sich für einen Onetaker und für die Van-Perspektive entschieden hat. Zudem erzählt er über den Look des Films und wie er selbst zum Film kam.  

The original english language interview is also available.

Wie kam es zu Deinem Episoden-Kurzfilm „Three Stories inside a rental van“?

2015 schrieb ich ein Drehbuch für einen Kurzfilm, der in einem Van gedreht wurde, aber ich habe es aufgegeben, weil es mir nicht wirklich gefiel. Im Jahr 2018 entschied ich mich, einen Kurzfilm zu machen und nahm dieses alte Drehbuch mit. Im Nachhinein gesehen war die ursprüngliche Idee viel zu groß und wahrscheinlich eher für einen Langfilm geeignet, aber ich mochte die Van-Perspektive sehr. Ich begann, es so umzuschreiben, dass es der Kurzfilmform besser entsprach. „Three Stories Inside a Rental Van“ war das, was am Ende dabei herauskam.

Deine Inszenierung ist sehr faszinierend. Du filmst nicht nur von innen, sondern entscheidest Dich auch für One-Taker. Kannst Du mir mehr zu Deinem visuellen Konzept erzählen?  

Mein vorheriger Kurzfilm war ebenfalls in einem Take gedreht worden. Es ist eine formale Entscheidung, die Vorteile und Nachteile hat, aber für diesen speziellen Film habe ich das Gefühl, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen. Ein erster Bezugspunkt für diesen Film war das Filmmaterial der Dash Cam [Anm. d. Red. Frontkamera in einem Auto]. Ich war fasziniert von der Art und Weise, wie die Kamera einfach immer weiter aufnahm, manchmal sogar, nachdem die Motive aus dem Bild gegangen waren. Es war, als hätte das Fahrzeug ein eigenes Leben. Also denke ich, dass der One-Shot ein Versuch war, dieses Gefühl zu replizieren.

Wie muss ich mir die Dreharbeiten dazu vorstellen?  In der Geschichte, wo es Passanten gab, waren sie eingeweiht?

Ja, jeder, der in dieser Szene erscheint, weiß, dass er vor der Kamera steht. Da die Kamera im Van versteckt war, flirteten wir kurz mit der Idee, die Szene nur mit ahnungslosen Menschen zu filmen. Aber am Ende haben wir entschieden, dass die Jagd auf Leute mit Freigabeformularen mehr Mühe bedeutet, als es wert ist.

Wie habt ihr den richtigen Van für eure Geschichte gefunden?

Ich würde gerne sagen, dass es eine kreative Entscheidung war, aber am Ende haben wir uns für den Renault Master Van entschieden, weil er uns einen größeren Platz in der Kabine für das Kamerarigg ermöglicht hat. 

Du hast einen sehr realitätsnahen Stil – fühlst Du Dich dem Dokumentarfilm verbunden?

Das ist schön zu hören, denn das ist definitiv etwas, was ich versucht habe zu erreichen. Nein, ich habe keine Verbindungen zum Dokumentarfilm, obwohl ich mich definitiv für narrative Filme interessiere, die versuchen, die Realität so ehrlich wie möglich einzufangen. 

Hast Du noch mehr als diese drei Geschichten auf Lager?

Ich habe eine riesige Liste anderer möglicher Geschichten, die es nicht geschafft haben! Aber ich kann es mir nicht vorstellen, dass ich in einem Van weitere Geschichten mache. Vielleicht können sie für zukünftige Projekte angepasst werden. Wer weiß.

Kannst Du mir ein bisschen mehr von Dir erzählen. Woher kommt Deine Liebe zum Film und wer hat Dich beeinflusst?

Ich bin in Perth, Westaustralien, aufgewachsen. Ich fing an, viele Filme zu sehen, als ich als Teenager einen Job in einer Videothek bekam. Dann zog ich nach Melbourne, um Film zu studieren, als ich Anfang 20 war. Meine Einflüsse haben sich im Laufe der Jahre stark verändert, aber Stanley Kubrick war ein großer früher Einfluss für mich, wie ich auch weiß, war er das für die meisten Filmemacher.

Wie wird es bei Dir weitergehen? Sind schon neue Projekte geplant?

Ich habe noch einen weiteren Kurzfilm, den ich bald drehen werde, und ich schreibe gerade einen Spielfilm.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Three Stories Inside a Rental Van


Interview: In our interview with Australian filmmaker Lewis Attey, we were able to learn more about his short film „Three Stories Inside a Rental Van„, which was screened at the 31st Filmfest Dresden in the International Competition, why he chose an one-shot and the van perspective. He also talks about the look of the film and how he came to film himself.

How did your episodic short „Three Stories Inside a Rental Van“ come about?

In 2015 I wrote a screenplay for a short film that was set in a van, but I abandoned it because I didn’t really like it. In 2018 I decided I wanted to make a short film and I picked up this old script. In retrospect the original idea was much too big and probably more suited to a feature, but I really liked the van setting. I started to rewrite it so that it was more appropriate to the short form. „Three Stories Inside a Rental Van“ was what I ended up with.

Your staging is very fascinating. You don’t just film from the inside, you also choose to film everything in one shot. Can you tell me about your visual concept? 

 My previous short film was also one shot. It’s a formal decision that has benefits and limitations, but for this particular film I feel like the benefits outweighed the limitations. An early reference point for this film was dash cam footage. I was fascinated by the way the camera just kept rolling, sometimes even after the subjects had walked out of frame. It was like the vehicle had a life of its own. So I guess the one-shot was an attempt to replicate that feeling.

How do I have to imagine the filming?  In the story where there were passers-by, were they in on it?

Yes everyone who appears in that scene knows they are on camera. Given how well the camera was concealed in the van we briefly flirted with the idea of just filming the scene with unsuspecting people. But in the end we decided that chasing after people with release forms would be more trouble than it’s worth.

How did you find the right van for your story?

I would love to say it was a creative decision , but in the end we chose the Renault Master Van because it allowed us a greater space in the cabin to fit the camera rig. 

You have a style that feels very close to reality – do you have any connections to documentary filmmaking?

That’s nice to hear because that is definitely something I was trying to achieve. No I don’t have any connections to documentary, although I’m definitely drawn to narrative films that attempt to capture reality as honestly as possible. 

Do you have more than these three stories in stock?

I have a huge list of other possible stories that didn’t make the cut! But I don’t see myself making any further stories inside a van. Maybe they can be adapted for future projects. Who knows.

Can you tell me a little bit more about yourself? Where does your love for film come from and who has influenced you?

I grew up in Perth, Western Australia. I started watching a lot of films when I got a job in a video store as a teenager. I then moved to Melbourne to study film when I was in my early 20s. My influences have changed a lot over the years, but Stanley Kubrick was a big early influence for me, as I know he has been for most filmmakers.

How will it continue with you? Are there already new projects planned?

I have another short film I am about to shoot and I am currently writing a feature film.

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Three Stories Inside a Rental Van

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